Die 100er-Marke ist gefallen — und der DAX-Rekord lenkt vom eigentlichen Signal ab

Der fallende Dollar-Index unter 100 signalisiert Verschiebungen, die die Euro-Rendite von US-Anlagen schmälern und neue Risiken für globale Märkte bergen.

Die Kernpunkte:
  • Dollar-Index unter 100 gefallen
  • Yen-Carry-Trade birgt Systemrisiko
  • Gold nähert sich 4.200 Dollar
  • Frankreichs politische Risikoprämie steigt

Liebe Leserinnen und Leser,

während der DAX diese Woche von Rekord zu Rekord eilte, ist an den Devisenmärkten eine Schwelle gerissen, die für Ihr Depot mehr Gewicht hat als jeder weitere Indexhöchststand: Der Dollar-Index fiel erstmals seit Mitte 2023 unter die Marke von 100. Gleichzeitig steht der Yen nahe historischen Tiefständen, und zwischen den großen Notenbanken öffnet sich eine Lücke, die so breit ist wie lange nicht. Wer nur auf Aktienkurse schaut, übersieht, wie viel von der globalen Rally am Ende tatsächlich in Euro auf dem Konto ankommt.

Der schwache Dollar verschiebt die Karten

Auslöser war derselbe US-Arbeitsmarktbericht, der bereits den DAX beflügelt hat: Im Juni entstanden nur 57.000 neue Stellen, erwartet waren rund 113.000 — der schwächste Wert seit Februar. Die Arbeitslosenquote fiel zwar auf 4,2 Prozent, aber nicht, weil mehr Menschen Arbeit fanden, sondern weil die Erwerbsquote um 0,3 Punkte auf 61,4 Prozent sank. Das ist Schrumpfung, verkleidet als Verbesserung.

Die Konsequenz an den Terminmärkten: Händler auf Polymarket taxieren die Wahrscheinlichkeit einer unveränderten Fed im Juli inzwischen auf 90,5 Prozent, vor dem Bericht waren es 71,5 Prozent. Der Dollar-Index brach unter 100, der Euro kletterte auf rund 1,1448 Dollar — einen Kurs, den die EZB am Freitag auch als Referenz festsetzte, nach 1,1399 am Vortag.

Für Ihr Depot heißt das: Ein schwächerer Dollar drückt die Euro-Rendite auf US-Anlagen, weil Gewinne bei der Rückrechnung schrumpfen. Wer stark in US-Tech investiert ist, spürt diesen Gegenwind selbst dann, wenn die Kurse in Dollar weiter steigen. Zugleich befeuert die Dollar-Schwäche ein anderes Asset — dazu gleich mehr.

Der Yen-Carry-Trade: ein bekanntes Risiko unter neuer Spannung

Brisanter ist die japanische Seite der Geschichte. USD/JPY erreichte am 30. Juni mit 162,38 ein Vier-Dekaden-Tief und erholte sich nach den schwachen US-Daten nur auf rund 161. Japans Finanzministerin Satsuki Katayama bekräftigte die Interventionsbereitschaft — allein im April und Mai gab Tokio über 73 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 11,7 Billionen Yen, für Stützungskäufe aus. Die Wirkung hielt jeweils nur kurz. ING warnt: Ohne eine robuste Zinserhöhung der Bank of Japan bleibt die Yen-Schwäche strukturell bestehen. Die Netto-Short-Positionen im Yen liegen inzwischen nahe einem Zweijahreshoch.

Warum das relevant ist: Genau diese Konstellation — extreme Short-Positionierung plus Interventionsdruck — führte im August 2024 zur abrupten Auflösung des Yen-Carry-Trades und riss damals binnen Tagen Aktienmärkte von Tokio bis Frankfurt mit nach unten. Sollte die BoJ die Zinsen anheben oder eine Intervention den Yen ruckartig stärken, drohen ähnliche Kettenreaktionen. Die Rekordlaune in Frankfurt sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein bekanntes Systemrisiko unter Spannung steht.

Gold nähert sich wieder der 4.200-Dollar-Marke

Dollar-Schwäche und gekippte Zinserwartungen treiben ein drittes Asset: Der August-Kontrakt auf Gold stieg im Wochenverlauf um rund 1,3 Prozent auf etwa 4.180 Dollar je Feinunze — das beste Wochenplus seit Februar. Zur Einordnung: Gold hatte im Januar 2026 mit 5.595 Dollar ein Allzeithoch markiert und war danach um rund 24 Prozent gefallen. Jetzt dreht der Trend, und die Prognosen bleiben ambitioniert — Goldman Sachs sieht 4.900 Dollar zum Jahresende, JPMorgan sogar 6.000 Dollar im vierten Quartal.

Gold profitiert aktuell von einer seltenen Dreifach-Kombination: fallenden Realzinsen, schwachem Dollar und nachlassenden Inflationssorgen — die deutsche Inflation kühlte im Juni auf 2,3 Prozent ab. Als Depotbeimischung gegen genau die Währungs- und Geopolitik-Risiken, die oben beschrieben sind, behält das Metall damit seine Berechtigung.

Frankreich rückt in den Fokus — Europas eigene Risikoprämie

Abseits der Frankfurter Euphorie formiert sich in Paris eine eigene Geschichte. EZB-Präsidentin Christine Lagarde schließt laut „Les Echos“ einen vorzeitigen Rücktritt vor dem regulären Amtszeitende im Oktober 2027 nicht aus — um sich in den französischen Präsidentschaftswahlkampf einzubringen, der im Frühjahr 2027 entschieden wird. Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer vermutet dahinter Kalkül: Lagarde wolle den Einfluss der Rechten auf ihre eigene EZB-Nachfolge begrenzen.

Zugleich könnte Frankreich zum spannendsten Börsenplatz Europas werden, sagen Marktbeobachter: Höhere Zinsen verbessern das Ertragspotenzial des großen französischen Bankensektors, Paris etabliert sich nach dem Brexit als Finanzzentrum, und internationale Investoren suchen zunehmend Alternativen zu den teuren US-Tech-Bewertungen.

Für europäische Anleger entsteht daraus eine echte Chance-Risiko-Kombination. Der Finanzsektor lockt, aber die politische Unsicherheit rund um EZB-Nachfolge und Frankreich-Wahl bringt eine Risikoprämie zurück, die man einpreisen sollte. Der EuroStoxx 50 markierte am Freitag zwar neue Hochs — allerdings bei dünnem Feiertagshandel, was die Aussagekraft begrenzt.

Agrarrohstoffe: die trügerische Ruhe vor dem Wetter

Während der Ölmarkt vor dem US-Feiertag ruhig blieb — Brent notierte nahe 71,90 Dollar, jede Kriegsprämie ist inzwischen abgebaut —, bewegt sich bei Agrarrohstoffen mehr, als der erste Blick zeigt. Der FAO-Lebensmittelpreisindex sank im Juni leicht auf 130,3 Punkte, getragen von fallenden Getreide- (minus 3,5 Prozent, Weizen minus 4,4) und Zuckerpreisen (minus 5,7 Prozent). Fleisch dagegen erreichte mit 131 Punkten ein Rekordhoch.

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Diese vermeintliche Ruhe am Ölmarkt ist genau der Punkt, den ich morgen um 11:00 Uhr gemeinsam mit Jörg Mahnert im Live-Webinar „Vom Blackout zum Profit – So trotzen Sie dem globalen Energieschock“ genauer beleuchte. Wir zeigen Ihnen, warum die niedrige Kriegsprämie bei Brent aus unserer Sicht trügerisch ist und welche drei Unternehmen aktuell besonders stark vom institutionellen Kapital der Wall Street angesteuert werden. Konkret geht es um einen „Energie-Titan“ mit Fokus auf sichere westliche Förderung, einen „Technologie-Architekten“ mit 110 Milliarden Euro Auftragsbestand sowie einen „Pipeline-Wächter“, der als Nabelschnur für Industrie und Landwirtschaft gilt. Jörg Mahnert stellt dazu seinen „Momentum-Check“ vor, mit dem er diese drei Werte aus der Fundamentalanalyse herausgefiltert hat. Wenn Sie verstehen möchten, wie sich Energiepreis-Spannungen in konkrete Aktienchancen übersetzen lassen, sichern Sie sich jetzt Ihren Platz. Jetzt zum Webinar anmelden

Der eigentliche Warnschuss kommt vom Wetter: Die Weltwetterorganisation WMO warnt vor sich rasch verstärkenden El-Niño-Bedingungen. Indien meldete für Juni ein Monsun-Defizit von rund 40 Prozent, die globale Getreideproduktion 2026 wird auf 2,98 Milliarden Tonnen taxiert — 1,9 Prozent weniger als im Vorjahr. In Brasilien stützen Ernteverzögerungen bereits die Kaffeepreise.

Die aktuell entspannten Lebensmittelpreise könnten damit trügerisch sein. Wer in Agrar-ETFs oder entsprechende Sektorwerte investiert ist, sollte die El-Niño-Entwicklung im dritten Quartal genau beobachten — hier baut sich struktureller Aufwärtsdruck auf, der von den heutigen Indexständen noch nicht abgebildet wird.

Was die kommende Woche bringt

Der US-Feiertag hat die Liquidität ausgedünnt und das aktuelle Bild verzerrt — New York blieb am Freitag geschlossen, der Handel läuft ab Montag wieder normal. Ab kommender Woche startet die Q2-Berichtssaison, die zeigen wird, wie robust die Weltwirtschaft trotz weiterhin hoher Zinsen tatsächlich ist. Dazu kommen die Sitzungsprotokolle von Fed und EZB sowie ein aktualisierter IWF-Weltwirtschaftsausblick. Die DekaBank rechnet unverändert mit einer EZB-Zinserhöhung im September — der transatlantische Zinsgraben, der aktuell Dollar und Yen bewegt, dürfte uns also erhalten bleiben.

Was das für Ihr Depot bedeutet: Der DAX-Rekord und die 100er-Marke beim Dollar sind zwei Seiten derselben Medaille — beide gehen auf denselben schwachen Jobbericht zurück. Doch während der Index Feierlaune verbreitet, verschiebt sich im Hintergrund die Währungsordnung: ein schwächerer Dollar, ein unter Spannung stehender Yen-Carry-Trade, steigendes Gold und eine wachsende politische Risikoprämie in Frankreich. Wer diese Woche nur auf Rekordstände schaut, sieht nicht, wie viel von der Rally am Ende tatsächlich in Euro ankommt. Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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