Die 22-Milliarden-Kapitulation, Bezos’ All-In und der Bitcoin-Kollaps
Stellantis verbucht Milliardenverlust durch Elektroauto-Kehrtwende, während Amazon Rekordsumme in KI steckt. Bitcoin verliert stark und der DAX zeigt sich widerstandsfähig.

- Stellantis-Aktie stürzt nach 22-Milliarden-Abschreibung ab
- Amazon kündigt 200-Milliarden-Investition in KI an
- Bitcoin verliert fast die Hälfte seines Wertes
- DAX trotzt Turbulenzen mit Wochengewinn
Die 22-Milliarden-Kapitulation, Bezos’ All-In und der Bitcoin-Kollaps
Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt Börsentage, an denen Geld nicht nur den Besitzer wechselt, sondern förmlich verdampft. Und es gibt Tage, an denen Geld mit Schaufelradbaggern in die Öfen der Zukunft geschaufelt wird. Heute, an diesem bemerkenswerten Freitag, erlebten wir beides gleichzeitig.
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Die Dimensionen sind fast abstrakt geworden: Hier eine Abschreibung von 22 Milliarden Euro, dort eine Investitionsankündigung von 200 Milliarden Dollar. Wenn man die Ereignisse der letzten Stunden auf einen Nenner bringen müsste, dann ist es die Rückkehr der brutalstmöglichen Ehrlichkeit. Die Zeit der bloßen Absichtserklärungen ist vorbei. In der Automobilindustrie, im KI-Wettlauf und am Krypto-Markt fordern die Bilanzen ihren Tribut.
Hier sortieren wir für Sie die Scherben und die Goldnuggets dieser historischen Woche.
Der Offenbarungseid von Stellantis
Man muss in den Archiven der Automobilgeschichte lange suchen, um einen Tag wie diesen zu finden. Die Aktie von Stellantis ist heute an der Xetra um fast 25 Prozent kollabiert. Das Wort „Kursrutsch“ ist hierbei ein Euphemismus; es war eine Kapitulation.
Auslöser war eine Ad-hoc-Meldung, die wie eine Bombe einschlug: Der Autoriese muss Belastungen in Höhe von 22,2 Milliarden Euro verbuchen. Der Löwenanteil – rund 15 Milliarden Euro – entfällt auf eine radikale Kehrtwende bei der Elektroauto-Strategie in den USA. Das Management zieht nicht nur die Notbremse, es legt den Rückwärtsgang ein: Die Dividende für 2025 wird gestrichen, für das zweite Halbjahr droht ein Nettoverlust von bis zu 21 Milliarden Euro.
Was wir hier sehen, ist das Platzen der großen E-Auto-Illusion der etablierten Player auf dem US-Markt. Stellantis folgt damit Ford und GM, doch die Radikalität, mit der hier Tabula rasa gemacht wird, hat eine neue Qualität. CEO Carlos Tavares (oder dessen Nachfolger, denn im Mai werden die Karten neu gemischt) bereinigt die Bilanz von den Sünden der Vergangenheit.
Für den DAX war dies ein Stresstest. Dass BMW (-0,6 %) und VW (-1,2 %) in Sippenhaft genommen wurden, war unvermeidlich. Auf dem Parkett geht nun die Angst um: Wenn Stellantis so massiv abschreiben muss, welche Altlasten schlummern dann noch in den Kellern der deutschen Konkurrenz?
Amazons 200-Milliarden-Poker
Während die Autoindustrie Milliarden abschreibt, weil sie in die falsche Richtung lief, plant Amazon die Flucht nach vorn – mit einem Einsatz, der selbst im Silicon Valley für Schnappatmung sorgt.
Der Tech-Gigant kündigte für 2026 Investitionen (Capex) von unfassbaren 200 Milliarden Dollar an, primär für KI-Infrastruktur und Chips. Um diese Zahl einzuordnen: Das übersteigt die gesamte Wirtschaftsleistung von Ländern wie Ungarn oder der Slowakei. Die Börse reagierte im frühen US-Handel verschnupft, die Aktie gab zeitweise um 8 Prozent nach.
Investoren stellen die Gretchenfrage: Wann rechnet sich das? Analysten von Piper Sandler senkten prompt ihre Kursziele. Die Sorge wächst, dass hier eine Blase aus Rechenzentren und GPUs entsteht, deren Monetarisierung noch Jahre auf sich warten lässt. Es ist der klassische Konflikt zwischen der Wall Street, die Margen im „Hier und Jetzt“ sehen will, und dem Silicon Valley, das die Infrastruktur für das übernächste Jahrzehnt baut. Für den Moment signalisiert der Markt jedoch eine deutliche Investitionsmüdigkeit.
Krypto-Winter im Februar
Wer in den letzten Tagen auf eine Stabilisierung bei den digitalen Assets hoffte, wurde bitter enttäuscht. Der Bitcoin hat sich seit seinem Allzeithoch im Oktober 2025 (rund 126.000 Dollar) im Wert fast halbiert. Heute Morgen rutschte der Kurs zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von 60.000 Dollar, bevor er sich am Nachmittag mühsam auf etwa 67.000 Dollar zurückkämpfte.
Die Gründe sind fundamentaler Natur: Die Nominierung des strikten Geldpolitikers Kevin Warsh als Fed-Chef durch Donald Trump stärkt den Dollar und dämpft die Zinsfantasien. Ein starker Greenback entzieht dem „digitalen Gold“ die Existenzberechtigung als Inflationsschutz. Der Fear & Greed Index steht bei 5 von 100 Punkten – ein Wert, der pure Panik signalisiert.
Die Parallele zur Dotcom-Ära ist unübersehbar: Solange das Geld billig war, stiegen alle Boote. Jetzt, wo Fed Vice Chair Jefferson heute „vorsichtig optimistisch“ eine Zinspause signalisierte, wird die Luft aus den spekulativsten Anlageklassen gelassen.
Rheinmetall: Katerstimmung in Düsseldorf
Ein kurzer Blick auf den Rüstungssektor, der heute eine kleine Atempause einlegte. Rheinmetall konnte sich mit einem Plus von rund 2 Prozent stabilisieren. Das war dringend nötig, nachdem die Aktie gestern (Donnerstag) um fast 10 Prozent abgestürzt war – der stärkste Tagesverlust seit Monaten.
Der Grund für den gestrigen Schock war ein enttäuschender Ausblick für 2026. Zwar peilt Rheinmetall operativ 15 bis 16 Milliarden Euro im Verteidigungsgeschäft an, doch Konsolidierungseffekte drücken den berichteten Umsatz auf 13 bis 14 Milliarden Euro. Das lag rund 12 Prozent unter den Erwartungen der Analysten.
Es zeigt sich ein Muster: Die Rüstungsindustrie boomt, aber physikalische Grenzen bei Lieferketten und Produktionskapazitäten lassen sich auch durch ein „Sondervermögen“ nicht wegzaubern. Dass Insider wie CEO Armin Papperger den Kursrutsch für eigene Aktienkäufe nutzten, darf man als Vertrauenssignal werten – oder als notwendige Kurspflege in turbulenten Zeiten.
Das Fazit
Trotz der Hiobsbotschaften von Stellantis und den Tech-Sorgen aus Übersee schloss der DAX die Woche versöhnlich bei 24.721 Punkten (+0,9 %). Das zeugt von einer erstaunlichen Resilienz des deutschen Leitindex. Defensive Werte wie die Deutsche Telekom (+5,3 % auf Wochensicht) fungieren als Stoßdämpfer, wenn die Zykliker straucheln.
Wir lernen aus dieser Woche: Die Transformation der Wirtschaft kostet Geld – unfassbar viel Geld. Bei Stellantis sehen wir die Kosten des Scheiterns, bei Amazon die Kosten des Versuchs. Für Anleger bedeutet das: Die Ära, in der bloße Ankündigungen für Kursfeuerwerke reichten, ist beendet. Jetzt zählen Cashflow, Execution und die harte Realität der Bilanz.
Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Start in das Wochenende – vielleicht nutzen Sie es, um einmal ganz analog abzuschalten. Die Märkte werden am Montag noch da sein, und sie werden sicherlich nicht langweiliger.
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