Die 25.000 hält nicht — aber die Welt dahinter wächst

Trotz überraschend starker Fabrikaufträge fällt der DAX zurück. Henkel überzeugt mit Zahlen, Siemens Healthineers senkt die Prognose.

Die Kernpunkte:
  • DAX fällt trotz starker Auftragsdaten
  • Henkel übertrifft Erwartungen im ersten Quartal
  • Siemens Healthineers senkt Jahresausblick
  • Neuer Space-ETF für Privatanleger gestartet

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern kündigte ich an, dass die Berichtssaison die Fakten liefern würde, an denen sich die großen Thesen dieser Woche beweisen müssen. Die Fakten sind da — und sie zeichnen ein gespaltenes Bild. Siemens Healthineers kappte die Prognose, Henkel überraschte positiv, und der DAX scheiterte erneut an der 25.000-Punkte-Marke. Doch wer nur auf Frankfurt schaut, verpasst die eigentliche Geschichte dieses Donnerstags. Sie handelt von einem Subkontinent, der 6.000 europäische Firmen magnetisch anzieht, und von einer Industrie, die buchstäblich über den Wolken entsteht.

Fabrikaufträge stark, DAX trotzdem schwach

Der DAX schloss am Donnerstag 1,02 Prozent tiefer bei 24.663,61 Punkten — nach zwei Tagen mit kräftigen Gewinnen fehlte die Anschlusskraft. Die Ironie: Die deutschen Fabrikaufträge überraschten im März mit einem Plus von 5,0 Prozent zum Vormonat, fünfmal so viel wie prognostiziert. In den USA markierten S&P 500 und Nasdaq derweil neue Rekordhochs, befeuert von einem Ölpreis, der mit Brent unter 98 US-Dollar die Inflationssorgen dämpft, und von anhaltenden Hoffnungen auf ein US-Iran-Abkommen.

Die Divergenz zwischen starken Makrodaten und schwachem Index erklärt sich auf Einzelwertebene. Siemens Healthineers drückte den DAX spürbar nach unten.

Siemens Healthineers senkt, Henkel liefert

Der Medizintechnikkonzern kürzte am Donnerstag seine Jahresprognose 2025/26: Das vergleichbare Umsatzwachstum wird nun bei 4,5 bis 5,0 Prozent erwartet statt der bisherigen 5 bis 6 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll maximal 2,30 Euro erreichen — zuvor standen bis zu 2,40 Euro im Plan. Im zweiten Quartal fiel das bereinigte EBIT um 15 Prozent auf 836 Millionen Euro. Das Unternehmen verwies auf Umwälzungen im chinesischen Gesundheitssektor, steigende Kosten in den Lieferketten und Belastungen durch den Nahost-Konflikt. Die Laborsparte Diagnostics wird auf einen möglichen Verkauf vorbereitet. Die Aktie gab 4,7 Prozent ab.

Ganz anders Henkel. Der Konsumgüterhersteller meldete für das erste Quartal ein organisches Umsatzwachstum von 1,7 Prozent — der Markt hatte nur 1,1 Prozent erwartet. Consumer Brands wuchsen um 1,8 Prozent, Klebstoffe um 1,7 Prozent. Die Jahresziele wurden bestätigt, die Aktie legte 4,3 Prozent auf 66,40 Euro zu. Wer in der Berichtssaison nach Unternehmen sucht, die im aktuellen Kostenumfeld ihre Margen verteidigen, findet in Düsseldorf ein besseres Beispiel als in Erlangen.

6.000 EU-Firmen, 186 Milliarden Euro Umsatz — Indiens Sogwirkung

Abseits der transatlantischen Handelsdebatten verschiebt sich ein tektonisches Gewicht. Ein am Donnerstag veröffentlichter Bericht mit dem Titel „The Economic Footprint of EU Businesses in India“ beziffert, was bisher nur als Trend beschrieben wurde: Rund 6.000 EU-Unternehmen erwirtschafteten 2024 in Indien 186 Milliarden Euro Umsatz. Das sind 5 Prozent des indischen BIP. Sie stützen 6 Millionen Arbeitsplätze.

Mit kumulierten Investitionen von 218 Milliarden Euro zwischen 2014 und 2024 ist die EU Indiens größter Handelspartner und wichtigster Geber ausländischer Direktinvestitionen. Friktionslos ist das Verhältnis nicht: S&P Global senkte die Wachstumsprognose für das laufende Fiskaljahr von 7,1 auf 6,6 Prozent — hohe Ölpreise und Währungsvolatilität durch die Nahost-Krise bremsen. Neu-Delhi reagiert und plant, das Exportsteuererstattungsprogramm RoDTEP um fünf Jahre zu verlängern und das Budget aufzustocken. Für europäische Konzerne, die ihre Lieferketten diversifizieren wollen, bleibt Indien der Gravitationspunkt — mit allen Reibungsverlusten, die ein Markt dieser Größe mit sich bringt.

Vom Orbit in die Portfolios — die Weltraumwirtschaft wird investierbar

Wer nach Wachstumsfeldern sucht, die von irdischen Lieferkettenproblemen weitgehend entkoppelt sind, landet im wörtlichen Sinne im All. Die globale Weltraumwirtschaft wird auf 600 Milliarden US-Dollar geschätzt, Prognosen sehen 2 Billionen US-Dollar bis 2040. Am Donnerstag wurde das Thema für Privatanleger greifbarer: VanEck legte den Space ETF (Ticker: WARP) auf, der Unternehmen bündelt, die mindestens die Hälfte ihres Umsatzes in der Raumfahrt erzielen.

Die Dynamik dahinter ist real. SpaceX fährt die Produktion des Starship Block II hoch — mit einer Nutzlast von über 100 Tonnen für den Low Earth Orbit soll es die Falcon 9 ablösen und die Startkosten drastisch drücken. Deutschland beteiligt sich in den kommenden drei Jahren mit 5,4 Milliarden Euro an der ESA und investiert 35 Milliarden Euro in militärische Weltraumfähigkeiten. Startups wie Isar Aerospace und Rocket Factory Augsburg treiben die europäische Trägerraketen-Entwicklung voran, das französische Unternehmen Sirius Space gab am Donnerstag die Übernahme von Enerflux bekannt. In Indien wurde Skyroot Aerospace durch eine 60-Millionen-Dollar-Runde zum ersten Raumfahrt-Unicorn des Landes — Bewertung: 1,1 Milliarden US-Dollar. Der Weltraum ist keine Zukunftsmusik mehr. Er ist Infrastruktur.

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Die milliardenschweren Verteidigungsbudgets, die hinter dieser Infrastruktur stehen, verschieben sich dabei zunehmend von klassischer Hardware hin zu Software und digitalen Systemen — ein Strukturwandel, den Experte Carsten Müller im Live-Webinar „Bytes statt Bomben – Ihre +934 %-Chance mit der Revolution der Verteidigung!“ heute um 18:00 Uhr detailliert analysiert. Müller zeigt konkret, wie der Übergang von physischer Rüstung zu digitaler Verteidigung — von Drohnensoftware bis zum digitalen Schutzschild der NATO-Ostflanke — einen Investmenttrend formt, der mit staatlichen Milliarden-Budgets und Tech-Margen kombiniert wird. Im Mittelpunkt stehen vier Unternehmen, die Müller als Profiteure dieses Wandels identifiziert hat und die er heute Abend vorstellt. Wer verstehen will, wo die nächste Welle der Verteidigungsausgaben tatsächlich ankommt, findet in diesem Webinar eine fundierte Einordnung. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden

Bitcoin-ETFs: Fünfte Kaufwoche in Folge

Die institutionelle Verankerung digitaler Assets setzt sich fort. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der Woche bis zum 6. Mai Nettozuflüsse von 1,05 Milliarden US-Dollar — die fünfte Kaufwoche in Folge. Kumuliert sind seit dem Start fast 60 Milliarden US-Dollar in diese Produkte geflossen. Bitcoin notiert stabil oberhalb von 80.000 US-Dollar.

BlackRock untermauerte in einem aktuellen Bericht die Portfoliofunktion: Die Korrelation von Bitcoin zum S&P 500 liegt bei 0,53 — niedrig genug, um als eigenständiger Diversifikationsbaustein zu gelten. Bitwise treibt die Professionalisierung weiter und übernimmt zum 1. Juni 2026 das Management des 267 Millionen US-Dollar schweren Superstate Crypto Carry Funds. Die Krypto-Branche wächst nicht mehr durch Spekulation, sondern durch institutionelle Plumbing — Fondsstrukturen, Custody-Lösungen, regulierte Produkte.

Was bleibt

Dieser Donnerstag hat gezeigt, dass die Selektion entscheidender wird als die Richtung. Der DAX mag an einer runden Marke gescheitert sein, aber die Fabrikaufträge signalisieren industrielle Substanz. Henkel beweist, dass Margendisziplin auch bei mäßigem Wachstum belohnt wird. Siemens Healthineers zeigt, was passiert, wenn gleich drei Belastungsfaktoren zusammentreffen.

Die strukturellen Verschiebungen reichen weit über den Tageshandel hinaus: 6.000 EU-Firmen in Indien, ein neuer Space-ETF, fast 60 Milliarden Dollar in Bitcoin-ETFs. Wer nur den DAX-Schlusskurs liest, verpasst, wo das Kapital tatsächlich hinarbeitet.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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