Die 25.000-Punkte-Schallmauer, das Kaper-Kommando vor Island und der 108-Milliarden-Korb

Der deutsche Leitindex erreicht ein historisches Hoch, getrieben von Zinserwartungen und Technologiewetten, während Spannungen im Nordatlantik und eine gescheiterte Übernahme für Schlagzeilen sorgen.

Die Kernpunkte:
  • Historischer DAX-Durchbruch über 25.000 Punkte
  • US-Marine kapert russischen Öltanker vor Island
  • Warner lehnt 108-Milliarden-Dollar-Angebot von Paramount ab
  • Schwacher US-Arbeitsmarkt stützt Zinssenkungshoffnungen

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt Zahlen, die mehr sind als reine Mathematik. Sie sind psychologische Ankerpunkte, an denen sich die Stimmung einer ganzen Anlegergeneration festmacht. Gestern Nachmittag fehlten uns noch 31 Zähler, heute Vormittag wurde Geschichte geschrieben: Der DAX hat erstmals in seiner 37-jährigen Historie die Marke von 25.000 Punkten überschritten.

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Wer jedoch glaubt, dieses Rekordhoch sei der Spiegel einer florierenden deutschen Volkswirtschaft, der irrt gewaltig. Die Börse feiert derzeit nicht den Ist-Zustand, sondern die Hoffnung auf das Ausbleiben des Schlimmsten – und die transformative Wucht neuer Technologien. Während die Realwirtschaft oft noch nach Orientierung sucht, flüchtet das Kapital nach vorn.

Hier ist, was Sie zu diesem historischen Mittwoch wissen müssen.

Die Anatomie des Rekords

Der DAX notierte heute zeitweise deutlich über der 25.000er-Marke. Was treibt diese Rally an? Es ist eine toxische, aber für Aktionäre lukrative Mischung aus geopolitischer Erleichterung und strategischer Neuausrichtung.

Zum einen atmen die Märkte auf, weil die Situation um Venezuela nach der Festsetzung von Nicolás Maduro bisher nicht militärisch eskaliert ist. Die USA lockern Sanktionen, venezolanisches Öl könnte auf den Weltmarkt strömen – eine Perspektive, die Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank treffend als „Lust auf Aktien außerhalb der überhitzten USA” beschreibt.

Zum anderen sehen wir die Dividende der technologischen Erneuerung. Siemens kletterte heute auf rund 252 Euro. Die gestern an dieser Stelle thematisierte Vertiefung der KI-Partnerschaft mit Nvidia wird von den Investoren nun eingepreist: Wenn der deutsche Industrieriese mit dem kalifornischen Chip-Giganten tanzt, will das Parkett dabei sein. Auch Rheinmetall profitiert weiter von der globalen Aufrüstung. Ulrich Kater von der Dekabank spricht von einem „Umbau der Weltwirtschaft”, der gewaltige Summen freisetzt.

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Passend zu dieser Chip-Entwicklung habe ich kürzlich eine umfassende Analyse zum globalen Halbleiter-Wettrüsten durchgeführt. Tech-Experte Bernd Wünsche zeigt in seinem kostenlosen Webinar, wie der Chip-Krieg zwischen USA und China die gesamte Tech-Branche umkrempelt – und welche konkrete Halbleiter-Aktie davon am stärksten profitieren könnte. Sie erfahren, warum staatliche Fördergelder von über 280 Milliarden Dollar in den USA die Branche revolutionieren und welches Unternehmen als “die neue Nvidia” gehandelt wird. Wünsche analysiert die geopolitischen Hintergründe, erklärt die technologischen Durchbrüche im KI-Chip-Bereich und stellt seine Top-Empfehlung mit konkreter WKN vor. Details zur Chip-Analyse und Webinar-Zugang

Der notwendige Realitätscheck: Vergessen wir nie, dass der DAX ein Performance-Index ist, der Dividenden reinvestiert. Der reine Kurs-DAX, vergleichbar mit anderen internationalen Indizes, steht bei eher nüchternen 9.363 Punkten. Die 25.000 sind also auch ein Zinseszins-Wunder, aber psychologisch ist die Marke Gold wert.

Thriller im Nordatlantik: US-Navy stoppt “Marinera”

Während in Frankfurt die Sektkorken knallten, erinnerte uns ein Vorfall im Nordatlantik daran, wie dünn das geopolitische Eis ist. Das US-Militär hat den unter russischer Flagge fahrenden Öltanker „Marinera” (vormals „Bella-1″) in der Nähe von Island aufgebracht.

Der Vorwurf wiegt schwer: Verstöße gegen US-Sanktionen. Moskau reagiert erwartungsgemäß scharf und bezeichnet den Zugriff als „offene Piraterie”. Das russische Außenministerium verlangt die sofortige Freigabe der Crew. Der Kontext ist brisant: Washington scheint entschlossen, die Ölflüsse aus Venezuela zu kontrollieren und gleichzeitig Russland die Daumenschrauben anzulegen. Dass russische Kriegsschiffe zuvor in der Region gemeldet wurden, macht das Manöver zu einem riskanten Spiel mit dem Feuer.

Für die Märkte bedeutet das: Die Hoffnung auf billiges Öl (gut für den DAX) wird erkauft mit einer steigenden Risikoprämie auf hoher See.

Der 108-Milliarden-Korb: Warner lässt Paramount abblitzen

Szenenwechsel nach Hollywood, wo sich ein Wirtschaftskrimi abspielt, der jedes Drehbuch in den Schatten stellt. Das Board von Warner Bros. Discovery hat heute das feindliche Übernahmeangebot von Paramount brüsk zurückgewiesen.

Paramount, flankiert vom Oracle-Milliardär Larry Ellison, hatte rund 108,4 Milliarden Dollar (inklusive Schulden) auf den Tisch gelegt. Doch Warner winkt ab. Das Urteil: Das Angebot sei „minderwertig” und zu riskant, da es den Konzern mit einem Schuldenberg belasten würde, der fatal an klassische „Leveraged Buyouts” der 80er Jahre erinnert.

Stattdessen setzt Warner alles auf die Karte Netflix. Der geplante Deal für das Studio- und Streaming-Geschäft mit einem Enterprise Value von 82,7 Milliarden Dollar wird vom Board als der solidere Weg gepriesen. Es ist ein faszinierender Poker: Hier das „alte” Modell der gigantischen Fusion (Paramount), dort die Flucht in die Arme des Streaming-Pioniers. Die Frist für Paramount läuft noch, aber Warner hat heute klar gemacht, wen man favorisiert.

US-Arbeitsmarkt: Schwäche als Zins-Treiber

Ein Blick über den Atlantik lieferte heute Nachmittag den Stoff, aus dem Zinssenkungs-Träume sind. Der ADP-Report, der inoffizielle Vorbote für die großen Arbeitsmarktdaten am Freitag, meldete für Dezember lediglich 41.000 neue Stellen im US-Privatsektor. Die Erwartungen lagen bei 47.000 bis 50.000.

In einer normalen Welt wären das schlechte Nachrichten. In der aktuellen Marktlogik jedoch bestärkt diese Schwäche die Hoffnung auf eine taubenhafte US-Notenbank. Weniger Lohndruck bedeutet weniger Inflationsgefahr – und das stützt die Bewertungen an den Aktienmärkten. Es gilt weiterhin die zynische Börsenregel: Schlechte Konjunkturdaten sind gute Börsendaten, solange sie billigeres Geld versprechen.

Krypto-Pause: Ritterschlag statt Rallye

Nach dem wilden Ritt der letzten Tage, bei dem der Bitcoin kurzzeitig an der 94.500-Dollar-Marke kratzte, sehen wir heute eine Konsolidierung auf rund 91.200 Dollar. Gewinnmitnahmen nach der Venezuela-Aufregung dominieren das Bild.

Doch die eigentliche Nachricht des Tages ist fundamentaler Natur: Der Indexanbieter MSCI hat entschieden, Unternehmen wie MicroStrategy, die ihre Bilanz massiv mit Bitcoin hebeln, weiterhin in seinen Indizes zu belassen. Das ist ein institutioneller Ritterschlag. Die Anlageklasse wird erwachsen und salonfähig, auch wenn Ripple seine IPO-Pläne vorerst auf Eis gelegt hat.

Fazit

Der Dammbruch bei 25.000 Punkten ist ein starkes Signal, doch er sollte nicht zur Blindheit verleiten. Diese Rally steht auf den Schultern von Zinshoffnungen und der Wette auf geopolitische Deeskalation – zwei Faktoren, die sich schnell drehen können, wie der Zwischenfall vor Island beweist.

Genießen Sie den historischen Rekord, aber behalten Sie die Risiken im Radar. Am Freitag folgen die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten – dann wird sich zeigen, ob die heute im ADP-Report sichtbare Schwäche ein Trend oder ein Ausrutscher war.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Abend – und weiterhin gute Nerven in diesen historischen Börsentagen.

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