Die 50.000-Jobs-Vollbremsung, der atomare Pakt und das Mercosur-Wunder
Der deutsche Leitindex erreicht trotz schwacher US-Arbeitsmarktdaten ein neues Rekordhoch, angetrieben vom Mercosur-Abkommen und der Nachfrage nach KI-Infrastruktur.

- US-Wirtschaft schuf im Dezember nur 50.000 neue Jobs
- DAX steigt auf Rekordhoch nach Mercosur-Freihandelsdeal
- Meta sichert sich Atomstrom für KI-Rechenzentren
- China exportiert weiterhin Deflation über sinkende Erzeugerpreise
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern feierten wir an dieser Stelle noch den historischen Durchbruch des DAX durch die 25.000er-Marke. Doch Börsenwochen folgen ihrer eigenen Dramaturgie. Pünktlich um 14:30 Uhr deutscher Zeit wurden die Sektgläser heute Nachmittag gegen starken Kaffee getauscht.
Die Zahl, die über die Ticker lief, lautet 50.000. So wenige neue Stellen schuf die US-Wirtschaft im Dezember. Was auf den ersten Blick wie ein willkommener Grund für sofortige Zinssenkungen aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ökonomische Zwickmühle. Wir erleben in den USA gerade das Szenario, das Notenbanker nachts wachhält: Eine abkühlende Konjunktur trifft auf einen Arbeitsmarkt, der trotz Einstellungsstopps noch genug Lohndruck erzeugt, um die Inflation am Köcheln zu halten.
Während Washington bremst, drückt Frankfurt paradoxerweise weiter aufs Gas. Wie passt das zusammen?
Lassen Sie uns diesen Freitag sortieren.
Amerika zieht die Handbremse
Die Fakten sind nüchtern, die Implikationen gewaltig: Das Jahr 2025 geht als das schwächste Job-Jahr für die USA seit über zwei Jahrzehnten in die Geschichte ein – die Pandemie-Ausnahme 2020 einmal ausgeklammert. Der heute veröffentlichte Bericht des Bureau of Labor Statistics ist mehr als ein Dämpfer; er ist eine Vollbremsung. Während die US-Wirtschaft 2024 noch monatlich 168.000 Stellen generierte, waren es im abgelaufenen Jahr im Schnitt nur noch 49.000.
Die Hoffnung der Optimisten war simpel: Schlechte Daten zwingen die Fed zum Handeln. Doch diese Rechnung geht nicht auf. Da die Arbeitslosenquote gleichzeitig leicht auf 4,4 Prozent sank und die Löhne weiter robust steigen, sind der Notenbank die Hände gebunden. Die Märkte haben das sofort verstanden: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed im Januar stillhält, wird an den Terminmärkten mittlerweile auf 95 Prozent taxiert.
Wir befinden uns in einer Phase der strategischen Unwucht: Die Konjunktur verliert an Dynamik, aber die ersehnte monetäre Entlastung bleibt aus. Das „Soft Landing” wackelt bedenklich.
Das Mercosur-Wunder: Frankfurt ignoriert die Wall Street
Nach der Logik der Lehrbücher hätte der DAX angesichts dieser US-Daten einknicken müssen. Stattdessen baute der deutsche Leitindex seine gestrigen Gewinne aus, kletterte auf ein neues Rekordhoch und schloss bei 25.262 Punkten (+0,5 %).
Der Treibstoff für diese Entkopplung kommt aus Brüssel. Die Nachricht, dass das Mercosur-Freihandelsabkommen nun endlich grünes Licht erhält, wirkt wie Sauerstoff für die deutsche Exportlunge. VDA-Präsidentin Hildegard Müller bezeichnete dies heute als „gute Nachricht” – eine Untertreibung. Für die Industrie ist es die lang ersehnte Perspektive auf Märkte jenseits der geopolitischen Problemzonen China und USA.
Das erklärt die heutige Gewinnerliste: Rheinmetall (+2,65 %) und SAP (+2,49 %) führten das Feld an, während sich Siemens Energy nach dem Rücksetzer erholte. Der Markt spielt hier nicht die deutsche Gegenwart, sondern eine freihandelsfreundlichere Zukunft.
Meta geht nuklear: Die Renaissance des Atoms
Es ist die wohl faszinierendste Meldung des Tages, die fast wie Science-Fiction anmutet: Der Facebook-Mutterkonzern Meta hat einen 20-Jahres-Vertrag mit dem US-Energieversorger Vistra unterzeichnet. Das Ziel: Atomstrom.
Ganze 2.609 Megawatt emissionsfreie Energie sollen fließen, um den unersättlichen Hunger der KI-Rechenzentren zu stillen. Hier schließt sich ein bemerkenswerter Kreis: Die modernste Technologie unserer Zeit (Künstliche Intelligenz) greift auf die etablierte Kernkraft zurück, um ihre physische Existenz zu sichern. KI ist längst keine reine Software-Spielerei mehr; sie wird zur harten Infrastruktur-Wette.
Auch hierzulande sehen wir diese Symbiose, wenn auch in kleinerem Maßstab: Die Otto Group verkündete heute eine Partnerschaft mit Nvidia, um ihre Logistikroboter intelligenter zu machen. Der Trend ist eindeutig: Tech braucht Power – im wahrsten Sinne des Wortes.
Die jüngsten Entwicklungen im Technologie-Sektor – von KI-Rechenzentren bis zu Halbleiter-Engpässen – eröffnen für Anleger außergewöhnliche Chancen. Tech-Experte Bernd Wünsche hat in seiner aktuellen Analyse den globalen Chip-Krieg zwischen USA und China unter die Lupe genommen und zeigt in einem kostenlosen Webinar, welche Halbleiter-Aktie vom 280-Milliarden-Dollar-Chip-Act der US-Regierung besonders profitieren könnte. Er stellt konkret ein Unternehmen vor, das er als “die neue Nvidia” bezeichnet und erklärt, warum institutionelle Investoren massiv in diesen Sektor einsteigen. Sie erfahren, wie Sie mit gezielten Chip-Investments von der technologischen Aufrüstung profitieren können und welche drei Faktoren diese Branche zum Megatrend 2026 machen. Kostenlose Chip-Sektor-Analyse ansehen
China: Der Export der Deflation hält an
Ein kurzer, aber wichtiger Blick nach Fernost: China meldete heute Morgen Inflationsdaten, die das strukturelle Problem der zweitgrößten Volkswirtschaft offenbaren. Zwar stieg der Verbraucherpreisindex um 0,8 Prozent, doch dies war fast ausschließlich teureren Lebensmitteln und Gold geschuldet.
Viel aussagekräftiger ist der Erzeugerpreisindex (PPI), der weiter um 1,9 Prozent fiel. Das bedeutet: In den Fabriken sinken die Preise weiter. China exportiert seine Deflation in die Weltwirtschaft. Was für westliche Verbraucher kurzfristig günstig sein mag, ist ökonomisch ein Warnsignal: Die Binnennachfrage im Reich der Mitte liegt weiterhin am Boden. Der Drache zuckt, aber er wacht nicht auf.
Was das Wochenende bringt
Während die Finanzmärkte ihre Pforten schließen, kämpft der Norden Deutschlands noch mit den Ausläufern des Winters. Die Deutsche Bahn arbeitet daran, den Fernverkehr nach Sturmtief „Elli” morgen früh wieder hochzufahren – Reisende sollten jedoch Geduld einplanen.
An den Märkten gehen wir mit einem gemischten Bild ins Wochenende: Bitcoin kämpft sich nach den Turbulenzen der letzten Tage langsam zurück und notiert bei rund 90.000 US-Dollar. Die Euphorie der Wochenmitte ist einer realistischen Bestandsaufnahme gewichen.
Es war eine Woche der Rekorde und der Warnschüsse. Nutzen Sie die kommenden Tage zum Durchatmen.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Herzlichst,
Ihr
Felix Baarz
Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 10. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 10. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




