Die Caracas-Anomalie, Bitcoins 91.000-Dollar-Signal und der Berliner Blackout

Die Finanzmärkte reagieren gelassen auf die Festnahme von Venezuelas Präsident Maduro, während Bitcoin als sicherer Hafen auf 91.000 Dollar steigt und Tesla seine E-Auto-Krone an BYD verliert.

Die Kernpunkte:
  • Gelassene Märkte nach Festnahme von Nicolás Maduro
  • Bitcoin steigt als sicherer Hafen auf über 91.000 Dollar
  • Tesla verliert Elektroauto-Krone an chinesischen Rivalen BYD
  • Stromausfall in Berlin offenbart Infrastruktur-Schwachstellen

Liebe Leserinnen und Leser,

es sind Wochenenden wie dieses, an denen die geopolitische Realität die Drehbücher von Netflix rechts überholt. Während ein Großteil der Welt noch versuchte, das Jahr 2026 friedlich zu beginnen, schufen US-Spezialeinheiten Fakten. Nicolás Maduro sitzt nicht mehr im Miraflores-Palast, sondern im Metropolitan Detention Center in Brooklyn.

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Doch wer nun am Sonntagabend auf den großen Knall an den Finanzmärkten wartet, reibt sich verwundert die Augen. Die Reaktion der globalen Handelsplätze auf diesen historischen Eingriff ist von einer fast schon provokanten Nüchternheit geprägt. Keine Panik, keine Explosion beim Ölpreis, sondern ein zynisches Abwägen von Chancen und Risiken.

Willkommen in einer neuen Ära, in der politische Erdbeben für den Algorithmus nur eine weitere Variable sind.

Geopolitik: Die Ruhe nach dem Zugriff

Die Bilder gingen um die Welt, doch die Märkte zucken kaum mit der Wimper. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth framte den Zugriff heute als “genaues Gegenteil” zum Irak-Krieg – chirurgisch, schnell, ohne Besatzungslogik. Außenminister Marco Rubio sekundierte am Sonntag mit der Botschaft, es gehe primär um Sicherheit, nicht um Ressourcen.

Das eigentliche Faszinosum ist jedoch die Reaktion – oder besser: die Nicht-Reaktion – des Ölmarktes. Das schwarze Gold bleibt unter Druck. Der Grund für diese Anomalie liegt in der Substanz: Die Märkte wissen, dass Venezuela zwar auf über 300 Milliarden Barrel Reserven sitzt, die Infrastruktur des Landes jedoch derart marode ist, dass eine Rückkehr relevanter Mengen auf den Weltmarkt Jahre dauern würde. Zudem signalisiert Donald Trump, die Kontrolle über die Produktion übernehmen zu wollen. Die Logik der Händler: Langfristig droht hier eher ein Angebots-Schock nach oben als eine Verknappung.

Die geopolitischen Schockwellen beschränken sich daher auf die Rhetorik. Während in deutschen Städten Hunderte gegen den US-Eingriff demonstrierten, verlor man im Kreml offenbar kurzzeitig die Contenance: Ex-Präsident Dmitri Medwedew drohte heute mit Vergeltungsmaßnahmen gegen Bundeskanzler Friedrich Merz – ein verbales Säbelrasseln, das mehr über die Nervosität in Moskau verrät als über reale Gefahren.

Krypto: Die Flucht in die 91.000

Wo die klassischen Assets abwarten, schafft der Kryptomarkt Fakten. Bitcoin durchbrach im Sonntags-Handel die Marke von 91.000 US-Dollar. Die Narrative verschiebt sich hier endgültig: Bitcoin wird 2026 nicht mehr als Spielgeld, sondern als geopolitischer “Safe Haven” gehandelt.

Die On-Chain-Daten untermauern dies: Sogenannte “Whales” – Adressen mit mehr als 1.000 Bitcoin – nutzten die erste Unsicherheit nach der Maduro-News nicht zum Verkauf, sondern zum Nachkauf. Wenn Fiat-Währungen politisch werden und Regierungen über Nacht stürzen, sucht das Kapital den Ausgang in die Dezentralität. Auch Ethereum (über 3.100 Dollar) und spekulative Werte wie der Meme-Coin BONK (+11 %) profitieren von diesem Momentum. Die Botschaft des Wochenendes ist klar: Unsicherheit im zentralisierten System treibt die Bewertung des dezentralen.

Auto-Industrie: Die Zahlen zur Wachablösung

Was sich gestern bereits andeutete, ist nun statistische Gewissheit: Tesla ist nicht mehr der König der Elektro-Welt. Die detaillierten Auslieferungszahlen, die am Wochenende finalisiert wurden, sprechen eine deutliche Sprache. Zwar lieferte Elon Musks Konzern im vierten Quartal 418.227 Fahrzeuge aus, doch im Gesamtjahr 2026 musste man sich mit 1,64 Millionen Einheiten dem chinesischen Rivalen BYD (2,26 Millionen EVs) geschlagen geben.

Für Tesla ist es das zweite Jahr in Folge mit Rückgängen. Die Analysten von HSBC bestätigten prompt ihr “Reduce”-Rating. Das Problem ist hausgemacht: Eine alternde Modellpalette triff auf das Auslaufen von US-Steuergutschriften.

Interessanterweise positionieren sich deutsche Stahlwerte wie Thyssenkrupp und Salzgitter gerade als lachende Dritte. Getrieben von Rüstungsfantasien und der Hoffnung, dass neuer Protektionismus die heimische Industrie stützt, starteten diese “Old Economy”-Titel erstaunlich robust in das Jahr.

Infrastruktur: Wenn Berlin das Licht ausgeht

Dass Risiken nicht immer in Südamerika liegen müssen, führte uns ein Vorfall im eigenen Land vor Augen. Ein großflächiger Stromausfall im Berliner Südwesten – ausgelöst durch einen mutmaßlichen Anschlag auf Kabel nahe einem Kraftwerk – sorgte am Wochenende für eine “Großschadenslage”.

Es ist ein Sinnbild für eine Nation, deren Infrastruktur auf Verschleiß fährt. Passend dazu musste die Deutsche Bahn eingestehen, dass die Pünktlichkeit im Fernverkehr 2025 auf desaströse 60,1 Prozent gefallen ist. Das Ziel für 2026? Bescheidene “mindestens 60 Prozent”. Wenn die größte Volkswirtschaft Europas den Status Quo kaum noch halten kann, wird der Standortwettbewerb zur Herkulesaufgabe. Auch der spektakuläre Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkasse mit einer Beute von mutmaßlich über 100 Millionen Euro wirft Fragen zur inneren Sicherheit auf, die Investoren nicht gerne hören.

Ausblick: KI-Realität und Makro-Daten

Blicken wir nach vorne. Ab Dienstag richtet sich der Fokus der Tech-Welt nach Las Vegas. Die CES 2026 öffnet ihre Tore, und der Hype muss der Praxis weichen. Samsung und LG werden KI-Lösungen präsentieren, die den Alltag steuern sollen – vom Kühlschrank bis zur Pflege. Dass dies auch an der Börse ankommt, zeigte bereits am Freitag die Aktie von Aixtron, die im Vorfeld um 13 Prozent sprang.

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Makroökonomisch wird es am Ende der Woche ernst. Am Freitag (09.01.) stehen die US-Arbeitsmarktdaten an. Sie werden der Lackmustest dafür sein, ob die Hoffnung auf eine weiche Landung der US-Wirtschaft berechtigt ist, oder ob nach dem geopolitischen Beben auch ein ökonomisches folgt.

Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Ausklang dieses turbulenten Wochenendes und einen hellwachen Start in die erste volle Börsenwoche des Jahres.

Herzlichst,

Ihr

Felix Baarz

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