Die Fed will straffen, der Golf bleibt vermint — und der Yen sucht seinen Boden

Die Fed signalisiert mögliche Zinserhöhungen, während der Yen fällt und die Hormuz-Gespräche stocken. Anleger stehen vor neuen Herausforderungen.

Die Kernpunkte:
  • Fed deutet Zinserhöhung an
  • Hormuz-Gespräche abgesagt
  • Yen naht 40-Jahres-Tief
  • Indiens IT-Sektor bricht ein

Liebe Leserinnen und Leser,

89 Prozent. So hoch taxieren die Geldmarkt-Futures die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September. Nicht einer Zinssenkung — einer Erhöhung. Kevin Warsh hat mit seinem ersten FOMC-Auftritt als Fed-Chef die Erwartungen gedreht, die Absage der US-Iran-Folgegespräche in der Schweiz hat den Nahost-Optimismus dieser Woche kassiert, und der Yen nähert sich einem 40-Jahres-Tief. Drei Entwicklungen, die auf den ersten Blick unterschiedliche Märkte betreffen — und die doch alle auf denselben Punkt zulaufen: Die geldpolitische Lockerung, auf die viele Anleger gesetzt hatten, kommt nicht. Was stattdessen kommt, ist teurer.

Warsh dreht die Fed — und das ist kein Kaufsignal

Die Fed beließ den Leitzins am 17. Juni bei 3,50–3,75 Prozent. Der Beschluss selbst war erwartet. Was danach kam, nicht. Neun von 18 FOMC-Mitgliedern erwarten mindestens eine Zinserhöhung bis Jahresende. Der Median-Dot verschob sich auf 3,8 Prozent — im März lag er bei 3,4 Prozent. Die Inflationsprognose für den PCE-Index 2026 wurde auf 3,6 Prozent angehoben, nach 2,7 Prozent im März. Der Hintergrund: US-Verbraucherpreise stiegen im Mai um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der stärkste Anstieg seit April 2023.

Warsh hat die Forward Guidance abgeschafft, keine eigene Zinsprognose eingereicht und fünf interne Task Forces angekündigt — darunter eine zur Bilanzverkleinerung. Eine Fed-Bilanz von fast sieben Billionen Dollar, die schrumpfen soll, plus ein Leitzins, der steigen könnte: Das entzieht Aktien- und Anleihemärkten den Rückenwind der vergangenen Jahre. Der Dollar-Index kletterte am Freitag auf ein 13-Monats-Hoch von 101,12. Wer auf eine baldige Zinswende nach unten spekuliert hat, braucht eine neue These.

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Hormuz: Unterschrieben, aber nicht geräumt

Das US-Iran-Rahmenabkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormuz existiert auf dem Papier. Die Realität sieht anders aus. Am Freitag wurden die Folgegespräche in der Schweiz abgesagt — US-Vizepräsident JD Vance strich seine Reise, Iran fordert Zeichen der US-Umsetzung. Im Hauptschifffahrtskanal liegen nach Expertenschätzungen rund 80 Minen, die Räumung dauert mindestens 30 Tage. Fast 600 Schiffe warten seit Februar im Golf vor Anker.

Die Zeitlinie ist für Anleger mit Logistik- und Schifffahrts-Exposure entscheidend: Xeneta und der Branchendienst AJOT erwarten eine volle Erholung des Containerverkehrs frühestens Mitte September. Die Frachtraten auf der Route Fernost–US-Westküste haben sich seit Ende Februar um 192 Prozent auf 5.493 Dollar pro FEU verteuert. Iran plant Transitgebühren nach einer 60-tägigen Schonfrist — Hapag-Lloyd und andere Reedereien lehnen das ab. Brent notierte am Freitag bei 79,39 Dollar je Barrel und spiegelt Entspannungshoffnung. Solange die Minenräumung läuft und die Gespräche stocken, bleibt diese Hoffnung ungedeckt.

Indiens IT-Sektor: Accentures Warnung ist kein lokales Problem

Der Nifty IT Index brach am Freitag um 3,7 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief ein. Infosys verlor 6,69 Prozent, TCS 3,53 Prozent, HCL Tech 2,74 Prozent. Der Sensex schloss 607 Punkte tiefer bei 76.802 Punkten. Auslöser war Accentures gesenkte Umsatzprognose samt einer Warnung vor 400 Millionen Dollar Ertragsrückgang durch den Iran-Konflikt.

Für europäische Anleger ist das mehr als eine Indien-Geschichte. Die Accenture-Zahlen signalisieren schwächere IT-Budgets weltweit. Berenberg hält SAP zwar mit Kursziel 215 Euro auf „Buy“ — verweist aber darauf, dass Anleger derzeit selektiv agieren und Titel ohne KI-Bezug meiden. Wer Software-Positionen hält, sollte prüfen, ob sie zur KI-Investitionslogik passen oder gegen sie laufen.

Yen bei 161,3 — Tokios Interventionsschwelle rückt näher

Der japanische Yen notiert bei 161,3 je Dollar — der schwächste Stand seit Juli 2025, nahe einem 40-Jahres-Tief. EUR/JPY liegt bei 184,95. Die Konstellation ist klar: Ein hawkisher Dollar trifft auf eine weiterhin lockere Geldpolitik der Bank of Japan. Für Anleger mit japanischen Aktien oder Yen-denominierten Assets bedeutet das eine doppelte Belastung — Kursgewinne in Yen werden beim Umrechnen in Euro aufgezehrt. Das Interventionsrisiko der BoJ steigt mit jedem weiteren Yen-Verfall. Eine plötzliche Intervention könnte den Yen schlagartig aufwerten und Japan-Positionen kurzfristig durchschütteln.

Die Woche voraus: PCE, Einkaufsmanager, Micron

Der DAX schloss am Freitag knapp unter 25.000 Punkten — der große Verfalltag verlief ohne größere Ausschläge. Das Rekordhoch von 25.507 Punkten ist fünf Monate alt, und neue Impulse fehlen. Am Montag ersetzt Hochtief Porsche SE im Index. Suss Microtec erreichte ein Rekordhoch, nachdem Berenberg das Kursziel auf 125 Euro anhob. Lanxess gewann rund 8 Prozent.

Die relevanten Termine der kommenden Woche: Einkaufsmanagerindizes am Dienstag, der Ifo-Geschäftsklimaindex am Mittwoch, der US-PCE-Preisindex am Donnerstag. FedEx berichtet am Dienstag — mit Signalwirkung für DHL und den gesamten Logistiksektor. Micron legt am Mittwoch Zahlen vor; Citigroup und RBC sehen Kursziele bis 1.200 Dollar und testen damit, ob die KI-Rally im Halbleitersektor Substanz hat.

Was jetzt zählt

Drei Fragen bestimmen die kommende Woche: Hält die am Freitag vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und Hisbollah? Kommen die US-Iran-Gespräche nach der Absage wieder in Gang? Und liefert der PCE-Index am Donnerstag eine Überraschung, die Warshs hawkishe Linie bestätigt — oder ihr widerspricht? Wer diese drei Fragen verfolgt, ist besser aufgestellt als jemand, der auf die nächste Indexbewegung wartet. Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

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Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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