Die IEA zieht ihre schärfste Waffe – und der Ölmarkt ignoriert sie
Die größte koordinierte Notfallfreigabe von Ölreserven der Geschichte konnte den Ölpreis nicht bremsen. Brent stieg trotzdem auf über 92 Dollar, während der DAX deutlich nachgab.

- Größte Reservefreigabe der IEA-Geschichte ignoriert
- Brent-Ölpreis steigt trotzdem über 92 Dollar
- DAX verliert deutlich und zeigt hohe Volatilität
- Porsche verzeichnet massiven operativen Gewinneinbruch
Liebe Leserinnen und Leser,
400 Millionen Barrel. So viel Rohöl hat die Internationale Energieagentur heute aus den strategischen Reserven ihrer 32 Mitgliedsstaaten freigegeben – die größte koordinierte Notfallmaßnahme in der Geschichte der Organisation. Als Russland 2022 in die Ukraine einmarschierte, waren es 182 Millionen. Mehr als eine Verdoppelung also.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Nvidia?
Gestern schrieb ich Ihnen, die Gretchenfrage dieser Woche seien die US-Verbraucherpreise. Die Realität hat uns überholt. Denn die eigentliche Gretchenfrage lautet jetzt: Was passiert, wenn der Westen seine letzte Patrone verschießt – und der Markt nicht einmal zuckt?
Genau das ist heute geschehen. Brent kletterte trotz der historischen Reservefreigabe um gut fünf Prozent auf über 92 Dollar. Die Logik der Händler ist brutal einfach: Strategische Vorräte können eine physische Blockade der wichtigsten Öl-Ader der Welt nicht auf unbestimmte Zeit ersetzen.
Die Straße von Hormus bleibt dicht
Wie fragil die Lage ist, illustriert eine Randnotiz aus Vietnam: Der Energiekonzern PV GAS meldete heute erleichtert, dass sein Frachter mit 63.000 Tonnen LNG die Meerenge am Dienstag gerade noch passieren konnte – bevor die Spannungen endgültig eskalierten.
Gestern hatte Trumps Ankündigung, die US Navy werde Tanker eskortieren, noch eine Erleichterungsrallye ausgelöst. Brent fiel von 119 auf 92 Dollar. Heute steht der Preis exakt dort, wo er gestern landete – nur dass diesmal nicht Entspannung, sondern eine historische Notfallmaßnahme den Kurs stützen sollte. Die Botschaft ist unmissverständlich: Worte und Reserven beruhigen Algorithmen. Eine offene Seestraße beruhigt Märkte.
Die Nervosität schwappte nach Frankfurt. Der DAX, der am Vortag noch mit der 24.000er-Marke geflirtet hatte, rutschte unter deutlichen Schwankungen ab und schloss 1,4 Prozent tiefer bei 23.640 Punkten. Tausend Punkte Amplitude in 48 Stunden – das ist kein normaler Markt mehr.
Warum die EZB diesmal gelassener klingt
Gestern stellte ich die Frage, ob die Inflation durch die Hintertür der Energiepreise zurückkehrt. EZB-Direktorin Isabel Schnabel lieferte heute in Frankfurt eine bemerkenswert differenzierte Antwort. Der aktuelle Energieschock unterscheide sich fundamental von den Folgen des russischen Überfalls 2022. Damals sei ein erheblicher Teil des Gasangebots dauerhaft vom Markt verschwunden. Heute herrsche zwar extreme Unsicherheit, aber die grundlegende Annahme sei, dass das Angebot aus dem Nahen Osten nach dem Konflikt zurückkehren werde.
Eine beruhigende These – sofern sie stimmt. Die Anleihemärkte jedenfalls kaufen sie nur bedingt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte heute auf 4,21 Prozent. Die Rechnung der Investoren bleibt simpel: Höhere Ölpreise bedeuten hartnäckigere Inflation, und hartnäckigere Inflation macht Zinssenkungen zur Fata Morgana.
Für Anleger, die ihr Portfolio gegen genau dieses Szenario – anhaltende Inflation bei ausbleibenden Zinssenkungen – absichern wollen, hat Experte Jörg Mahnert ein kostenloses Webinar zusammengestellt. Er analysiert darin, wie Edelmetalle wie Silber und Gold in Phasen geopolitischer Unsicherheit und steigender Energiepreise historisch reagiert haben und welche konkreten Positionen er aktuell für aussichtsreich hält. Webinar: Der 132%-Edelmetall-Code von Jörg Mahnert
Porsches Margenschwund – und Teslas dritte Durststrecke
Wie tief die strukturellen Probleme der Autobranche jenseits aller Geopolitik reichen, zeigte gestern der Blick nach Wolfsburg. Heute folgt Stuttgart mit einer nicht minder ernüchternden Bilanz. Bei Porsche ist das operative Ergebnis auf 410 Millionen Euro eingebrochen – von 5,6 Milliarden im Vorjahr. Ein Absturz um über 90 Prozent.
Und der Ausblick tröstet nicht. Für 2026 rechnen die Stuttgarter mit sinkenden Erlösen zwischen 35 und 36 Milliarden Euro und einer operativen Umsatzrendite von lediglich 5,5 bis 7,5 Prozent. Von den einstigen zweistelligen Traummargen trennen Porsche inzwischen Welten.
Auf der anderen Seite des Atlantiks sieht es kaum besser aus. Die Wall Street hat ihre Wachstumsprognosen für Tesla in diesem Jahr von 8,2 auf magere 3,8 Prozent mehr als halbiert. Analysten befürchten das dritte Jahr in Folge mit sinkenden Auslieferungszahlen, während CEO Elon Musk Milliarden in Robotaxis und humanoide Roboter lenkt. Die Elektromobilität durchläuft weltweit ihr bisher härtestes Stresstest-Szenario – und das ausgerechnet in einem Moment, in dem explodierende Energiekosten den Verbrenner paradoxerweise nicht attraktiver machen, sondern die gesamte Branche unter Druck setzen.
Die Milliarden-Dollar-Uhr und ein Friedenssignal aus dem Kaukasus
Die Kosten des Nahostkonflikts sind derweil astronomisch. Laut UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher verschlingt der Krieg eine Milliarde US-Dollar – pro Tag. Präsident Trump zeigte sich heute überraschend optimistisch für ein baldiges Ende, schlicht weil es im Iran „praktisch nichts mehr“ gebe, was man angreifen könne. Israels Verteidigungsminister Israel Katz konterte umgehend: Die Operation laufe ohne zeitliche Begrenzung weiter.
Aufschlussreich ist der Blick auf die Profiteure und Verlierer abseits der Schlagzeilen. Der US-Ölproduzent EON Resources meldete heute, seine Produktion für die nächsten 15 Monate zu 75 Prozent gehedgt zu haben – teilweise zu Preisen über 70 Dollar pro Barrel. Ein komfortables Polster bei aktuellen Kursen über 90 Dollar. Russland hingegen muss trotz hoher Ölpreise den Gürtel enger schnallen: Moskau plant für 2026 eine Kürzung der „nicht-sensitiven“ Haushaltsausgaben um zehn Prozent. Fünf Jahre Krieg in der Ukraine und die wirtschaftliche Abkühlung fordern ihren Tribut – selbst bei windfall profits am Ölmarkt.
Die vielleicht erstaunlichste Nachricht des Tages kam jedoch aus dem Kaukasus. Der armenische Premierminister Nikol Paşinyan verkündete, dass sein Land mittlerweile Öl aus Aserbaidschan importiert. Ausgerechnet vom Erzfeind. Der Handel hat jahrzehntelange Monopole gebrochen und die Treibstoffpreise in Armenien gesenkt. Paşinyan hofft nun, Aserbaidschan auch als Exportmarkt für armenische Güter zu erschließen. Während anderswo Handelsrouten brennen, baut der Kaukasus leise neue. Ein bemerkenswerter Beweis dafür, dass wirtschaftliche Realitäten selbst die tiefsten geopolitischen Gräben überbrücken können.
Was jetzt zählt
Die Weltwirtschaft steht vor einer unbequemen Belastungsprobe: Wie lange hält der globale Konsum einen Ölpreis jenseits der 90-Dollar-Marke aus? Die IEA hat heute ihre schärfste Waffe gezückt. Dass der Markt sie ignoriert hat, sollte jeden Anleger nachdenklich stimmen. Denn wenn die größte koordinierte Reservefreigabe der Geschichte den Preis nicht drücken kann, bleibt nur eine Variable, die es kann – ein Ende des Konflikts.
Gestern empfahl ich Ihnen, die Anleiherenditen im Blick zu behalten. Dieser Rat gilt unverändert. Ergänzen möchte ich ihn um einen zweiten: Beobachten Sie die 95-Dollar-Marke bei Brent. Fällt diese Schwelle, dürfte die Debatte über Rezessionsrisiken eine neue Qualität erreichen.
Ich wünsche Ihnen einen entspannten und erkenntnisreichen Abend.
Herzlichst, Ihr
Felix Baarz
Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 11. März liefert die Antwort:
Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




