Die Rache der Realität, Walldorfs Burggraben-Angst und der dänische Preis-Schock

Die Börse differenziert scharf zwischen KI-Gewinnern und -Verlierern. Während SAP und Novo Nordisk mit Modellängsten kämpfen, profitiert Infineon von der Hardware-Nachfrage.

Die Kernpunkte:
  • SAP-Aktie verliert stark wegen KI-Kannibalisierungsängsten
  • AMD-Absturz trotz Rekordzahlen zeigt überhöhte Erwartungen
  • Novo Nordisk mit Umsatzwarnung durch Preiskampf
  • Infineon als Gewinner der KI-Hardware-Nachfrage

Liebe Leserinnen und Leser,

lange Zeit galt an den Märkten eine simple magische Formel: Wer die zwei Buchstaben „K“ und „I“ in einer Bilanzpressekonferenz fallen ließ, durfte sich fast automatisch über steigende Kurse freuen. Doch am heutigen Mittwoch erlebten wir die brutale Inversion dieses Prinzips. Die künstliche Intelligenz ist nicht mehr nur der Treibstoff für Phantasien, sie wird zur greifbaren Bedrohung für etablierte Geschäftsmodelle.

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Die Börse vollzieht gerade einen schmerzhaften Reifeprozess. Es reicht nicht mehr, Teil der Zukunft zu sein – man muss beweisen, dass man sie überlebt. Während wir am Montag noch über das „Warsh-Paradoxon“ und steigende Aktienkurse staunten, dominierte heute eine neue, kalte Nüchternheit. Der Markt sortiert gnadenlos aus: zwischen denen, die die Hardware für die Revolution liefern, und jenen, deren Software durch sie ersetzt werden könnte.

Hier ist, was Sie heute wissen müssen.

SAP und die Angst vor dem KI-Kannibalismus

Zum Wochenstart feierten Anleger die SAP-Aktie noch als Stütze des DAX. Heute änderte sich das Vorzeichen dramatisch. Mit einem Minus von über 4 Prozent auf rund 162 Euro gehörte der Walldorfer Software-Riese zu den größten Verlierern des Tages und setzte seine unruhige Jahresbilanz (minus 20 Prozent seit Januar) fort.

Was verunsichert die Investoren? Es ist die Sorge um den „Burggraben“. Berichte über neue Automatisierungstools von KI-Pionieren wie Anthropic wecken Zweifel, ob traditionelle Software-Lizenzen und Wartungsverträge in einer Welt autonomer KI-Agenten noch Bestand haben. Zwar rufen Analysten von Goldman Sachs und der Deutschen Bank weiterhin Kursziele zwischen 220 und 260 Euro auf, doch der Markt hört derzeit weniger auf Excel-Tabellen und mehr auf das disruptive Rauschen aus dem Silicon Valley. Die Frage lautet nicht mehr nur „Wie wächst SAP?“, sondern „Ist SAPs Geschäftsmodell immun?“.

AMD: Rekorde sind nicht genug

Noch härter ist das Urteil dort, wo die Erwartungen den Himmel berühren. Der US-Chiphersteller AMD stürzte heute um rund 13 Prozent ab. Das Bittere daran: Die Zahlen waren objektiv gut. Der Umsatz im vierten Quartal erreichte einen Rekordwert von 10,27 Milliarden Dollar, der Gewinn übertraf die Prognosen.

Doch im Schatten des Überfliegers Nvidia gilt eine eigene Mathematik. Die Prognose für das erste Quartal 2026 (ca. 9,8 Milliarden Dollar) genügte den hyper-ambitionierten Ansprüchen der Wall Street nicht. Investoren verlangen exponentielles Wachstum, keine lineare Verbesserung. Wenn selbst Rekordquartale abgestraft werden, zeigt das, wie viel Perfektion in den Halbleiter-Kursen bereits eingepreist ist.

Wachablösung im Abnehm-Sektor

Eine ähnliche Desillusionierung erlebte heute Novo Nordisk. Europas wertvollstes Unternehmen schockte mit einer Umsatzwarnung, die die Aktie zweistellig einbrechen ließ. Der Grund ist alter, harter Kapitalismus: Der Wettbewerb drückt die Preise.

Die Ironie des Tages liegt im direkten Vergleich. Während die Dänen unter Preisdruck ächzen, hob der US-Rivale Eli Lilly seine Prognose für 2026 an. Es zeichnet sich eine Wachablösung in der Gunst der Anleger ab. Der „Goldrausch“ bei den GLP-1-Medikamenten geht in die nächste Phase über: den Verteilungskampf. Für Novo Nordisk endet damit die Phase der automatischen Gewinne; ab jetzt entscheidet die Marge über den Kurs.

Krypto im Warsh-Schwitzkasten

Auch bei den digitalen Assets setzt sich die Nervosität fort, die wir bereits am Montag beobachtet haben. Der Bitcoin pendelte heute volatil um die Marke von 76.000 US-Dollar. Die Nominierung von Kevin Warsh für die Fed wirkt nach: Die Aussicht auf einen starken Dollar und straffere Zügel nimmt Krypto-Assets die Luft zum Atmen.

Die ETF-Ströme spiegeln diese Unsicherheit wider: Nach Zuflüssen von über 560 Millionen Dollar am Montag drehte der Wind am Dienstag mit Abflüssen von rund 270 Millionen Dollar. Michael Burry, bekannt für seine Wette gegen den US-Immobilienmarkt („The Big Short“), legte heute den Finger in die Wunde: Er warnte, dass Unternehmen mit großen Bitcoin-Beständen bei weiter fallenden Kursen in ernsthafte Bilanzschwierigkeiten geraten könnten. Seine These: Bitcoin versagt derzeit als „Safe Haven“ in geopolitisch unruhigen Zeiten.

Lichtblick Infineon und der Zoll-Poker

Gibt es in diesem Umfeld Gewinner? Ja, die Schaufel-Verkäufer. Im schwächelnden DAX (Schlussstand 24.725 Punkte) konnte sich Infineon behaupten. Der Chiphersteller profitiert massiv von der Nachfrage nach Leistungshalbleitern für KI-Server. Die Logik des Marktes ist bestechend: Software mag disruptiert werden (SAP), aber die Rechenzentren müssen gebaut werden (Infineon).

Ein wichtiges Detail am Rande für die deutsche Autoindustrie: BMW geht in die Offensive. Der Konzern hat in Brüssel offiziell beantragt, die EU-Importzölle für seinen in China gefertigten elektrischen Mini drastisch zu senken – von 37,6 Prozent auf 20,8 Prozent. Es ist ein Ringen um Wettbewerbsfähigkeit in einer Welt, die sich zunehmend abschottet.

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Während wir bei KI-Chips bereits die Gewinner wie NVIDIA kennen, bahnt sich der nächste Hardware-Boom an: Robotik. Bernd Wünsche analysiert in seinem kostenlosen Webinar, warum intelligente Roboter – von kollaborativen Cobots bis zu autonomen Transportrobotern – die nächste technologische Revolution auslösen werden. Er zeigt konkret, welches Unternehmen im Robotik-Sektor eine ähnlich dominante Position einnehmen könnte wie NVIDIA im KI-Bereich. Der globale Robotik-Markt soll bis 2030 auf 200 Milliarden Dollar wachsen, angetrieben durch KI-Integration und Fachkräftemangel. Im Webinar erfahren Sie, welche Aktie mit über 75.000 installierten Robotern weltweit und bis zu 60 Prozent Marktanteil besonders profitieren könnte. Details zur Robotik-Revolution und der Aktienanalyse

Das Fazit

Der heutige Tag lehrt uns Differenzierung. Die pauschale Wette auf „Tech“ oder „Pharma“ funktioniert nicht mehr. Wir sehen eine massive Divergenz:
Hardware schlägt Software: Infineon hält sich besser als SAP.
US-Dynamik schlägt Europa: Eli Lilly zieht an Novo Nordisk vorbei.
Realität schlägt Hoffnung:* AMDs solide Zahlen reichen nicht gegen die Nvidia-Fantasie.

Für Anleger bedeutet das: Der Autopilot muss ausgeschaltet werden. In den kommenden Stunden richtet sich der Blick nun auf Alphabet (Google), das nach Börsenschluss Zahlen vorlegt. In diesem nervösen Umfeld könnte das der nächste pulstreibende Moment werden.

Herzlichst,

Ihr

Felix Baarz

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