Die Washingtoner Statistik-Falle, das Düsseldorfer Bilanz-Debakel und der Münchner KI-Triumph
Starke US-Arbeitsmarktdaten dämpfen Zinshoffnungen und drücken den DAX. Siemens Energy profitiert vom KI-Boom, während Gerresheimer nach Bilanzproblemen abstürzt.

- US-Jobzahlen enttäuschen mit drastischer Revision
- Siemens Energy verdreifacht Gewinn dank KI-getriebener Nachfrage
- Gerresheimer-Aktie bricht nach Bilanzverschiebung ein
- Commerzbank plant Stellenabbau für höhere Gewinnziele
Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt Momente an der Börse, in denen man dem Tacho nicht mehr traut, weil der Blick in den Rückspiegel plötzlich eine völlig andere Realität offenbart. Genau dieses Gefühl der kognitiven Dissonanz beschlich heute viele Marktteilnehmer, als um 14:30 Uhr die Daten aus Washington über die Ticker liefen.
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Auf den ersten Blick wirkt die US-Wirtschaft wie ein unaufhaltsamer Schnellzug. Doch wer das Kleingedruckte liest, sieht Risse im Gleisbett, die zuvor niemand bemerkt haben will. Während jenseits des Atlantiks die Zinsfantasien verblassen, feiert ein deutscher Konzern ein Comeback, das noch vor zwei Jahren als Utopie gegolten hätte – und ein anderer stürzt in jenen Abgrund, den Investoren mehr fürchten als jede Rezession: die Ungewissheit der eigenen Bücher.
Herzlich willkommen zu Ihrem Markt-Update am Mittwochabend.
Das doppelte Spiel der Statistik
Beginnen wir mit dem Elefanten im Raum, der den DAX heute unter die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten drückte (Schlussstand: 24.856 Zähler). Der Auslöser kam aus den USA, und er ist ein Lehrstück für statistische Verzerrungen.
Der Arbeitsmarktbericht für Januar 2026 meldet stolze 130.000 neue Stellen – weit mehr als die erwarteten 55.000 bis 70.000. Die Arbeitslosenquote sank auf 4,3 Prozent. In einer normalen ökonomischen Welt wären das Champagner-Nachrichten. In unserer Welt der Notenbank-Abhängigkeit sind sie ein Warnschuss. Denn diese Robustheit nimmt dem designierten Fed-Chef Kevin Warsh jedes Argument für schnelle Zinssenkungen. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen schoss prompt auf 4,17 Prozent.
Doch der eigentliche Sprengstoff liegt in der Revision: Das US-Arbeitsministerium hat die Vergangenheit radikal neu bewertet. Das Jobwachstum für das Gesamtjahr 2025 wurde von ursprünglich gemeldeten 584.000 auf nur noch 181.000 Stellen korrigiert. Das bedeutet: Die US-Wirtschaft war im letzten Jahr dramatisch schwächer als angenommen, scheint aber ausgerechnet jetzt, wo alle auf eine Abkühlung hofften, wieder Gas zu geben. Dieses statistische Vexierspiel erzeugt genau jene Unsicherheit, die Märkte verabscheuen.
Siemens Energy: Der Schaufelverkäufer im KI-Goldrausch
Während der Gesamtmarkt den Rückwärtsgang einlegte, knallten in München die Korken. Die Aktie von Siemens Energy avancierte mit einem Plus von über 5 Prozent auf gut 159 Euro zum unangefochtenen Star des Tages.
Was CEO Christian Bruch hier liefert, ist mehr als ein Turnaround; es ist eine strategische Neupositionierung zur richtigen Zeit. Der Gewinn im ersten Geschäftsquartal hat sich auf 746 Millionen Euro fast verdreifacht. Doch die Währung, die an der Börse wirklich zählt, ist die Zukunft: Ein Rekord-Auftragsbestand von 146 Milliarden Euro füllt die Bücher bis ins Jahr 2030.
Das Spannende ist der neue Treiber dieser Entwicklung. Es ist nicht mehr nur die Windkraft, die sich langsam stabilisiert. Es ist die Sparte „Gas Services“, die plötzlich zur KI-Wette wird. Weltweit schießen Rechenzentren aus dem Boden, deren Energiehunger unstillbar ist. Wenn der Wind nicht weht, garantieren Gasturbinen den Betrieb der Cloud. Siemens Energy profitiert also direkt vom KI-Boom, ohne einen einzigen Chip herzustellen – die klassische Rolle des „Schaufelverkäufers“ im neuen Goldrausch.
Solche Gewinner-Aktien wie Siemens Energy sind kein Zufall – sie folgen erkennbaren Mustern aus technischen Ausbrüchen, hohem Handelsvolumen und fundamentalen Katalysatoren. In einem kostenlosen Webinar wird genau diese Dreifach-Strategie vorgestellt, die in der Vergangenheit durchschnittlich +62,5% Gewinn pro Trade ermöglichte. Das System liefert zweimal wöchentlich konkrete Trade-Signale über alle Märkte hinweg – von Aktien über Rohstoffe bis Kryptos. Sie lernen, wie Sie mit klaren Ein- und Ausstiegssignalen arbeiten, ohne stundenlange Analysen durchführen zu müssen. Konkrete Beispiele zeigen Trades wie Rheinmetall (+136,5%), Siemens Energy (+96,9%) oder Cameco (+60,2%). Das Webinar zeigt Ihnen die komplette Methodik und Sie erhalten den ersten Trade sowie einen exklusiven Sektor-Report kostenlos. Details zur Cash-Alarm-Strategie und kostenloser Trade
Commerzbank: Die radikale Schrumpfkur
In Frankfurt probt unterdessen die Commerzbank den defensiven Befreiungsschlag gegen die Avancen der UniCredit. Die heute vorgelegten Zahlen senden eine klare Botschaft nach Mailand: „Wir schaffen das allein.“
Das Nettoergebnis für 2025 lag bei soliden 2,6 Milliarden Euro. Um die Aktionäre bei der Stange zu halten und die Unabhängigkeit zu wahren, hat das Management die Ziele für 2026 aggressiv angehoben: Über 3,2 Milliarden Euro Gewinn sollen es werden. Der Preis für diese „Poison Pill“ ist jedoch hoch. Bis Ende 2027 sollen rund 3.900 Vollzeitstellen gestrichen werden. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Bank sich gesundschrumpfen muss, um nicht geschluckt zu werden. Ob diese Effizienzsteigerung ausreicht, um die Italiener (die immerhin über 26 Prozent halten) auf Distanz zu halten, bleibt der spannendste Wirtschaftskrimi des Jahres.
Gerresheimer: Das rote Tuch für Investoren
Wenn es ein Wort gibt, das Anleger schneller in die Flucht schlägt als „Zinserhöhung“, dann ist es „Bilanzunregelmäßigkeiten“. Genau dieses Gespenst geht heute bei Gerresheimer um. Der Verpackungsspezialist musste die Vorlage seines Jahresabschlusses verschieben und hat interne Untersuchungen durch eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft angekündigt.
Die Reaktion des Marktes war brutal: Die Aktie stürzte um rund 30 Prozent ab. Im Kern geht es um die Erfassung von Umsatzerlösen in den Jahren 2024 und 2025. Solange hier nicht absolute Klarheit herrscht, ist das Papier für institutionelle Anleger faktisch uninvestierbar. Vertrauen ist an der Börse das teuerste Gut – und Gerresheimer hat heute einen Großteil davon verspielt.
Bitcoin: Ernüchterung nach der Party
Ein kurzer Blick auf den Krypto-Sektor zeigt: Die Zinsangst wirkt auch hier als Stimmungsdämpfer. Der Bitcoin kämpft mit der Schwerkraft und rutschte nach den US-Daten zeitweise wieder in Richtung 66.000 US-Dollar.
Die Logik ist simpel: Wenn die Zinsen hoch bleiben, wird Liquidität teurer. Risiko-Assets wie Krypto, die keine laufenden Erträge abwerfen, leiden darunter als erstes. Der Traum von der schnellen Rückkehr zu den Rekordhochs scheint vorerst ausgeträumt; Analysten warnen bereits vor einer beginnenden Vertrauenskrise, sollte die Marke nicht halten.
Was den Abend noch bewegt
Während wir auf die Schlussglocke an der Wall Street warten, richtet sich der Blick erneut nach Washington. Dort trifft Donald Trump heute den israelischen Premier Netanjahu – eine Begegnung, die das Potenzial hat, die geopolitische Risikoprämie im Ölpreis neu zu justieren. Gleichzeitig stimmt das Repräsentantenhaus über Trumps Zölle gegen Kanada ab. Auch wenn der Markt das Thema Protektionismus gerne ignoriert, bis es schmerzt: Hier werden gerade die Weichen für den Welthandel 2026 gestellt.
Ich wünsche Ihnen einen entspannten Abend und eine glückliche Hand bei Ihren Entscheidungen.
Ihr
Felix Baarz
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