Diginex Aktie: 26 Prozent in sieben Tagen

Diginex gewinnt an der Börse, meldet aber hohe Verluste und muss die Resulticks-Übernahme sowie die Nasdaq-Auflagen weiter bewältigen.

Die Kernpunkte:
  • Diginex-Aktie legt binnen einer Woche zu
  • Nasdaq-Mindestkurs wieder eingehalten
  • 70 Millionen US-Dollar Finanzierung zugesagt
  • Umsatzplus trifft auf hohen Nettoverlust

Ein Blick auf die Handelsdaten der vergangenen Woche genügt, um zu verstehen, warum Diginex-Aktionäre gerade gute Laune haben: Plus 26,0 Prozent in sieben Handelstagen, allein am Freitag ein Sprung von 8,7 Prozent auf 1,50 US-Dollar. Für mich lohnt sich aber der zweite Blick mehr als der erste – denn auf Monatssicht steht unterm Strich ein Minus von 1,3 Prozent.

Die Aktie hat also nicht kontinuierlich zugelegt, sondern in kurzen, heftigen Schüben. Das ist ein Muster, das ich bei Diginex seit Wochen beobachte, und es sagt mehr über die Nervosität der Marktteilnehmer aus als über eine fundamentale Neubewertung.

Ein Unternehmen im Umbau – mit offenen Enden

Werfe ich die jüngsten Personalwechsel beiseite, bleibt ein Thema, das bislang zu wenig Beachtung fand: die Nasdaq-Compliance-Geschichte. Ende Juli bestätigte die Börse, dass Diginex die Mindestgebotspreis-Anforderung von einem US-Dollar wieder erfüllt – nach 20 Handelstagen in Folge über dieser Marke. Das klingt nach einer Formalie, ist es aber nicht ganz: Die ursprüngliche Nichteinhaltung stammte aus dem März, als die Aktie 30 Tage lang unter der Schwelle notierte.

Die Heilungsfrist läuft erst am 21. September aus. Aus meiner Sicht ist genau das der eigentliche Hintergrund der jüngsten Kursbewegung – nicht eine einzelne Meldung, sondern die schrittweise Beseitigung eines Delisting-Risikos, das über der Aktie hing.

Parallel dazu hat sich Diginex im August frisches Kapital gesichert: 70 Millionen US-Dollar an Finanzierungszusagen, verbunden mit einer Verlängerung des sogenannten Long-Stop-Date für die Übernahme von Resulticks. Für mich ist das ein zweischneidiges Signal.

Einerseits zeigt es, dass Investoren bereit sind, frisches Geld in das Unternehmen zu stecken – ein Vertrauensbeweis. Andererseits ist eine Fristverlängerung immer auch ein Eingeständnis, dass der ursprüngliche Zeitplan nicht zu halten war.

Wachstum ja, aber zu welchem Preis?

Die Geschäftszahlen für das im März abgelaufene Geschäftsjahr, vor gut einer Woche vorgelegt, liefern das eigentliche Spannungsfeld: 77 Prozent Umsatzwachstum auf 3,6 Millionen US-Dollar klingt beeindruckend, doch dem steht ein Nettoverlust von 31,1 Millionen US-Dollar gegenüber, inklusive einer Wertminderung des Goodwill von 7,0 Millionen US-Dollar.

Das Nettovermögen von 20,3 Millionen US-Dollar bei einer Barmittelausstattung von nur 4,9 Millionen US-Dollar zeigt, wie dünn das Polster tatsächlich ist. Diginex bleibt zwar schuldenfrei, das will ich nicht kleinreden. Aber Wachstum, das mit derart hohen Verlusten erkauft wird, überzeugt mich nicht automatisch als Qualitätsmerkmal.

Genau hier setzt meine Skepsis gegenüber der aktuellen Kursrally an. Der Aktionärsentscheid über den Aktienkaufvertrag mit Resulticks, der Führungswechsel an der Unternehmensspitze und der Verkauf von Gründeraktien haben die Aktie in den vergangenen Wochen bereits kräftig bewegt – all das ist bekannt und eingepreist.

Was bleibt, ist ein Unternehmen im Übergang: neue Interimsführung, eine milliardenschwere Transaktion, die erst durch eine Aktionärsversammlung am 8. Oktober muss, und eine Nasdaq-Notierung, die gerade erst aus der Gefahrenzone gefunden hat.

Mein Fazit

Die technischen Indikatoren – ein RSI von 56,9 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauftheit, die annualisierte Volatilität von 116 Prozent aber schon eine erhebliche Nervosität – bestätigen mein Bild einer Aktie, die von Ereignissen getrieben wird, nicht von einem stabilen operativen Trend.

Bei einer Marktkapitalisierung von umgerechnet nur 37,6 Millionen Euro reagiert der Kurs entsprechend heftig auf jede Nachricht, positiv wie negativ. Für mich überwiegt derzeit nicht die Euphorie über die jüngsten Kursgewinne, sondern die Frage, ob das Unternehmen die Restrukturierung und die Resulticks-Integration finanziell durchhält, bevor die nächste Bewährungsprobe – die Aktionärsversammlung im Oktober – ansteht.

Die Chancen auf eine erfolgreiche Neuausrichtung sind vorhanden, doch die Risiken, die in den Bilanzzahlen sichtbar werden, dürfen dabei nicht aus dem Blick geraten.

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