Diginex Aktie: 40,1 Prozent für Rhino Ventures

Diginex steigert den Umsatz auf 3,6 Millionen US-Dollar, verzeichnet aber 31,1 Millionen US-Dollar Verlust und verschiebt Resulticks weiter.

Die Kernpunkte:
  • Belegschaft binnen Jahresfrist fast vervierfacht
  • Umsatz steigt um 77 Prozent
  • Nettoverlust erreicht 31,1 Millionen US-Dollar
  • Resulticks-Abschluss weiterhin nicht unterzeichnet

Es gibt diesen Moment in jeder Wachstumsstory, in dem die Zahlen anfangen, unangenehme Fragen zu stellen. Bei Diginex ist dieser Moment jetzt. Die Kopfzahl der Belegschaft hat sich binnen eines Jahres von 32 auf 114 Mitarbeiter fast vervierfacht.

Der Umsatz wuchs im vergangenen Geschäftsjahr um 77 Prozent auf 3,6 Millionen US-Dollar. Klingt nach einer Erfolgsgeschichte des ESG-Softwaremarkts. Nur: Der Nettoverlust wuchs schneller. Von 5,2 Millionen auf 31,1 Millionen US-Dollar – fast das Sechsfache.

Das ist die eigentliche Geschichte hinter der Aktie, die seit dem vergangenen Mittwoch, als eine angepasste Übernahmevereinbarung für Resulticks bekannt wurde, um 5,7 Prozent nachgegeben hat. Und die seit der Meldung über die Beteiligung von Rhino Ventures vor gut drei Wochen sogar 28,5 Prozent verloren hat.

Diginex ist ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie kleine Wachstumsunternehmen an der Nasdaq zwischen zwei Zwängen zerrieben werden: dem Kapitalmarkt, der Wachstum sehen will, und der Kapitaldecke, die dieses Wachstum erst noch finanzieren muss.

Die Verwässerungsspirale als Preis des Überlebens

Um die roten Zahlen zu decken, hat Diginex im Juli eine Kapitalerhöhung über 20 Millionen US-Dollar eingefädelt – 20 Millionen neue Aktien plus Warrants mit einem Ausübungspreis von einem US-Dollar, Laufzeit fünf Jahre.

Der Mittelzufluss wird bis Ende März 2027 erwartet. Das ist rechnerisch klug: Es sichert die Liquidität. Es ist aber auch der Mechanismus, der bestehende Aktionäre systematisch zur Minderheit macht. Genau dieses Muster wiederholt sich bei Diginex in den vergangenen Monaten – neue Aktien, neue Warrants, neue Investoren, die sich einkaufen.

Die geplante Übernahme des Marketing-Technologieanbieters Resulticks ist dabei kein Randthema, sondern der eigentliche Treiber dieser Kapitalspirale. Ursprünglich im April mit einer Bewertung von 1,5 Milliarden US-Dollar angekündigt, wurde die Frist für den Abschluss bereits mehrfach verschoben – zuletzt vom 31. Juli auf den 12. August.

Am 3. August meldete Diginex, dass 70 Millionen US-Dollar an privaten Finanzierungszusagen gesichert seien. Am 12. August hieß es, beide Seiten befänden sich in der finalen Dokumentationsphase, eine Marktmitteilung solle nach Unterzeichnung des definitiven Agreements folgen. Diese Unterzeichnung steht bis heute aus.

Ein Großaktionär mit fast der Hälfte des Unternehmens

Wer von dieser Gemengelage am meisten profitiert, zeigt eine Stimmrechtsmitteilung vom 14. August: Rhino Ventures Limited, kontrolliert von Miles Pelham, hält inzwischen 40,1 Prozent der ausstehenden Stammaktien – eingerechnet Aktien, die aus ausübbaren Warrants innerhalb von 60 Tagen entstehen können.

Zugleich wurde vereinbart, Founder- und IPO-Warrants zu stornieren. Ein Großaktionär, der fast die Hälfte des Unternehmens kontrolliert, während frisches Kapital laufend neue Aktien schafft – das ist eine Machtkonzentration, die Anleger im Streubesitz genau beobachten sollten.

Immerhin: Ende Juli erfüllte Diginex wieder die Nasdaq-Mindestgebotspreis-Anforderung von einem US-Dollar. Und personell rüstet das Unternehmen für die Zukunft auf – im Juli wurde Jan-Jaap Verhoeve als Chief Commercial Officer verpflichtet, zuständig für globale Vertriebsstrategie und Partnerschaften, zuvor bei Plan A mit Kundenbeziehungen zu Namen wie BMW, Visa und Deutsche Bank. Im Juni kam mit Carole Zibi eine neue Marketingchefin hinzu.

Das Bild, das sich daraus ergibt, ist ambivalent: ein Unternehmen, das mit hohem Tempo Personal aufbaut, Partnerschaften anbahnt und eine große Übernahme vorantreibt – finanziert über eine Kapitalstruktur, die sich mit jeder Runde weiter verändert.

Der jüngste Kursrutsch auf 1,24 US-Dollar bei einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 33,47 Millionen Euro ist insofern weniger ein singuläres Ereignis als die logische Konsequenz dieser Dynamik.

Die Volatilität von 116 Prozent auf Jahressicht spricht für sich – wer hier investiert, kauft keine Stabilität, sondern eine Wette auf den erfolgreichen Abschluss von Resulticks und darauf, dass aus der aktuellen Verwässerung irgendwann tragfähiges Wachstum wird.

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