Diginex Aktie: Hauptversammlung am 8. Oktober entscheidet

Diginex steigert den Umsatz, weitet aber den Verlust aus. Der Resulticks-Deal könnte Altaktionäre stark verwässern und setzt den Kurs unter Druck.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz wächst auf 3,6 Millionen Dollar
  • Nettoverlust steigt auf 31,1 Millionen Dollar
  • Rund 600 Millionen neue Aktien geplant
  • Hauptversammlung soll Deal im Oktober genehmigen

Ein Umsatzplus von 77 Prozent müsste eigentlich Anlass zur Freude sein. Bei Diginex ging die Zahl in der vergangenen Woche fast unter – überschattet von einem Deal, der die gesamte Aktionärsstruktur des Unternehmens umkrempelt. Für mich ist genau das der eigentliche Punkt: Das operative Geschäft spielt an der Börse derzeit kaum eine Rolle. Alles dreht sich um Resulticks.

Am Donnerstag legte Diginex die Zahlen zum Geschäftsjahr bis Ende März vor: Umsatz von 3,6 Millionen US-Dollar, angetrieben von Software- und Datenverkäufen sowie ersten Beiträgen der zugekauften Firmen Plan A, Matter und The Remedy Project. Das Unternehmen ist schuldenfrei und hält 4,9 Millionen US-Dollar Cash.

Gleichzeitig weitete sich der Nettoverlust auf 31,1 Millionen US-Dollar aus, der bereinigte EBITDA-Verlust lag bei 13,0 Millionen US-Dollar. Wachstum und Verlustausweitung Hand in Hand – das ist bei jungen Softwarefirmen nicht ungewöhnlich, verschärft aber die Frage, wie tragfähig das Geschäftsmodell ohne den Resulticks-Zukauf überhaupt wäre.

Der Deal überschreibt die Bilanz

Genau hier setzt die eigentliche Geschichte an. Die angepasste Übernahmevereinbarung für Resulticks, die am vergangenen Mittwoch bekannt wurde, sieht die Ausgabe von rund 600 Millionen neuen Aktien vor.

Bisherige Resulticks-Aktionäre und neue Investoren würden danach etwa 86 Prozent des erweiterten Aktienkapitals halten. Für heutige Diginex-Aktionäre bedeutet das eine massive Verwässerung – und der Markt hat entsprechend reagiert: Seit der Ankündigung verlor die Aktie 8,7 Prozent.

Der Zeitplan ist inzwischen konkret. Der Vorstand hat eine außerordentliche Hauptversammlung für den 8. Oktober einberufen, auf der die aktualisierte Kaufvereinbarung mit Resulticks vom 14. August genehmigt werden soll.

Als Stichtag für die Stimmberechtigung wurde der Geschäftsschluss (New York-Zeit) am 14. August festgelegt. Der Abschluss der Transaktion wird spätestens für den 30. Oktober angepeilt. Wer die Aktie jetzt hält, entscheidet in gut fünf Wochen über die Zukunft des Unternehmens – und über den eigenen Anteil daran.

Zwischen Nasdaq-Erleichterung und Kursverfall

Bemerkenswert ist der Kontrast zu den Nachrichten von Ende Juli. Damals bestätigte die Nasdaq, dass Diginex die Mindestkursanforderung nach Listing Rule 5550(a)(2) wieder erfüllt – ein Schlusskurs von mindestens einem US-Dollar über 20 aufeinanderfolgende Handelstage war der Nachweis. Das war ein handfester Etappensieg.

Nur wenige Wochen später notiert die Aktie mit 1,20 US-Dollar zwar noch über dieser Schwelle, hat aber allein in den vergangenen 30 Tagen 23 Prozent verloren.

Am Freitag ging es um weitere 3,2 Prozent nach unten, auf Wochensicht steht ein Minus von 6,2 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt umgerechnet nur noch bei rund 30 Millionen Euro – ein Wert, der die Dimension der geplanten Kapitalmaßnahme relativiert: Ein Unternehmen dieser Größe stemmt eine Übernahme, die die eigenen Alteigentümer zur Minderheit macht.

Dazu passt, dass vor gut drei Wochen Rhino Ventures eine Beteiligung an Diginex meldete – seither hat die Aktie 30,8 Prozent verloren. Neues Kapital fand also Interessenten, obwohl der Kurs seither stetig nachgab. Das lässt sich zweifach lesen: entweder als Vertrauensbeweis in die langfristige Story rund um Resulticks, oder als Einstieg zu Konditionen, die von der bevorstehenden Verwässerung längst eingepreist waren.

Mein Fazit

Die Fundamentaldaten von Diginex – Umsatzwachstum, Schuldenfreiheit, gesicherte 70 Millionen US-Dollar an privaten Finanzierungszusagen für das kombinierte Unternehmen – sprechen nicht gegen die Resulticks-Fusion an sich.

Was mich skeptisch stimmt, ist das Tempo und die Struktur: mehrfach verschobene Fristen, eine nachträglich verschärfte Aktienausgabe und ein Kurs, der seit Wochen nur eine Richtung kennt.

Die Chancen für Bestandsaktionäre hängen fast vollständig davon ab, wie gut Resulticks tatsächlich zu den optimistischen Annahmen passt, mit denen der Deal begründet wird. Bis zur Hauptversammlung am 8. Oktober dürfte die Unsicherheit die Aktie weiter belasten – der eigentliche Test kommt erst danach.

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