Diginex: Miles Pelham verkauft 7,2 Millionen Aktien

Diginex-Gründer Miles Pelham veräußert 7,2 Millionen Aktien während laufender Milliardenübernahme von Resulticks. Der Deal steht vor entscheidender Hauptversammlung im Oktober.

Die Kernpunkte:
  • Gründer verkauft 7,2 Mio. Aktien
  • Umsatzplus von 77 Prozent
  • Nettoverlust weitet sich aus
  • Übernahme-Abstimmung am 8. Oktober

Es gibt einen Moment in jeder Übernahmegeschichte, in dem die Zahlen auf dem Papier und das Verhalten der Beteiligten auseinanderdriften. Bei Diginex ist dieser Moment jetzt erreicht.

Während das Unternehmen einen milliardenschweren Zusammenschluss mit dem Marketing-Technologiekonzern Resulticks vorantreibt, hat Gründer und Zehn-Prozent-Aktionär Miles Pelham am Montag vergangener Woche rund 7,2 Millionen Aktien verkauft — zu jeweils einem US-Dollar pro Stück, direkt und über die Gesellschaft Rhino Ventures Limited.

Das ist die Art von Signal, die Anleger aufhorchen lässt, gerade weil sie so gegenläufig zur offiziellen Erzählung steht.

Wachstum, Verlust und ein Gründer, der Kasse macht

Diginex hatte erst wenige Tage zuvor Zahlen für das am 31. März 2026 beendete Geschäftsjahr vorgelegt: Der Umsatz stieg um 77 Prozent auf 3,6 Millionen US-Dollar, getragen von Software- und Datengeschäft sowie den zugekauften Firmen Plan A, Matter und The Remedy Project. Gleichzeitig weitete sich der Nettoverlust auf 31,1 Millionen US-Dollar aus, das bereinigte EBITDA rutschte tiefer ins Minus.

Ein Goodwill-Abschreiber von sieben Millionen US-Dollar auf die Beteiligung Matter zeigt, dass nicht jede Akquisition der jüngeren Vergangenheit den erhofften Wert bringt. Die Bilanz bleibt schuldenfrei, mit Barmitteln von 4,9 Millionen US-Dollar — schmal für ein Unternehmen, das gerade eine Milliardenübernahme stemmen will.

Genau hier liegt die eigentliche Geschichte des Sommers: Diginex ist ein kleines, verlustreiches Nasdaq-Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet knapp 32 Millionen Euro, das sich anschickt, für rund 1,05 Milliarden US-Dollar den deutlich größeren und profitablen Anbieter Resulticks zu übernehmen.

Resulticks selbst meldete für 2025 einen Umsatz von 150 Millionen US-Dollar und 17 Millionen US-Dollar Gewinn nach Steuern, bei einer Wachstumsrate von über 60 Prozent seit der Pandemie.

Nach Abschluss sollen die bisherigen Resulticks-Aktionäre und neue Investoren mit 50 Millionen US-Dollar zusammen etwa 86 Prozent des vergrößerten Unternehmens halten. Diginex würde also, wirtschaftlich betrachtet, zum kleineren Teil eines Konstrukts, das den größeren Partner an die Börse hebt.

Ein Fahrplan mit vielen beweglichen Teilen

Um den Deal zu finanzieren und abzusichern, hat Diginex eine Kapitalerhöhung über 20 Millionen US-Dollar aufgelegt — 20 Millionen neue Stammaktien samt fünfjährigen Warrants mit einem Ausübungspreis von einem US-Dollar. Dazu kommen private Finanzierungszusagen von insgesamt 70 Millionen US-Dollar, mindestens 20 Millionen davon für Diginex selbst, der Rest für Resulticks.

Der Zeitplan ist eng getaktet: Eine außerordentliche Hauptversammlung am 8. Oktober soll die Übernahme, eine Erhöhung des genehmigten Kapitals und eine neue Satzung absegnen, der Abschluss der Transaktion ist für den 30. Oktober angesetzt.

Dass der Termin überhaupt noch steht, ist bemerkenswert, nachdem die ursprüngliche Frist bereits von Ende Juli auf Mitte August verlängert werden musste. Seit dieser Verschiebung vor gut drei Wochen hat die Aktie rund fünf Prozent verloren — ein Hinweis darauf, dass der Markt die Verzögerung als Warnsignal und nicht als Formalie gelesen hat.

Was der Kurs gerade erzählt

Der jüngste Handelsverlauf zeichnet ein zwiespältiges Bild. Am Montag legte die Aktie um 3,1 Prozent auf 1,32 US-Dollar zu, auf Wochensicht steht ein Plus von 6,5 Prozent.

Über die vergangenen 30 Tage jedoch hat das Papier 13 Prozent an Wert eingebüßt — ein Minus, das den gesamten Zeitraum der Fristverlängerung und der Zahlenveröffentlichung umspannt. Die annualisierte Volatilität von 116 Prozent verrät, dass der Markt bei diesem Titel weiterhin mit heftigen Ausschlägen rechnet.

Positiv immerhin: Ende Juli bestätigte Diginex, die Nasdaq-Mindestkursanforderung wieder zu erfüllen, nachdem der Schlusskurs 20 aufeinanderfolgende Handelstage über einem US-Dollar gelegen hatte. Das nimmt zumindest die Sorge vor einem Delisting-Risiko vorerst vom Tisch.

Bleibt die Frage, die sich aus dem Nebeneinander von Wachstumszahlen, Kapitalbedarf und Insider-Verkauf ergibt: Sieht der Gründer selbst im aktuellen Kurs bereits den fairen Wert seines Anteils — oder ist der Verkauf schlicht Liquiditätsbedarf vor einer Transaktion, die sein Unternehmen grundlegend verändern wird?

Eine Analysten-Einschätzung, die diese Frage einordnen könnte, liegt derzeit nicht vor. Diginex wird ohne aktive Coverage gehandelt, was die Unsicherheit für Anleger zusätzlich erhöht.

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