Drei Zahlen am Dienstag entscheiden, ob die US-Wirtschaft wirklich trägt

Die US-Bankensaison startet mit JPMorgan, während schwache Arbeitsmarktdaten und Zinsunsicherheit die Märkte prägen.

Die Kernpunkte:
  • JPMorgan startet US-Bankensaison
  • Sinkende Kapitalquote trotz Gewinnwachstum
  • Schwacher Arbeitsmarkt belastet Konjunkturbild
  • Bitcoin durchbricht Abwärtstrend

Liebe Leserinnen und Leser,

15,0 Prozent. Auf diese Tier-1-Kapitalquote taxieren Analysten JPMorgan für das zweite Quartal – vor einem Jahr waren es noch 16,1 Prozent. Diese eine Zahl sagt mehr über die US-Wirtschaft als jede Schlagzeile zum Rekordgewinn, die am Dienstag zu erwarten ist. Denn am 14. Juli bündeln sich drei Termine, die zusammen ein ehrlicheres Bild liefern als jeder einzelne für sich: JPMorgan eröffnet zusammen mit Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs und Wells Fargo die US-Bankensaison, der Verbraucherpreisindex liefert neuen Stoff für die Zinsdebatte, und Bitcoin steuert mit gebrochenem Abwärtstrend auf denselben Tag zu. Wer wissen will, ob der amerikanische Konsum noch trägt, sollte weniger auf den Gewinn-Beat schauen als auf das, was darunter liegt.

JPMorgan liefert – aber die Kapitalquote bröckelt

Im ersten Quartal übertraf JPMorgan die Erwartungen klar: EPS von 5,94 Dollar statt der erwarteten 5,50 Dollar, Umsatz von 50,54 Milliarden Dollar statt 48,30 Milliarden – ein Plus von 10 Prozent zum Vorjahr. Trotzdem senkte die Bank ihren Ausblick für den Nettozinsertrag aufs Gesamtjahr auf rund 103 Milliarden Dollar. Für das zweite Quartal erwartet der Konsens nun 5,52 Dollar EPS (+11,3 Prozent) bei 48,71 Milliarden Dollar Umsatz (+8,4 Prozent); die Schätzungen wurden in den vergangenen 30 Tagen um 1,3 Prozent angehoben.

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Während JPMorgan zusammen mit Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs und Wells Fargo die US-Bankensaison eröffnet, richten viele Anleger den Blick weiterhin fast ausschließlich auf die großen Tech-Werte. Ein kostenloser Sonderreport zeigt, warum sich am US-Markt gerade eine Sektor-Rotation abzeichnet und welche Aktien abseits von Big Tech von der „Rolling Recovery“ profitieren könnten. Kostenlosen US-Markt-Report sichern

Interessanter als der erwartbare Beat ist ein Detail, das in den Schlagzeilen meist untergeht: Neben der sinkenden Kapitalquote steigen auch die geschätzten notleidenden Aktiva auf 11,42 Milliarden Dollar (von 10,48 Milliarden) und die notleidenden Kredite auf 10,50 Milliarden Dollar (von 9,82 Milliarden). Übersetzt heißt das: Selbst bei starkem Handels- und Investmentbanking-Geschäft dünnt sich der Kapitalpuffer aus, während die Kreditqualität leicht nachgibt. Der Analystenkonsens bleibt trotzdem bei „Hold“, Kursziel 345,33 Dollar – die Aktie notiert bei 336,82 Dollar, KGV 16, Dividendenrendite 1,8 Prozent (6 Dollar pro Jahr, Zahlung am 31. Juli).

Auch die Insider-Bewegungen passen ins Bild einer Bank, die auf hohem Niveau vorsichtig wird: In den vergangenen 90 Tagen verkauften Führungskräfte 33.623 Aktien für 10,43 Millionen Dollar, darunter COO Jennifer Piepszak (9.136 Aktien, 2,8 Millionen Dollar) und General Counsel Stacey Friedman gleich zweimal. Bei institutionellen Investoren zeigt sich ein gemischtes Bild: Swedbank reduzierte um 2,5 Prozent, Integrated Advisors Network um 8,0 Prozent – während Kathmere Capital Management seine Position um 45,4 Prozent aufstockte. Für Anleger heißt das: Am Dienstag entscheidet sich weniger, ob JPMorgan liefert – das tut die Bank fast immer –, sondern wie belastbar NII-Guidance und Kapitalquote unter der Oberfläche tatsächlich sind.

Die zweite JPMorgan-Meldung, die fast unterging

Neben den Zahlen steht eine Warnung im Raum, die deutlich weniger Aufmerksamkeit bekam als sie verdient: JPMorgan schätzt, dass 40 bis 150 Milliarden Dollar an Leveraged Loans in US-CLOs (Collateralized Loan Obligations) durch KI-getriebene Disruption in den betroffenen Branchen gefährdet sein könnten. Die Einschätzung folgte auf die Branchenkonferenz SFVegas 2026, wo der Softwareeinfluss auf Corporate CLOs laut Teilnehmerberichten das dominierende Thema war.

Für Anleger mit Engagement in Kredit- oder CLO-Strukturen ist das ein Signal, das über die reine Aktien-Euphorie um KI-Werte hinausgeht: Die Disruption trifft nicht nur Kurse, sondern die Bonität ganzer Kreditportfolios – ein Kanal, über den KI-Risiko in festverzinsliche Anlagen durchschlägt, die viele Depots für „sicher“ halten.

Der Arbeitsmarkt widerspricht der Erholungserzählung

Im Juni entstanden in den USA nur 57.000 neue Stellen – erwartet worden waren 115.000. Zusätzlich wurden die Vormonate um zusammen 74.000 Stellen nach unten korrigiert. Dass die Arbeitslosenquote trotzdem auf 4,2 Prozent sank, liegt allein an der gesunkenen Erwerbsbeteiligung von 61,5 Prozent – ein Zeichen von Schwäche, nicht von Stärke. Besonders hart traf es das Freizeit- und Gastgewerbe mit einem Verlust von 61.000 Jobs.

Ein gegenläufiges Signal kam aus den wöchentlichen Anträgen: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen in der Woche bis zum 4. Juli um 2.000 auf 215.000, während die Folgeanträge um 8.000 auf 1.814.000 stiegen – der höchste Stand seit Ende März. Die Fed steckt damit in einem Dilemma, das sich nicht sauber auflösen lässt: Das jüngste FOMC-Protokoll deutet auf eine neutrale Haltung, doch Prognosemärkte wie Polymarket sehen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent, dass es 2026 gar keine Zinssenkung mehr gibt. Für Anleger verknüpft sich das direkt mit der Bankensaison: Ein länger hohes Zinsniveau stützt zwar die Nettozinsmargen der Banken, verschärft aber gleichzeitig den Druck auf Kreditnehmer – genau der Bereich, in dem JPMorgan bereits steigende notleidende Kredite meldet.

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Die Prognosemärkte rechnen mittlerweile mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass 2026 keine einzige Zinssenkung mehr kommt – für Sparer und Anleger mit klassischen Zinsprodukten keine gute Nachricht. Ein kostenloser Report erklärt, warum die Zinsillusion platzt und wie Dividendenwerte sowie Inflationsschutz jetzt an Bedeutung gewinnen. Kostenlosen Report herunterladen

Gold und Bitcoin als Gegenprobe

Der Goldpreis hat sich nach einer volatilen Woche mit rund 1,5 Prozent Kursverlust knapp über 4.100 Dollar stabilisiert; die technische Lage deutet auf eine leichte Erholung in den kommenden Tagen hin. Das ist ein typisches Signal dafür, dass Anleger sich angesichts der Zinsunsicherheit gegen beide Szenarien absichern, statt sich festzulegen.

Bitcoin wiederum hat den seit Anfang Juni bestehenden Abwärtstrend gebrochen und notiert nahe 64.500 Dollar, mit Widerstand bei 65.581 Dollar und Unterstützung bei 58.000 Dollar. Auch hier ist der 14. Juli der Schlüsseltermin: Ein CPI-Wert, der Zinssenkungshoffnungen nährt, könnte einen Weg über 67.250 bis 70.000 Dollar öffnen; ein hawkischer Ausreißer dagegen einen Rückfall auf 60.000 bis 61.000 Dollar auslösen. Standard Chartered hält trotz des jüngsten Rücksetzers von 80.000 auf 60.000 Dollar an seinem Jahresendziel von 100.000 Dollar fest und begründet den Einbruch mit dem Verkauf von 3.588 Bitcoin (216 Millionen Dollar) durch Strategy Inc. zur Dividendenfinanzierung – nicht mit fundamentaler Schwäche. Passend dazu: Bitcoin-ETFs verzeichneten nach acht Wochen Abflüssen zuletzt wieder Zuflüsse von 200 Millionen Dollar.

Quintessenz

Der 14. Juli ist kein gewöhnlicher Handelstag, sondern ein Belastungstest für drei Erzählungen gleichzeitig: dass US-Banken den Zinszyklus mühelos verdauen, dass der Arbeitsmarkt trotz schwacher Zahlen stabil bleibt, und dass Kryptomärkte auf lockerere Geldpolitik wetten können. JPMorgans Kapitalquote und Kreditkennzahlen werden dabei mehr verraten als jede Arbeitsmarktstatistik allein – und die CLO-Warnung der Bank zeigt, dass die KI-Disruption längst nicht mehr nur ein Aktienthema ist. Wer diese Woche eine einzige Kennzahl im Blick behalten will: Es ist nicht das EPS, sondern die Tier-1-Quote.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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