Interviewmit Dieter Jaworski

DroneShield Aktie: Hält der Schutz der Drohnenabwehr, wenn die Bestellungen einmal ausbleiben?

Die Bruttomarge sank im ersten Halbjahr 2026 auf 60 Prozent; der neue Abo-Dienst soll wiederkehrende Erlöse ermöglichen.

Die Kernpunkte:
  • 2026-Auftragsbestand deckt den Ausblick weitgehend
  • US-Rahmenvertrag über 500 Millionen Dollar
  • Bruttomarge fiel auf 60 Prozent
  • Abo-Dienst soll laufende Erlöse schaffen

Mit dem US-Rahmenprogramm „Domestic Shield“, das eine Obergrenze von 500 Millionen US-Dollar hat, und einem neuen Abo-Dienst will DroneShield sich vom Rhythmus einzelner Beschaffungsprogramme lösen. Im ersten Halbjahr 2026 sank allerdings die Bruttomarge, weil mehr zugekaufte Fremdhardware in den Systemen steckt.

Hat der australische Drohnenabwehr-Spezialist einen Wettbewerbsvorteil, der auch eine Nachfrageflaute übersteht, oder vermietet er vor allem einen geopolitischen Rückenwind? Darüber spricht Felix Baarz mit Dieter Jaworski.

DroneShield (AU000000DRO2) — Schlusskurse 20.04.2026 bis 16.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 16.10.2026.

DroneShield (AU000000DRO2) — Schlusskurse 20.04.2026 bis 16.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 16.10.2026.

Felix Baarz: Für 2027 sind laut jüngster Meldung erst 29 Millionen Australische Dollar Umsatz gesichert, und Anduril sitzt auf einem Rahmenvertrag der US Army über 20 Milliarden Dollar. Läuft DroneShield in eine Auftragslücke, die ein amerikanischer Platzhirsch füllt?

Dieter Jaworski: In Ihrer Frage stecken zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Die 29 Millionen für 2027 messen die Sichtbarkeit. Im Behördengeschäft wird kurzfristig bestellt, und im Oktober ist das Folgejahr immer dünn belegt. Für 2026 lagen am 12. Oktober 261 Millionen vertraglich gesichert vor, mitten im Ausblick von 250 bis 270 Millionen. Das spricht gegen eine Firma, die keine Aufträge bekommt.

Anduril ist dagegen eine Frage der Konkurrenz, und die halte ich für die ernstere. Ein amerikanischer Anbieter mit Heimvorteil und sehr viel Kapital steht im wichtigsten Einzelmarkt auf demselben Feld. Wer im Pentagon ein heimisches Unternehmen auswählen kann, braucht schon gute Gründe, um zu einem Australier zu greifen.

DroneShield hat zwei solche Gründe. Das Unternehmen ist ein westlicher, als vertrauenswürdig eingestufter Lieferant, während chinesische Anbieter durch die US- und EU-Vorgaben aus dem Markt gedrängt werden.

Außerdem liegen die Systeme schon heute bei Truppen im Einsatz. Ob das gegen die Lobbymacht eines heimischen Champions reicht, kann ich nicht sicher sagen. Eine Lücke im Auftragsbuch ist das Risiko jedenfalls nicht. Das Risiko liegt im Preis, den DroneShield zahlen muss, um überhaupt im Rennen zu bleiben.

Felix Baarz: Seien wir ehrlich: Ist das nicht einfach ein Händler, der fremde Geräte zusammenbaut und Software draufschreibt?

Dieter Jaworski: Das wäre mir zu billig. Die Geräte kann jeder kaufen. Das jahrelang gesammelte Wissen darüber, wie welche Drohne funkt und aussieht, kann niemand kaufen. Ein Händler wäre DroneShield erst dann, wenn dieses Wissen nichts mehr wert wäre, und so weit sind wir nicht.

Felix Baarz: Was ist dieses Wissen denn wert? Wo sehen Sie ein faires Niveau, und woran hängt es?

Dieter Jaworski: Ich komme auf rund 1,21 Euro. Das liegt praktisch beim Median des Analysten-Konsens, und ich behaupte nicht, dass ich den Wert genauer kenne als andere. Wichtiger ist mir die Frage, womit dieser Wert steht und fällt.

Für mich ist das die Bruttomarge, also das, was vom Umsatz nach den direkten Herstellkosten übrig bleibt. Im ersten Halbjahr 2026 ist sie von rund 65 auf 60 Prozent gefallen. Grund war der höhere Anteil zugekaufter Fremdhardware.

Diese Zahl verfolge ich laufend. Solange sie bei wachsendem Volumen um die 60 Prozent hält, ist DroneShield für mich ein Qualitätsgeschäft mit einer Preismacht, die ich als moderat einschätze. Rutscht sie im Zuge größerer Integrationsaufträge deutlich darunter, habe ich mich geirrt.

Dann ist DroneShield ein Systemintegrator, der Fremdteile verbaut. Ein solches Geschäft verdient einen Integrator-Multiplikator und keinen Software-Aufschlag. Die Signaturbibliothek ist der einzige Teil, den niemand zukaufen kann. Sie muss sich in dieser Marge zeigen, sonst ist sie nur eine schöne Geschichte.

Felix Baarz: Sie sagten eben, die Bibliothek müsse „sich in dieser Marge zeigen“. Die Großaufträge, auf die Sie über den US-Rahmen hoffen, bestehen aber genau aus Radaren, Kameras und Fahrzeugintegration, also aus Fremdhardware. Wachstum und Marge laufen bei Ihnen doch gegeneinander.

Dieter Jaworski: Der Punkt sitzt. Diese Spannung kann ich nicht wegerklären. Jeder große Behördenauftrag enthält Fremdteile mit dünner Marge, und die drücken den Durchschnitt. Der IDIQ-Rahmen ist ein Vertrag mit offener Liefermenge, bei dem die Behörde nach Bedarf abruft. Er dürfte also genau solche Pakete bringen. Die 500 Millionen sind ohnehin nur eine Obergrenze und kein zugesagter Umsatz. Bisher ist davon nichts abgerufen.

Gegensteuern kann DroneShield an anderer Stelle, nämlich im Bestand. Das Software-Update für das vierte Quartal ging an mehr als 4.200 Geräte, die bereits im Feld stehen. Jedes dieser Geräte bleibt nur so lange nützlich, wie es neue Drohnentypen erkennt. Damit entsteht eine Abhängigkeit, und die Kunden haben sie.

Mit dem Abo-Dienst „Mission Ready Services“ wird diese Abhängigkeit jetzt erstmals regelmäßig abgerechnet. Laufende Erlöse ohne Fremdteile sind der einzige Hebel, der den Margendruck aus der Hardware ausgleichen kann. Wie groß dieser Hebel ist, weiß heute niemand. Das Unternehmen weist ihn nicht so aus, dass man es nachrechnen könnte.

Felix Baarz: Vier Häuser kommen im Median auf Ihre Zahl. Hinzu kommen die Aktienverkäufe des damaligen Managements im November 2025. Was fügen Sie dem Konsens eigentlich hinzu, außer ihn zu bestätigen?

Dieter Jaworski: Ich frage, wo er sich irrt. Die Spanne reicht von 0,90 bis 1,61 Euro. Am oberen Ende hält der Konsens den Software-Charakter für ausgemacht, und das halte ich für zu optimistisch. Für das Rückschlagsrisiko interessiert mich vor allem der Ausblick für 2026. Er ist vertraglich weitgehend abgedeckt, und damit fällt ein klassischer Absturzauslöser in diesem Jahr weg.

Die Verkäufe werte ich als negatives Governance-Signal. Der damalige Chef und weitere Insider haben zwischen dem 6. und 12. November 2025 zusammen knapp 20 Millionen Aktien abgegeben, rund um eine zurückgezogene Vertragsmeldung. Das bleibt in Erinnerung. Der heutige CEO Bean ist erst seit April 2026 im Amt und kann dafür nichts.

Ob er Kapital so gut einsetzt, wie sein Vorgänger das Geschäft aufgebaut hat, ist offen. Dazu passt die zuletzt gemeldete Leerverkaufsquote von 14,52 Prozent der ausgegebenen Aktien. Dieser Wert ist hoch. Eine größere Gruppe am Markt wettet also genau auf meinen Scheiterfall, die erodierende Marge. Das verschweige ich nicht.

Felix Baarz: Sie haben Ihr ganzes Urteil an die Bruttomarge von 60 Prozent gehängt. Reicht dieser Wert, um DroneShield heute ein Qualitätsgeschäft zu nennen, oder nicht?

Dieter Jaworski: Noch nicht. Die 60 Prozent zeigen, dass der Schutz besteht. Sie belegen aber nicht, dass er hält, wenn die Rüstungsbudgets einmal nicht mehr wachsen und Anduril über den Preis angreift.

Im Moment profitiert DroneShield von der Dringlichkeit der Beschaffer, und Dringlichkeit überdeckt fast jede Schwäche bei der Preismacht. Mein faires Niveau traue ich dem Geschäft zu. Den Titel Qualitätsgeschäft gebe ich erst, wenn die Marge zwei, drei Halbjahre mit großen Integrationsaufträgen übersteht und die Abo-Erlöse sichtbar werden.

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