DroneShield vor der RE-ARM-Entscheidung: Was für Anleger jetzt zählt

DroneShield wächst operativ stark, doch Verlust, ASIC-Prüfung und offene Großaufträge erhöhen die Unsicherheit vor der RE-ARM-Auswahl.

Die Kernpunkte:
  • Aktie 71 Prozent unter Jahreshoch
  • Halbjahresumsatz um 74 Prozent gestiegen
  • ASIC-Prüfung bleibt ohne Abschluss
  • RE-ARM-Auswahl für zweite Jahreshälfte erwartet

Ausgangslage

DroneShield-Aktien notieren aktuell bei 1,09 Euro und damit rund 71 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 3,79 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 40 Prozent zu Buche, allein in den vergangenen 30 Tagen verlor das Papier 18 Prozent. Damit rückt eine Entscheidung in den Fokus, die bislang kaum quantifiziert wurde, obwohl sie für die mittelfristige Bewertung entscheidend sein dürfte: die Down-Selection im europäischen RE-ARM-2030-Programm, für die DroneShield gemeinsam mit Anduril, COBS und Nokia in einem Konsortium antritt.

Vorstandschef Angus Bean hatte diese Entscheidung für die zweite Jahreshälfte 2026 in Aussicht gestellt – sie soll bestimmen, ob das Konsortium in die engere Gruppe für ein weiteres Engagement mit dem zuständigen Verteidigungsministerium aufsteigt. Ein konkretes Datum nannte das Unternehmen bislang nicht.

Die entscheidende Frage

Für Anleger läuft fast alles auf eine Kennzahl hinaus: das Verhältnis von Committed Revenue zur Jahresguidance. Diese lag zuletzt bei 240 Millionen australischen Dollar, gegenüber einer für das Geschäftsjahr 2026 anvisierten Spanne von 250 bis 270 Millionen Dollar. Damit ist der überwiegende Teil der Jahresprognose bereits vertraglich unterlegt – doch das obere Ende der Spanne hängt maßgeblich davon ab, ob neue Großaufträge wie eine mögliche RE-ARM-Zusage nachfolgen.

Bleibt der Auftragseingang aus, drohen Umsatz und Marge im zweiten Halbjahr zu stagnieren, obwohl die Basis bereits gesichert scheint. Genau hier setzt die Skepsis der Kritiker an: Sie verweisen auf eine sich verengende Pipeline an neuen, noch nicht gebundenen Aufträgen.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die operative Breite des Geschäfts. Der Halbjahresumsatz stieg um 74 Prozent auf 125,8 Millionen australische Dollar, das wiederkehrende Softwaregeschäft wuchs um 229 Prozent auf 11,5 Millionen Dollar bei mittlerweile 4.100 installierten, softwarefähigen Geräten.

Mit 180 Millionen Dollar an Kassenbestand und ohne Schulden verfügt DroneShield über finanziellen Spielraum, um Fertigungskapazitäten auszubauen – die europäische Produktion ist bereits angelaufen, eine skalierte Fertigung soll im zweiten Halbjahr folgen, erste Auslieferungen werden zum Jahresende erwartet. Hinzu kommt der jüngste europäische Vertragsabschluss über 23,2 Millionen australische Dollar mit dem Benelux-Partner COBBS BELUX für einen ungenannten europäischen Militärkunden, dessen Wert überwiegend noch im laufenden Jahr als Umsatz erfasst wird.

Auch die sichtbare Bewährungsprobe beim FIFA-Einsatz in Kansas City – 184 detektierte Drohnen, 48 sichergestellt – untermauert aus Sicht der Befürworter die operative Reife der Technologie.

Bell Potter bestätigte am 3. September nach den Halbjahreszahlen die Kaufempfehlung, senkte das Kursziel aber von 2,50 auf 2,40 australische Dollar; Canaccord Genuity setzte am selben Tag ein Ziel von 2,60 australischen Dollar.

Bärisches Szenario

Die Gegenseite verweist auf einen statutarischen Verlust von 32,2 Millionen australischen Dollar im ersten Halbjahr, nach einem Gewinn von 2,1 Millionen im Vorjahreszeitraum – eine Kehrtwende, die auch die zuletzt gesunkene Bruttomarge von 65 Prozent begleitet, bedingt durch die Produktmischung und eine einmalige Wertminderung.

Belastend wirkt zudem die weiterhin laufende Untersuchung der australischen Aufsichtsbehörde ASIC zu Ankündigungen und Aktienhandel im November 2025, für die es weiterhin keinen absehbaren Abschluss gibt – ein Schwebezustand, der Vertrauen kostet, ohne dass ein Fehlverhalten festgestellt wäre.

Der Analyst Will Richardson von Jefferies hatte bereits im Juli sein Kursziel um 27 Prozent auf 2,05 australische Dollar gesenkt und die Verkaufsempfehlung bestätigt, mit Verweis auf ausbleibende materielle Vertragsgewinne und eine sich verengende Lieferpipeline – diese Einschätzung datiert allerdings vor den jüngsten Zahlen.

Dass DroneShield mit einem Shortinteresse von 15,7 Prozent der meistgeshortete Wert am australischen Markt ist, verstärkt zusätzlich die Kursvolatilität, die aktuell bei 83 Prozent über 30 Tage annualisiert liegt.

Ausblick

Solange die Committed Revenue die Guidance-Basis stützt und neue Aufträge wie zuletzt aus Europa nachfließen, bleibt das Wachstumsnarrativ intakt – auch wenn der Kurs mit einem Abstand von 40 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt aktuell wenig davon widerspiegelt.

Kippt die RE-ARM-Entscheidung gegen das Konsortium oder bleiben weitere Großaufträge aus, dürfte die Lücke zwischen aktuellem Vertragsbuch und dem oberen Ende der Jahresprognose sichtbar werden – und mit ihr die Zweifel an der Bewertung.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die für die zweite Jahreshälfte angekündigte Down-Selection im RE-ARM-2030-Programm, flankiert vom für das zweite Halbjahr erwarteten Start der ersten RfRecon-Umsätze und weiteren angekündigten Produktankündigungen rund um die Ultra-Breitband-Technologie. Bis dahin bleibt die ASIC-Untersuchung ein ungelöster Unsicherheitsfaktor im Hintergrund.

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