Dürr schreibt wieder einen Einkaufszettel

Die Strategie der bereits 1895 gegründeten Dürr AG ist so offensichtlich wie einleuchtend: Das im MDAX gelistete Unternehmen will seine Abhängigkeit vom Kerngeschäft als Automobilzulieferer weiter verringern und begibt sich laut Konzernspitze wohl bald wieder auf Einkaufstour. Zwar laufen die Geschäfte mit Lackiermaschinen für die Autoindustrie alles andere als schlecht, Dürr möchte sich jedoch breiter aufstellen.

 

Dürr
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Aus diesem Grund hat der Anlagen- und Maschinenbauer aus Stuttgart im vergangenen Jahr bereits Holzmaschinenbauer HOMAG übernommen. Bezüglich der neuen Einkaufsliste hat Finanzchef Heuwing der „Euro am Sonntag“ bereits recht konkrete Vorstellungen verraten: Ein „Weltmarktführer in einem Nischenmarkt des Maschinenbaus oder der Automatisierungstechnik – kein Sanierungsfall, aber Potenzial zur Ergebnisverbesserung“ soll der nächste Übernahmekandidat für die Dürr AG sein.

 

Dürr mit schwierigem Start in 2015: Kaufen kostet

Die Übernahme vom Holzmaschinenbauer HOMAG bringt den MDAX-Konzern langfristig wohl durchaus weiter, am heutigen 1. Juli startet zudem ein Restrukturierungsprogramm bei HOMAG. Kurzfristig jedoch hat die Übernahme die Zahlen von Dürr eher belastet. Durch Abschreibungen lag der Gewinn nach Steuern im ersten Quartal von 2015 42 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Auch die Anleger bestraften die auf den ersten Blick teilweise enttäuschenden – wenngleich zu erwartenden – Zahlen des Auftaktquartals. Neben dem schwachen Gesamtmarkt dürfte dieser Effekt der Grund für die schwierige Kursentwicklung seit Mitte April 2015 sein. Dass die Dürr AG auch durch die HOMAG-Übernahme bei Umsatz und Auftragseingängen deutlich zulegen konnte, ist dabei etwas in den Hintergrund gerückt. Ähnlich gegensätzliche Kurzfrist-Langfrist-Effekte sind auch bei weiteren Übernahmen seitens der Dürr AG wahrscheinlich.

 

Positive Entwicklung bei Dürr

Dass der Konzern sich breiter aufstellen und weniger abhängig von der Automobilindustrie machen will, ist auch von Anlegerseite aus zu begrüßen. Denn gleichzeitig profitiert die Firma ja weiterhin von guten Nachrichten in der boomenden Automobilindustrie.

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Kurzfristig ist das Hoch von April dieses Jahres (knapp 110 Euro) ein neues Ziel für die Dürr Aktie. Ob das klappt hängt jedoch neben den charttechnischen Widerständen auch von vielen externen Faktoren ab. Allein die Griechenland-Krise beeinflusst vermutlich auch in den kommenden Wochen die Märkte. Eine neue Übernahme würde jedoch wohl ohne Zweifel neue Impulse geben.

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