E-Auto-Preiskampf: BYD und XPeng erobern Europa, Porsche kämpft
BYD und XPeng fordern mit günstigen E-Autos die etablierten Hersteller Porsche und Stellantis in Europa heraus.

- BYD Exporte steigen rasant
- CATL plant Natrium-Ionen-Speicher in Europa
- XPeng startet günstiges SUV in Europa
- Porsche und Stellantis mit Absatzproblemen
Während chinesische Hersteller mit Kampfpreisen und Exportrekorden auf den europäischen Markt drängen, geraten die etablierten Platzhirsche zunehmend in die Defensive. Porsche und Stellantis kämpfen mit schwindenden Absatzzahlen, während BYD, CATL und XPeng ihre Auslandsgeschäfte auf Hochtouren fahren. Die Frage, die sich Anlegern stellt: Wie lange können westliche Autobauer den Rückstand noch aufholen?
Sektorüberblick: Zwei Geschwindigkeiten im globalen Automarkt
Der weltweite Automobilsektor zerfällt derzeit in zwei klar getrennte Lager. Auf der einen Seite stehen chinesische Hersteller, die den brutalen heimischen Preiskrieg über Exporte kompensieren. Der Autoabsatz in China dürfte dieses Jahr um rund 11 Prozent einbrechen – eine deutliche Verschärfung gegenüber früheren Prognosen von nur einem Prozent Rückgang.
BYD meldete im Juni bereits den zweiten Monat in Folge globales Absatzwachstum, getragen von einem kräftigen Exportsprung. CATL treibt parallel seine Europa-Expansion mit neuer Batterietechnologie voran, während XPeng gerade ein aggressiv bepreistes SUV auf dem Kontinent gestartet hat, das Tesla direkt unterbietet.
Auf der anderen Seite navigieren Stellantis und Porsche AG durch schmerzhafte Übergänge. Stellantis restrukturiert sein Markenportfolio unter einem milliardenschweren Strategieplan, Porsche verkraftet einen deutlichen Auslieferungsrückgang, der eng mit der China-Schwäche und dem Auslaufen von Verbrennermodellen zusammenhängt.
BYD: Exporte federn den schwachen Heimatmarkt ab
BYD-Aktien notierten zuletzt bei 9,90 Euro, nach einem Tagesminus von 1,75 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 9,39 Prozent zu Buche – die Erholung von den Tiefstständen ist spürbar, auch wenn der Titel seit Jahresbeginn noch immer 7,52 Prozent im Minus liegt und rund ein Drittel unter seinem Rekordhoch vom Juli 2025 notiert.
Die Zahlen hinter der Kursbewegung sind eindeutig. Die Auslandsverkäufe sprangen im Jahresvergleich um 94,7 Prozent auf 175.349 Fahrzeuge und bildeten damit den Haupttreiber des Wachstums, während die Inlandsverkäufe in China um 22 Prozent zurückgingen. Im ersten Halbjahr insgesamt brachen die Heimatverkäufe unter dem Preiskrieg sogar um fast 40 Prozent ein, während die Exporte um mehr als 70 Prozent zulegten und deutlich höhere Margen abwarfen. BYD steht zudem kurz vor einer Entscheidung über sein zweites europäisches Fertigungswerk nach Ungarn.
Für das Gesamtjahr 2025 knackte BYD erstmals die Marke von 800 Milliarden Yuan Umsatz, der Nettogewinn sank jedoch um knapp 19 Prozent, belastet durch die schrumpfende Heimmarge. Bemerkenswert: Das Auslandsgeschäft erwirtschaftete eine Bruttomarge von 28,1 Prozent – deutlich mehr als die 17,2 Prozent in China. Goldman Sachs sieht das erste Quartal 2026 als Gewinntiefpunkt und erwartet für die zweite Jahreshälfte eine Erholung, getragen von der Exportdynamik.
CATL: Natrium-Ionen-Vorstoß vertieft den Europa-Fußabdruck
CATL schloss zuletzt bei 360,00 Yuan, ein Tagesminus von 1,69 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 9,77 Prozent zu Buche, auf Jahressicht hingegen ein Plus von 36,09 Prozent – ein Beleg dafür, wie volatil der Batteriesektor derzeit gehandelt wird.
Strategisch baut CATL seine Position in Europa weiter aus. Gemeinsam mit dem Unternehmen Alfen sollen ab 2027 rund 5 Gigawattstunden an Natrium-Ionen-Batteriespeichersystemen in Westeuropa installiert werden – der erste geplante Einsatz dieser Technologie auf dem Kontinent. Erst im April hatte CATL einen 60-Gigawattstunden-Lieferauftrag mit dem Integrator HyperStrong unterzeichnet, die bislang größte Natrium-Bestellung überhaupt, und die Chemie als „mainstream-tauglich“ bezeichnet.
Operativ bleibt CATL der klare Platzhirsch im Batteriegeschäft. Der Quartalsumsatz stieg um über 60 Prozent, der Nettogewinn um mehr als 57 Prozent, während der globale Marktanteil bei den EV-Batterien im Zeitraum Januar bis Mai bei rund 40 Prozent lag. Goldman Sachs nahm die Coverage mit einer Kaufempfehlung auf, auch Bank of America bestätigte ihre positive Einschätzung.
XPeng: Mona L03 unterbietet Tesla in über 60 Märkten
XPeng-Aktien notierten zuletzt bei 11,82 Euro, nach einem Tagesverlust von 3,90 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein deutliches Minus von 34,52 Prozent zu Buche, wenngleich sich der Titel in den vergangenen sieben Handelstagen um 3,50 Prozent erholte.
Die größte Nachricht des Sommers ist der globale Rollout des neuen Massenmarkt-SUVs. XPeng brachte den Mona L03 in Europa zu einem Einstiegspreis von 34.990 Euro auf den Markt – rund 3.400 Euro unter dem Tesla Model Y in Deutschland – mit gleichzeitiger Öffnung für Bestellungen in mehr als 60 Märkten. Vorgestellt wurde das Modell beim globalen Markenevent in München, der bislang größte internationale Launch des Unternehmens.
In China selbst zeigt sich bereits eine Erholung: Im Juni lieferte XPeng gut 40.000 Fahrzeuge aus, ein Plus von 15,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der beste Monatswert des Jahres. Für das erste Halbjahr insgesamt bleibt die Bilanz jedoch gemischt – die kumulierten Auslieferungen lagen mit rund 166.000 Einheiten fast 16 Prozent unter Vorjahresniveau und erreichten nur etwa 30 Prozent des Jahresziels. An der Wall Street gehen die Meinungen entsprechend weit auseinander: Kursziele reichen von 15 Dollar bei Underweight bis knapp 30 Dollar bei optimistischeren Häusern.
Stellantis: Rückkehr zur Profitabilität nach schwerem Verlustjahr
Stellantis-Aktien liegen bei 5,07 Euro, nach einem Tagesminus von 2,91 Prozent. Der Kursverlauf der vergangenen Monate war schmerzhaft: Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 46,39 Prozent zu Buche, auf Zwölf-Monats-Sicht ein Minus von 37,60 Prozent. Immerhin: In den vergangenen sieben Tagen legte der Titel um 5,22 Prozent zu.
Operativ zeigen sich erste Lichtblicke. Die Auslieferungen im zweiten Quartal stiegen um 10 Prozent, getragen von einem Sprung um 38 Prozent in Nordamerika. Strategisch rückt Opel zunehmend als regionales Wachstumsvehikel ins Zentrum der Turnaround-Geschichte – die Marke setzt dabei auf eine Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor, dessen Elektro-SUV künftig neben dem Corsa im spanischen Werk Zaragoza vom Band laufen soll. Der Konzern hatte im Mai eine milliardenschwere Strategie angekündigt, die den Großteil der Investitionen auf Jeep, Ram, Peugeot und Fiat konzentriert.
Nach einem Nettoverlust von 22 Milliarden Euro im Gesamtjahr 2025, ausgelöst durch massive Sonderbelastungen, gelang im ersten Quartal 2026 die Rückkehr in die Gewinnzone mit einem Nettogewinn von 377 Millionen Euro. Die Nettoumsätze legten im gleichen Zeitraum um 6 Prozent zu. Die Analystenstimmung bleibt dennoch vorsichtig: Sowohl die Deutsche Bank als auch TD Cowen senkten ihre Kursziele deutlich, HSBC stufte die Aktie sogar von Hold auf Reduce herab. Die vollständigen Q2-Zahlen folgen am 30. Juli.
Porsche AG: Auslieferungen brechen vor Halbjahreszahlen ein
Porsche-Vorzugsaktien notierten zuletzt bei 45,20 Euro, ein leichtes Plus von 0,69 Prozent. Der Titel zeigt sich damit deutlich stabiler als die chinesischen Wettbewerber – seit Jahresbeginn beträgt das Minus nur 1,55 Prozent, auf Zwölf-Monats-Sicht steht sogar ein Plus von 7,24 Prozent zu Buche.
Die operative Realität sieht allerdings deutlich schwächer aus. Mit rund 122.000 ausgelieferten Einheiten verzeichnete die Marke im ersten Halbjahr das schwächste Ergebnis seit sechs Jahren. Verantwortlich dafür sind die Einstellung der Verbrenner-718-Modelle, ein anhaltend schwaches China-Geschäft sowie das Auslaufen von US-Steueranreizen für Elektro- und Hybridfahrzeuge. China brach dabei um 32 Prozent ein, Nordamerika – Porsches größter Markt – gab um 13 Prozent nach. Ein Lichtblick bleibt der 911: Hier legten die Auslieferungen um 19 Prozent zu, konnte die Schwäche bei Macan, Taycan und Panamera aber nicht ausgleichen.
Der Kursrückgang nach dem Auslieferungsbericht fiel zudem in eine Phase allgemeiner Schwäche am deutschen Aktienmarkt, als geopolitische Spannungen die Risikobereitschaft der Anleger dämpften. Die vollständigen Halbjahreszahlen werden am 29. Juli veröffentlicht.
Sektordynamik im Vergleich
Die fünf Unternehmen zeigen drei unterschiedliche Entwicklungspfade im aktuellen Marktumfeld:
- BYD und CATL nutzen Chinas Batterie- und Exportdominanz, um die heimische Margenkompression auszugleichen – BYD über Rekord-Exportvolumina, CATL über Natrium-Ionen-Technologiedeals in Europa.
- XPeng verkörpert die disruptive Herausforderer-Riege und nutzt aggressive europäische Preisgestaltung, um Tesla direkt im Kompakt-SUV-Segment Marktanteile abzujagen.
- Stellantis und Porsche AG managen unter Druck stehende Anpassungen ihrer Altmarken – Stellantis über die Leapmotor-Partnerschaft und Kostensenkungen bei Opel, Porsche über die Bewältigung der kombinierten Belastung aus China-Schwäche und auslaufenden Verbrennermodellen.
Bemerkenswert ist, dass selbst inmitten europäischer Absatzschwäche für Tesla insgesamt chinesische Marken Marktanteile gewinnen. Ende Mai lag Teslas BEV-Marktanteil in Europa bei nur 6,3 Prozent – deutlich hinter dem VW-Konzern mit 24,8 Prozent, aber auch knapp hinter BYD mit bereits 7,9 Prozent.
Ausblick: Diese Termine und Trends zählen
Die kommenden Wochen bringen mehrere Katalysatoren für den Sektor. Stellantis veröffentlicht am 30. Juli seine vollständigen Q2-Ergebnisse, Porsches Halbjahreszahlen folgen einen Tag zuvor – beide Termine dürften zeigen, ob sich die jüngsten Auslieferungstrends stabilisieren oder weiter verschlechtern.
Für BYD und XPeng entscheidet sich die zweite Jahreshälfte vor allem in Europa: Skaliert die Exportdynamik schnell genug, um die anhaltende Schwäche im chinesischen Preiskrieg zu überkompensieren? CATLs Natrium-Ionen-Vorstoß wiederum positioniert den Batteriehersteller für eine Diversifizierung jenseits der Lithium-Abhängigkeit – die Einsätze mit Alfen ab 2027 dürften genau beobachtet werden, um erste Anzeichen einer breiteren Adoption auf dem Kontinent zu erkennen.
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