Eckert & Ziegler Aktie: Rivale drängt in Nische
Ernsthafte Konkurrenz für Eckert & Ziegler im Ga-68-Markt. Curium startet Produkt, doch Marktwachstum könnte Verluste ausgleichen.

- Curium erhält EU-Zulassung für Konkurrenzprodukt
- Marktanteilsverluste durch Wachstum kompensierbar
- Lu-177-Geschäft als weiterer Wachstumstreiber
- Analysten senken Kursziel leicht
Eckert & Ziegler hat sich über Jahre ein Quasi-Monopol im Markt für Ga-68-Generatoren aufgebaut. Jetzt bekommt der Berliner Radiopharma-Spezialist erstmals ernsthafte Konkurrenz — und das ausgerechnet in seinem profitabelsten Segment.
Ga-68-Geschäft bekommt Gesellschaft
Mit GalliaPharm deckt Eckert & Ziegler nach Schätzungen zwischen 60 und 80 Prozent des weltweiten Marktes für Ga-68-Generatoren ab. Das Produkt macht rund 20 Prozent des Konzernumsatzes aus und profitiert vom Boom der Prostatakrebs-Diagnostik: Novartis meldete für sein Präparat Pluvicto im zweiten Quartal ein Umsatzplus von rund 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr — und mehr Therapie bedeutet mehr Bedarf an Ga-68-PSMA-PET-Diagnostik.
Der Radiopharma-Konzern Curium hat sich Anfang 2026 eine EU-weite Zulassung für sein Konkurrenzprodukt GalenVita gesichert. Zugang zur Produktion verschaffte sich Curium über die 2025 übernommene Fabrik des türkischen Herstellers Monrol in Istanbul. Der kommerzielle Marktstart wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet.
Der bisherige Duopol-Markt dürfte sich damit verschieben. Analysten von NuWays rechnen mittelfristig mit einem Marktanteil von etwa 30 Prozent für Curium, während Eckert & Ziegler als etablierter Anbieter mit bestehenden Lieferverträgen und nachgewiesener Zuverlässigkeit seine Position verteidigen dürfte. Da der Gesamtmarkt bis 2030 auf Basis der Schätzungen um jährlich rund 15 Prozent wachsen soll, könnte das Marktwachstum die Anteilsverluste mehr als ausgleichen — die Ga-68-Erlöse von Eckert & Ziegler sollen demnach von einer Basis von 60 bis 65 Millionen Euro im Jahr 2025 auf etwa 100 Millionen Euro bis 2030 steigen.
Lu-177 als zusätzlicher Hebel
Parallel zur Ga-68-Story rückt das Lu-177-Geschäft in den Fokus. Der Radioäquivalent-Wirkstoff PNT2003 von Lantheus könnte nach Ablauf einer regulatorischen Sperrfrist im Juni und einem Gerichtsurteil gegen Novartis‘ Lutathera-Patente näher an den Markteintritt rücken. Über einen Liefervertrag mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro mit POINT, inzwischen Teil von Eli Lilly, könnte ein Marktstart die Lu-177-Volumina von Eckert & Ziegler spürbar steigern — Unsicherheit bleibt allerdings durch mögliche Übernahmegespräche zwischen Curium und Lantheus.
Für das zweite Quartal rechnen die Analysten mit einem Umsatzrückgang von rund 4 Prozent auf 77 Millionen Euro, da die Vergleichsbasis durch Nachholeffekte nach den Cyberangriff-bedingten Störungen im ersten Quartal 2025 anspruchsvoll ausfällt. Das bereinigte EBIT soll leicht auf 17,9 Millionen Euro sinken, die Marge aber um 0,3 Prozentpunkte auf 23,3 Prozent zulegen.
NuWays bestätigt die Kaufempfehlung, senkt das Kursziel jedoch von 23,00 auf 21,50 Euro — vor allem wegen vorsichtigerer Annahmen zum Ga-68-Wachstum. Die aktuelle Bewertung von rund dem Achtfachen des erwarteten EBITDA für 2026 liegt deutlich unter dem Dreijahresdurchschnitt von etwa 12,5. Die Wachstumsstory bei Lu-177, Ac-225 und Pb-212 bleibt damit intakt, auch wenn die Aktie kurzfristig unter der Konkurrenzsorge und der schwächeren Quartalsdynamik leiden dürfte.
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