Eli Lilly Aktie: VERVE-102 senkt LDL um 62 Prozent
Eli Lillys Gentherapie VERVE-102 senkt LDL-Cholesterin dauerhaft. Analysten heben Kursziele an, die Aktie legt im Mai deutlich zu.

- Gentherapie senkt Cholesterin bis zu 18 Monate
- Phase-1b-Studie mit vielversprechenden Ergebnissen
- Analysten erhöhen Kursziele für Eli Lilly
- Aktie verzeichnet stärksten Monat des Jahres
Eine einzige Infusion, die LDL-Cholesterin dauerhaft senkt — und das bis zu 18 Monate lang. Mit dieser Botschaft hat Eli Lilly diese Woche die Aufmerksamkeit der Kardiologie-Welt auf sich gezogen und gleichzeitig die Analysten-Community in Bewegung versetzt.
Einmal behandeln, dauerhaft profitieren
Im Mittelpunkt steht VERVE-102, eine experimentelle Gentherapie, die das PCSK9-Gen in Leberzellen dauerhaft abschaltet. PCSK9 ist ein Protein, das verhindert, dass die Leber LDL-Cholesterin effizient aus dem Blut filtert. Wer es ausschaltet, senkt den LDL-Spiegel — im besten Fall ein für alle Mal.
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Die Phase-1b-Studie Heart-2 mit 35 Teilnehmern lieferte bemerkenswerte Ergebnisse: Je nach Dosierung sanken die PCSK9-Proteinspiegel um 51 bis 88 Prozent, die LDL-Werte um bis zu 62 Prozent. Schwerwiegende therapiebezogene Nebenwirkungen traten nicht auf. Die Daten wurden beim Kongress der European Atherosclerosis Society präsentiert und zeitgleich im New England Journal of Medicine veröffentlicht.
Zielgruppe sind Patienten mit heterozygoter familiärer Hypercholesterinämie — einer erblichen Fettstoffwechselstörung, die etwa jeden 200. bis 250. Menschen betrifft und ohne Behandlung zu frühzeitiger Herzerkrankung führt. Lilly hatte die Technologie durch die 1,3-Milliarden-Dollar-Übernahme von Verve Therapeutics erworben. Phase-2-Studien sollen noch in diesem Jahr starten.
Analysten erhöhen die Messlatte
Die klinischen Daten haben prompt Reaktionen ausgelöst. BofA Securities hob das Kursziel auf 1.251 Dollar an — von zuvor 1.133 Dollar — und bekräftigte die Kaufempfehlung. Als Treiber sieht die Bank vor allem den GLP-1-Markt in den USA, dessen Umsatz sich bis 2033 verdoppeln soll. Leerink blieb bei „Outperform“ mit einem Kursziel von 1.119 Dollar.
Unter den 31 Analysten, die die Aktie abdecken, lautet der Konsens „Strong Buy“, mit einem durchschnittlichen Kursziel von rund 1.211 Dollar — was vom aktuellen Niveau aus etwa 13 Prozent Aufwärtspotenzial impliziert.
Bester Monat des Jahres, aber Bewertung bleibt hoch
Die Aktie hat im Mai rund 14 Prozent zugelegt — der stärkste Monat des laufenden Jahres. Auf Jahressicht liegt das Papier mit gut 0,5 Prozent im Minus, nachdem KI-Themen den Großteil der Anlegeraufmerksamkeit absorbiert haben. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von über 43 Prozent zu Buche; der gestrige Schlusskurs lag bei 917,10 Euro.
Goldman Sachs zählt Lilly zu seinen Top-Picks — explizit wegen der geringen Abhängigkeit von KI-Handelsrotationen und US-Konjunkturrisiken. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen liegt bei 28x, deutlich über dem S&P-500-Schnitt von 21x und weit über dem des dänischen Rivalen Novo Nordisk mit 14x.
Pipeline läuft auf Hochtouren
VERVE-102 ist nicht der einzige Katalysator dieser Woche. Beim Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology präsentiert Lilly Daten aus der LIBRETTO-432-Studie zu Retevmo bei Lungenkrebs. Das Diabetes- und Abnehmmedikament Mounjaro hat im vergangenen Quartal Mercks Krebsblockbuster Keytruda überholt und ist damit zum meistverkauften Medikament der Welt aufgestiegen. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Lilly einen Umsatz zwischen 80 und 83 Milliarden Dollar — ein Rahmen, der die Kardiologie-Pipeline noch kaum einpreist.
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