Enovix Aktie: Loop Capital senkt Kursziel um 85 Prozent
Enovix erhält TAA-Konformität für Verteidigungsbatterien, meldet 183 Millionen US-Dollar Pipeline und senkt trotz Ausbau den Ausblick.

- TAA-Konformität für US-Verteidigungsaufträge
- Südkoreanische Drohnenkapazität soll sich verdoppeln
- Projektvolumen erreicht 183 Millionen US-Dollar
- BofA senkt Kursziel auf fünf US-Dollar
Das US-Technologieunternehmen Enovix setzt verstärkt auf den Regierungs- und Verteidigungssektor, um die Marktposition seiner Batterietechnologie zu festigen. Wie das Unternehmen am vergangenen Dienstag mitteilte, ist das in Südkorea gefertigte Portfolio für Drohnen- und Verteidigungsanwendungen nun konform mit dem US-amerikanischen Trade Agreements Act (TAA).
Diese Zertifizierung gilt als entscheidende Voraussetzung, um Aufträge des US-Verteidigungsministeriums sowie von Behörden befreundeter Staaten bedienen zu können. Parallel dazu kündigte das Management an, die Produktionskapazitäten für Drohnenbatterien am Standort Südkorea bis Mitte 2027 verdoppeln zu wollen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.
Fokus auf militärische Anwendungen und Drohnenmarkt
Die strategische Ausrichtung auf den Drohnen- und Verteidigungssektor spiegelt sich bereits in den Auftragsbüchern wider. Medienberichten zufolge wuchs die Projekt-Pipeline in Südkorea bis zum Ende des zweiten Quartals 2026 auf rund 183 Millionen US-Dollar an. Dies entspricht einer Steigerung von circa 41 Prozent gegenüber dem ersten Quartal, als das Volumen noch bei 130 Millionen US-Dollar gelegen hatte.
Neben der Expansion im Drohnensegment meldete Enovix zudem Fortschritte im Consumer-Bereich: Batterien für Smartphones haben Tests mit mehr als 1.000 Ladezyklen erfolgreich bestanden, während die Produktion für Komponenten im Bereich Smart Eyewear angelaufen ist.
Finanziell blieb das zweite Quartal von hohen Investitionen geprägt. Bei einem Umsatz von 9,02 Millionen US-Dollar, was einer Steigerung von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht, wies das Unternehmen einen Nettoverlust von 43,1 Millionen US-Dollar aus. Für das laufende dritte Quartal stellt Enovix einen Umsatz zwischen 9,0 Millionen und 10,0 Millionen US-Dollar in Aussicht.
Analysten reagieren auf Managementwechsel
Die operative Expansion findet vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden personellen Umbaus statt. Vor knapp drei Wochen trat der bisherige CEO Raj Talluri von seinem Posten zurück. Seither führt Finanzvorstand Ryan Benton das Unternehmen interimsweise, während T.J. Rodgers die Rolle des Executive Chairman übernahm.
Rodgers unterstrich sein Vertrauen in die technologische Basis des Unternehmens bereits Mitte August durch die Ausübung von Optionen zum Erwerb von 220.000 Aktien für insgesamt rund 1,9 Millionen US-Dollar.
An der Wall Street löste der Führungswechsel jedoch zunächst Skepsis aus. Die Analysten von BofA Securities senkten am 18. August ihr Kursziel von 8,00 auf 5,00 US-Dollar und verwiesen dabei auf die Unsicherheiten durch die personelle Neuausrichtung.
Das Haus stuft die Aktie weiterhin mit „Neutral“ ein. Bereits einen Tag zuvor hatte William Blair das Papier auf „Market Perform“ herabgestuft und vor einem möglichen Vertrauensverlust bei Investoren gewarnt.
Deutlich drastischer fiel die Anpassung bei Loop Capital aus, wo das Kursziel am 17. August von zuvor 100 US-Dollar auf nun 15 US-Dollar reduziert wurde. Craig-Hallum und B. Riley passten ihre Erwartungen ebenfalls nach unten an und riefen Ziele von 7,00 beziehungsweise 9,00 US-Dollar aus.
Kursentwicklung und Marktlage
An der Börse geriet der Wert im Zuge der Unsicherheiten massiv unter Druck. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei 2,89 € und verzeichnet damit seit Jahresbeginn ein Minus von 55 Prozent. Der Titel notiert aktuell rund 76 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, das im Oktober des vergangenen Jahres bei 12,15 € markiert worden war.
Trotz der operativen Fortschritte in Südkorea und der Erschließung neuer Marktsegmente bleibt die kurzfristige Stimmung gedämpft. Die Anleger blicken nun auf die Umsetzung der Kapazitätserweiterung und die Suche nach einer permanenten Besetzung für den Chefposten. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob die Diversifizierung in den Verteidigungsmarkt die hohen Verluste der Entwicklungsphase kompensieren kann.
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