Equinor Aktie: 420 Millionen für Troll-West-Ausbau

Equinor fährt Erneuerbare-Ziele zurück und setzt auf fossile Nordsee-Großprojekte. Zwei Milliarden-Investments sollen Produktion und Rendite sichern.

Die Kernpunkte:
  • Grünes Licht für Troll-Ausbau TWIN
  • Ringvei Vest mit 240 Millionen Barrel
  • Streichung der Windkraft-Ausbauziele
  • Aktienrückkaufprogramm auf drei Milliarden Dollar verdoppelt

Der norwegische Energiekonzern schlägt einen klaren Kurs ein. Statt auf erneuerbare Energien setzt Equinor wieder voll auf Öl und Gas aus der Nordsee. Gleich zwei Großprojekte wurden diese Woche bestätigt – begleitet von einem radikalen Strategiewechsel.

420 Millionen Dollar für das Troll-Feld

Am Freitag gaben Equinor und seine Partner grünes Licht für das Projekt Troll West – genauer: die dritte Ausbaustufe namens TWIN. Insgesamt fließen umgerechnet rund 420 Millionen Dollar in die neue Unterwasserinfrastruktur. Beteiligt sind neben Equinor auch Petoro, Shell, TotalEnergies und ConocoPhillips.

Das Ziel: rund elf Milliarden Kubikmeter zusätzliches Gas für den europäischen Markt. Geplant sind zwei Förderbrunnen, die an bestehende Anlagen angebunden werden. Die komplette Anlage wird mit Strom vom Festland betrieben – für die Branche ein ungewöhnlich niedriger CO₂-Fußabdruck.

Parallel dazu steht seit Donnerstag das Konzept für ein weiteres Projekt. Ringvei Vest umfasst sieben Entdeckungen und eine prospektive Struktur in acht verschiedenen Lizenzen. Geschätzte 240 Millionen Barrel Öläquivalent sollen dort gefördert werden. Dafür sind 13 Bohrungen über sechs Template-Standorte nötig.

Das alte Ziel ist Geschichte

Beide Projekte sind Teil einer grundlegenden Neuausrichtung. Auf dem Kapitalmarkttag hatte das Management bereits klargestellt: Die alten Ambitionen im Bereich erneuerbarer Energien werden zurückgefahren. Das Ziel von zehn bis zwölf Gigawatt installierter Wind- und Solar-Kapazität bis 2030 wurde gestrichen.

Stattdessen konzentriert sich Equinor auf margenstarke Öl- und Gasprojekte. Energieversorgungssicherheit und Cashflow stehen im Vordergrund. Um die Aktionäre bei Laune zu halten, kündigte der Konzern ein verdoppeltes Aktienrückkaufprogramm von drei Milliarden Dollar an. Zudem soll die Dividende jährlich um mehr als fünf Prozent steigen. Das strategische Ziel: eine Eigenförderung von 1,3 Millionen Barrel pro Tag bis 2035.

Aktie unter Druck, Fundament intakt

Der Markt reagierte verhalten. Die Equinor-Aktie notiert bei 28,51 Euro, ein leichtes Plus von 0,96 Prozent am Freitag. Der positive Tageseffekt kann aber nicht über die jüngsten Verluste hinwegtäuschen. Auf Wochensicht verlor der Titel fast neun Prozent, im Monatsvergleich sogar knapp 15 Prozent.

Mit 24,5 Prozent Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 37,74 Euro ist die Aktie deutlich gefallen. Der RSI von 35,0 signalisiert inzwischen überverkaufte Niveaus – technisch orientierte Anleger werten das oft als Einstiegssignal.

Ob die Neuausrichtung auf fossile Kernprojekte langfristig trägt, wird sich an den nächsten Quartalszahlen zeigen. Zumindest den Gegenwind der vergangenen Wochen scheint Equinor mit den Milliarden-Investments erst einmal gestoppt zu haben.

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