Equinor Aktie: 4,84 Milliarden Dollar Gewinn

Equinor verzeichnet dank starkem Quartal und angespanntem Gasmarkt einen Kursanstieg von 77 Prozent seit Jahresbeginn.

Die Kernpunkte:
  • Nettogewinn von 4,84 Milliarden Dollar
  • Gewinnwachstum von 93 Prozent zum Vorjahr
  • Aktienrückkaufprogramm von drei Milliarden Dollar
  • Technische Überhitzung signalisiert mögliche Konsolidierung

Equinor hat einen Lauf, der selbst erfahrene Öl- und Gas-Investoren aufhorchen lässt. Die Aktie des norwegischen Energiekonzerns steht nach einer außergewöhnlichen Rally tief im überkauften Bereich. Der Auslöser: Quartalszahlen, die die Erwartungen weit übertroffen haben, und ein europäischer Gasmarkt, der so angespannt ist wie lange nicht.

Am Freitag schloss die Aktie bei 35,33 Euro, ein Minus von 1,59 Prozent auf Tagessicht. Der kurze Rücksetzer ändert wenig am großen Bild. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 76,87 Prozent zu Buche.

Explodierender Gewinn im zweiten Quartal

Der Kurssprung hat einen klaren Ursprung: die Ende Juli veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal. Equinor meldete einen Nettogewinn von 4,84 Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis von 3,23 Milliarden Dollar lag um 93 Prozent über dem Vorjahreswert.

Der bereinigte Umsatz kletterte um 35 Prozent auf 34,02 Milliarden Dollar. CEO Anders Opedal führte den Erfolg auf eine starke Produktion zurück, die es dem Konzern ermöglichte, von höheren Preisen zu profitieren. Die Öl- und Gasförderung stieg um drei Prozent auf 2,17 Millionen Barreläquivalente pro Tag.

Parallel zu den Zahlen bestätigte der Vorstand sein Aktienrückkaufprogramm. Equinor genehmigte eine dritte Tranche von bis zu 1,125 Milliarden Dollar aus dem auf drei Milliarden Dollar angelegten Jahresplan 2026. Die Rückkäufe laufen bereits an der Osloer Börse und potenziell weiteren europäischen Handelsplätzen – geplant bis spätestens Ende Oktober.

Europas Gasmarkt als zweiter Treiber

Neben den Konzernzahlen treibt ein zweiter Faktor die Equinor-Aktie: die Sorge um Europas Gasversorgung im kommenden Winter. Opedal warnte, Europa werde seine Gasspeicher diesen Herbst wohl nicht über 80 Prozent füllen können. Aktuell liegen die Speicherstände bei rund 54 Prozent.

Die Gründe dafür liegen in geopolitischen Spannungen. Der Krieg zwischen den USA und Iran hat die Schifffahrt durch die Straße von Hormus praktisch zum Erliegen gebracht – betroffen ist etwa ein Fünftel der weltweiten Flüssiggaslieferungen nach Asien. Gleichzeitig fällt russisches Pipelinegas als Option für Europa weiter aus, eine Folge des Kriegs in der Ukraine.

Equinor ist Europas größter externer Gaslieferant und profitiert damit direkt von der Preisknappheit. Der Konzern selbst dämpft allerdings zu hohe Erwartungen: Die Produktion lasse sich nicht beliebig hochfahren, um Ausfälle andernorts auszugleichen.

Technisches Bild spricht für Konsolidierung

Die Rally hat Spuren in den technischen Indikatoren hinterlassen. Der 14-Tage-RSI steht bei 72,4 Punkten – komfortabel im überkauften Bereich. Das signalisiert Händlern, dass eine Verschnaufpause wahrscheinlicher wird als ein sofortiger Weiterlauf.

Ohne neue unternehmensspezifische Impulse dürfte der Blick der Anleger vorerst auf dem europäischen Energiemarkt bleiben. Ein erneuter Vorstoß Richtung Jahreshoch würde frische Kurstreiber verlangen – etwa weiter steigende Gaspreise in Europa oder zusätzliche Nachfrage durch das laufende Rückkaufprogramm. Bis dahin dürfte die Aktie zwischen starker operativer Basis und technischer Überhitzung schwanken.

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