Equinor Aktie: Gaspreise-Hoffnung?

Die Bank of America setzt auf höhere Gaspreise, während andere Häuser Equinor zurückhaltender bewerten.

Die Kernpunkte:
  • RBC Capital bestätigt die Halteempfehlung
  • Bank of America erhöht Ziel auf 465 NOK
  • Zwei Häuser stufen Equinor herab
  • Aktie liegt 6,5 Prozent unter Jahreshoch

Die Einschätzungen zu Equinor driften an den Finanzmärkten auseinander. Während die Rally seit Jahresbeginn bei einigen Beobachtern zu wachsender Skepsis führt, setzen optimistischere Stimmen auf Rückenwind von den Rohstoffmärkten.

Zuletzt bestätigte RBC Capital am Donnerstag die Einstufung „Hold“ für die Aktie von Equinor ASA. Die Zurückhaltung des Hauses fügt sich in eine Serie jüngster Voten ein, die den weiteren Spielraum der Papiere nach den deutlichen Zugewinnen unterschiedlich bewerten.

Zuversicht durch europäische Gaspreise

Die positivste Stimme unter den aktuellen Analystenurteilen kommt von der Bank of America. Das Institut stufte Equinor am 18. September von „Neutral“ auf „Buy“ hoch und hob das Kursziel von 400 auf 465 NOK an. Als wesentlichen Grund nannten die Experten verbesserte Aussichten für die europäischen Gaspreise, von denen sie sich neuen Schub für die Ertragskraft versprechen.

Die Zuversicht stützt sich vor allem auf die Annahme, dass die Entwicklungen am Gasmarkt dem Konzern wieder größere Spielräume eröffnen. Damit setzt sich das US-Institut deutlich von jenen Marktbeobachtern ab, die das Potenzial nach dem vorangegangenen Anstieg skeptischer sehen und vor überzogenen Erwartungen an das Marktumfeld warnen.

Skepsis und Herabstufungen

Am 22. September folgten entsprechende Dämpfer aus zwei anderen Häusern. Ein Analysehaus senkte seine Einstufung auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 425 NOK. Ein weiteres Institut stufte die Aktie sogar auf „Sell“ ab und sah den fairen Wert bei 360 NOK. Die beiden Häuser mahnen damit zur Vorsicht und signalisieren, dass der Bewertungsrahmen vorerst ausgereizt sein könnte.

Zwischen den Erwartungen anziehender Gaspreise und den Verkaufsempfehlungen zeigt sich eine spürbare Kluft. Für Marktteilnehmer verdeutlicht diese Spanne, wie uneins die Experten über die Tragfähigkeit des bisherigen Aufwärtstrends urteilen.

Hohe Kursgewinne prägen das Bild

An der Börse notiert das Papier nach wie vor auf hohem Niveau. Gestern beendete die Aktie den Handel bei 37,08 Euro, womit sich der Wertzuwachs seit Jahresanfang auf 86 Prozent beläuft. Der Kurs notiert damit lediglich 6,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, das am 15. September erreicht wurde.

Der starke Kursverlauf der vergangenen Monate erklärt die zunehmende Zurückhaltung einiger Analysten. Nach der kräftigen Aufwärtsbewegung wächst im Markt das Bedürfnis nach neuen fundamentalen Impulsen, um die erreichte Bewertung weiter zu untermauern.

Rückenwind lieferte in der Vergangenheit vor allem operative Planungssicherheit: Ein vor über einem Monat geschlossener langfristiger LNG-Liefervertrag stützte die Rally, seither legte die Notierung um 78,6 Prozent zu. Ob dieser Schwung anhält, hängt maßgeblich davon ab, ob sich die von der Bank of America prognostizierte Stärke der europäischen Gaspreise im Markt tatsächlich durchsetzt.

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