Erste Bank Aktie: Rekord mit Beigeschmack
Die Erste Group notiert auf Rekordniveau, doch Analysten sehen Korrekturpotenzial. Der milliardenschwere Polen-Deal wird mit einer stark reduzierten Dividende finanziert.

- Aktie nach 77 Prozent Rally deutlich über Analystenzielen
- Milliardenkauf in Polen als zentraler Wachstumstreiber
- Dividendenquote wird drastisch auf 10 Prozent gesenkt
- Hohe Bewertung erhöht Anfälligkeit für Gewinnmitnahmen
Die Erste Group startet mit einem historischen Kurserfolg ins Jahr 2026. Nach einer Rally von rund 77 Prozent auf Jahressicht notiert die Aktie deutlich über früheren Niveaus und hat zuletzt ein neues Hoch markiert. Gleichzeitig wächst die Spannung: Die Bewertung entfernt sich von den Analystenzielen, während die Bank mit einem Milliardenkauf in Polen und einer deutlichen Dividendenkürzung den Kurs der Expansion einschlägt.
Die Fakten im Überblick
- Schlusskurs gestern: 102,80 €
- Veränderung 12 Monate: +77,0 %
- Analystenkonsens-Kursziel: ca. 95,00 € (impliziertes Rückschlagpotenzial von rund 8 %)
- 52‑Wochen‑Hoch: 118,83 € (24.12.2025), aktueller Abstand: -13,49 %
- 52‑Wochen‑Tief: 55,00 € (07.04.2025), Abstand: +86,91 %
- 50‑Tage‑Durchschnitt: 95,50 € (Kurs rund 7,65 % darüber)
- 200‑Tage‑Durchschnitt: 80,76 € (Kurs rund 27,29 % darüber)
Die Aktie liegt damit klar über ihren mittelfristigen Durchschnittswerten, was den starken Aufwärtstrend der vergangenen Monate unterstreicht – und zugleich die Anfälligkeit für Gewinnmitnahmen erhöht.
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Bewertung läuft Analystenzielen davon
Der deutliche Kursanstieg spiegelt vor allem hohe Erwartungen an die künftige Ertragskraft wider. Aus Analystensicht ist die Aktie dem fundamentalen Bild jedoch vorausgeeilt. Der aktuelle Marktpreis liegt spürbar über dem durchschnittlichen Kursziel von etwa 95 Euro, was rechnerisch ein Korrekturpotenzial im hohen einstelligen Prozentbereich signalisiert.
Viele Häuser bleiben zwar grundsätzlich positiv gestimmt und sehen den Titel strategisch attraktiv, kurzfristig wirkt das unmittelbare Aufwärtspotenzial aber begrenzt. Ein Teil der jüngsten Fantasie scheint bereits eingepreist. In Kombination mit dem Niveau über den gleitenden Durchschnitten und einem RSI von 65,7 deutet einiges darauf hin, dass der Titel zumindest anfällig für eine Verschnaufpause ist.
Polen-Deal als Wachstumshebel
Wesentlicher Treiber der jüngsten Kursdynamik ist der Einstieg in den polnischen Markt. Kurz vor Weihnachten 2025 erhielt die Erste Group grünes Licht der Aufseher für den Erwerb von 49 Prozent an der Santander Bank Polska. Das Transaktionsvolumen liegt bei rund 7 Milliarden Euro und wird vollständig aus Eigenmitteln gestemmt. Der formale Abschluss wird für Mitte Januar 2026 erwartet.
Mit diesem Schritt rückt die Bank schlagartig in die Gruppe der bedeutenden Player in Polen auf. Der Markt gilt als einer der wachstumsstärksten Bankensektoren in Osteuropa. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an zusätzliche Erträge und Skaleneffekte. Gleichzeitig steht fest: Die Integration der neuen Beteiligung wird das operative Bild im Jahr 2026 maßgeblich bestimmen – sowohl in Bezug auf Kosten als auch auf Synergien.
Dividende schrumpft zugunsten der Expansion
Die Kehrseite des aggressiven Wachstumskurses ist eine deutlich schlankere Ausschüttung. Um den milliardenschweren Zukauf aus eigener Kraft zu finanzieren, senkt das Management die Payout Ratio für das Geschäftsjahr 2025 auf nur noch 10 Prozent des Nettogewinns. Historisch lagen die Ausschüttungsquoten bei etwa 50 bis 55 Prozent.
Damit verschiebt sich der Charakter der Aktie vorerst klar von einem dividendenstarken Wert hin zu einem wachstumsorientierten Titel. Für einkommensorientierte Anleger ist das ein spürbarer Einschnitt und könnte auf dem aktuellen Kursniveau zu Umschichtungen führen. Wachstumsorientierte Investoren wiederum honorieren offenbar, dass die Bank ihre Bilanz ohne externe Kapitalmaßnahmen belastet und organisch expandiert.
Fazit: Starkes Wachstum, spürbares Bewertungsrisiko
Operativ stellt die Polen-Expansion den größten strategischen Schritt der Bank seit Jahren dar und eröffnet Zugang zu einem dynamischen Markt. Gleichzeitig signalisiert der Abstand zum Konsenskursziel von rund 95 Euro ein realistisches Rückschlagpotenzial, sollten sich die hohen Erwartungen nicht zügig im Zahlenwerk widerspiegeln. Entscheidend für das erste Quartal 2026 wird sein, ob der Abschluss und die ersten Integrationsschritte der Santander-Beteiligung reibungslos verlaufen und der Markt die deutlich reduzierte Dividende im Gegenzug für das zusätzliche Wachstum akzeptiert.
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