EssilorLuxottica Aktie: Kaufthese steht auf mehreren Beinen

Investir empfiehlt den Kauf und verweist auf Zuwächse bei klassischen Produkten, KI-Brillen und Myopiegläsern.

Die Kernpunkte:
  • Investir nennt 215 Euro Kursziel
  • Organischer Umsatz stieg im dritten Quartal
  • Klassische Produkte und KI-Brillen legten zu
  • Delfin-Einigung bleibt bislang offen

Investir hat gestern zum Kauf von EssilorLuxottica geraten und ein Kursziel von 215 Euro genannt. Die Empfehlung setzt auf das Wachstum des traditionellen Geschäfts sowie vernetzter Brillen und Myopiegläser. Damit liefert das operative Geschäft einen Bewertungsansatz jenseits der anhaltenden Auseinandersetzungen um die Familienholding Delfin.

Für Anleger sind diese Ebenen zu trennen: Veränderungen beim Großaktionär betreffen die Eigentümerstruktur. Ob EssilorLuxottica seine Wachstumsziele erreicht, entscheidet sich dagegen im Geschäft mit Kunden und Produkten.

Wachstum auf mehreren Feldern

Die vor rund zwei Wochen veröffentlichten Quartalsumsätze bilden einen wesentlichen Hintergrund der Kaufempfehlung. Investir verweist für das dritte Quartal 2026 auf ein organisches Umsatzwachstum von 7,2 Prozent. Das lag über den Erwartungen.

Dabei beschränkt sich die Expansion nicht auf KI-Brillen. Gerade das Zusammenspiel etablierter Produkte und neuer Angebote ist für die Einordnung wichtig: Die Investmentthese hängt damit nicht ausschließlich vom Erfolg einer einzelnen Produktkategorie ab.

Das traditionelle Geschäft wuchs laut Investir im Berichtsquartal um 6,5 Prozent. Bei KI-Brillen betrug das Plus 20 Prozent. Für Stellest-Myopiegläser nennt der Bericht über neun Monate ein Wachstum von 24 Prozent.

Zusätzlich greifen die Produktbereiche ineinander. Käufer vernetzter Brillen können diese mit unterschiedlichen Gläsern kombinieren. Die Nachfrage nach den Geräten eröffnet EssilorLuxottica damit zugleich Absatzmöglichkeiten für seine Glasprodukte.

Investir nennt bei Käufen vernetzter Brillen einen Transitions-Anteil von 60 Prozent. Korrekturgläser erreichen eine Durchdringung von 40 Prozent. Diese Werte ergänzen die reine Betrachtung der verkauften Brillen um die Ausstattung der Produkte.

Ziele verlangen anhaltende Dynamik

EssilorLuxottica strebt 2026 und bis 2030 ein jährliches organisches Umsatzwachstum von rund 6 Prozent oder mehr an. Das operative Ergebnis soll ähnlich stark wachsen.

Der Anspruch geht damit über zusätzliche Verkäufe hinaus. Auch die Ergebnisentwicklung muss mit der Expansion Schritt halten. Die Kaufempfehlung ist deshalb nicht nur eine Wette auf neue Geräte, sondern ebenso auf die wirtschaftliche Umsetzung des Wachstums.

Zum angekündigten Produktprogramm zählen Meta-Ray-Ban-Display, eine Ray-Ban-Meta-Audiobrille ohne Kamera und günstigere Meta Glasses. Neue Nuance-Audio-Angebote ergänzen die Pläne. Ankündigungen sind allerdings noch kein Beleg für künftige Verkaufserfolge.

Delfin bleibt ein eigener Unsicherheitsfaktor

Parallel berichtet Les Echos heute über weitere Entwicklungen bei Delfin. Die Familienholding hält 32,4 Prozent an EssilorLuxottica. Michal Strnad soll für die Holding rund 30 Milliarden Euro geboten haben.

Nach Angaben des Corriere della Sera halten die Erben das Angebot für nicht akzeptabel. Eine Einigung ist damit nicht belegt.

Für die Aktie bleibt die Unterscheidung entscheidend: Die Delfin-Debatte kann die Erwartungen an die Eigentümerstruktur verändern. Die von Investir formulierte Kaufthese beruht hingegen auf operativem Wachstum. Dessen Breite ist ihre Stärke; die Umsetzung der längerfristigen Ergebnisziele bleibt ihr Prüfstein.

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