Ethereum: Angriff über EIP-7702

Binance deckt Verluste von 6,34 Milliarden Dollar; Ermittler prüfen den Angriff, während die Ethereum-Blockchain intakt blieb.

Die Kernpunkte:
  • EIP-7702 ermöglichte Wallet-Umwandlung
  • Binance stellt 6,34 Milliarden Dollar bereit
  • Rund drei Milliarden Dollar eingefroren
  • CFTC wirbt für Börsenregistrierung

Der größte Krypto-Hack der Geschichte trifft Binance, doch die Blockchain selbst blieb intakt. Ethereum spielte im Ablauf trotzdem eine Rolle: Der Angreifer nutzte eine Protokollfunktion, um eine Hot Wallet der Börse leerzuräumen. Parallel dazu nutzt die US-Aufsicht den Fall für ihre Regulierungspläne.

Wie die Angreifer vorgingen

Nach Angaben von Binance begann der Einbruch bei einem kompromittierten Laptop eines DevOps-Ingenieurs. Das gab dem Angreifer Zugriff auf einen Service-Container, über den unautorisierte Abhebungen eingereicht wurden. Mittlerweile spricht Binance-Chef Richard Teng von „zusätzlichen Einbruchspunkten“ und einem komplexeren Angriffsprozess, der nicht allein auf den Rechten eines einzelnen Ingenieurs beruhte.

Auf der Blockchain nutzte der Täter EIP-7702. Die Ethereum-Funktion lässt gewöhnliche Wallets Smart-Contract-Code ausführen. Mit 50 vorab signierten Autorisierungen verwandelte der Angreifer eine Hot Wallet in einen sogenannten Sweeper und zog die Bestände ab.

Die Analysefirma TRM Labs sieht den Kern des Problems in der Signatur-Infrastruktur von Binance, nicht in einer Schwäche einer Blockchain. Abflüsse wurden außerdem auf Arbitrum und Avalanche registriert.

Binance deckt die Verluste

Der Schaden liegt bei rund 6,3 Milliarden Dollar. Binance stellt 6,34 Milliarden Dollar aus eigenen Mitteln und Reserven bereit. Etwa fünf Milliarden davon hält die Börse in den betroffenen digitalen Assets, der Rest von rund 1,3 Milliarden Dollar wird über Markt und OTC-Handel zugekauft. Wegen dünner Liquidität könnte das dauern.

Hinzu kommen eingefrorene Gelder in Höhe von etwa drei Milliarden Dollar. Tether stoppte mehr als 1,57 Milliarden Dollar in USDT, Circle über 800 Millionen Dollar in USDC, Ripple rund 200 Millionen Dollar. Abhebungen bleiben vorerst ausgesetzt, Einzahlungen sind möglich.

Als Täter gilt laut TRM Labs und Chainalysis die nordkoreanische Gruppe TraderTraitor. Binance selbst legt sich nicht fest. Die US-Behörden Secret Service und FBI ermitteln.

Regulierer sehen sich bestätigt

CFTC-Chef Michael Selig sagte, der Fall „beweist genau unseren Punkt“. Er verweist auf unregulierte Offshore-Börsen ohne vergleichbare Sicherheitsstandards und wirbt für eine „Bundesoption“, bei der sich solche Plattformen bei der CFTC registrieren. Ethereum selbst nahm er aus der Kritik heraus: Weder die Blockchain noch ihre Smart Contracts seien gebrochen worden.

Die Transparenz der Chain sieht er als Vorteil. Transaktionen ließen sich nachverfolgen, selbst wenn Dienste wie Tornado Cash die Spur verwischen sollen. Die CFTC treibt ihre Regeln auch deshalb voran, weil der Clarity Act im Senat feststeckt. TD Cowen urteilt, der Vorfall offenbare Risiken bei Verwahrung und IT-Sicherheit von Börsen, stelle aber den Nutzen von Blockchain-Netzwerken nicht infrage.

Für Ethereum bleibt damit eine klare Trennlinie: Das Netzwerk hielt, die Schwachstelle lag bei der Börse. Wie Binance den Ablauf weiter aufarbeitet, dürfte sich mit den laufenden Ermittlungen zeigen.

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