Ethereum: Zehn Abgänge in sechs Monaten

Die Ethereum Foundation verzeichnet zahlreiche Führungswechsel, während der ETH-Kurs fällt. Neue Initiativen wie Ethlabs und ein Finanzierungsmodell sollen Vertrauen schaffen.

Die Kernpunkte:
  • Mehrere Führungskräfte verlassen die Foundation
  • Neues Rahmenwerk CROPS eingeführt
  • ETH-Kurs seit Jahresbeginn stark gefallen
  • Ethlabs als unabhängiges Forschungslabor gegründet

Zehn Abgänge in sechs Monaten. Die Ethereum Foundation erlebt gerade eine Führungskrise, die in der Geschichte des Projekts beispiellos ist. Am 22. Juni 2026 trat Co-Geschäftsführerin Hsiao-Wei Wang zurück — und der Kurs spiegelt die Unsicherheit wider.

Exodus an der Spitze

Wang folgt auf eine Reihe prominenter Abgänge. Tim Beiko, Alex Stokes und Trent Van Epps haben die Foundation bereits verlassen. Kritiker innerhalb der Community machen nicht strategische Fehler verantwortlich, sondern handfeste Managementprobleme. Als Reaktion führte die Foundation das neue Rahmenwerk „CROPS“ ein, das die Abläufe straffen soll.

Parallel dazu wächst der finanzielle Druck. Ethereum-Kernentwicklung kostet jährlich rund 30 Millionen Dollar mehr, als die Foundation einnimmt. Die Foundation hält zwar etwa 70.000 gestakte ETH — aktuell rund 143 Millionen Dollar wert. Deren jährliche Rendite beläuft sich aber nur auf vier bis fünf Millionen Dollar. Um laufende Kosten zu decken, entstakte die Foundation zwischen April und Mai 2026 mehr als 38.000 ETH. Darunter ein Direktverkauf von 15.000 ETH an Bitmine.

Ethlabs: Forschung außerhalb der Foundation

Fünf frühere Foundation-Forscher haben am selben Tag eine Antwort präsentiert. Ansgar Dietrichs, Barnabé Monnot, Caspar Schwarz-Schilling, Josh Rudolf und Julian Ma gründeten „Ethlabs“ — ein unabhängiges, gemeinnütziges Forschungslabor. Ziel ist es, Ethereums technische Weiterentwicklung zu dezentralisieren.

Hinter Ethlabs stehen Joe Lubin von Consensys, Anchorage Digital und Bitmine. Das Labor will Transaktionsabschlüsse beschleunigen, die Netzwerkkapazität ausbauen und Infrastruktur für tokenisierte Vermögenswerte schaffen. Ethereum dominiert diesen Markt bereits: 53 Prozent der globalen Stablecoin-Marktkapitalisierung von 300 Milliarden Dollar laufen über das Netzwerk.

Neue Finanzierungsidee und ein teurer Exploit

Der Entwickler Clément Lesaege schlägt ein „Validator Redirected Revenue“-Modell vor. Validatoren könnten dabei freiwillig bis zu zehn Prozent ihrer Staking-Erträge in einen Ökosystemfonds umleiten. Stimmen mehr als 51 Prozent zu, würde die Umleitung für alle Netzwerkteilnehmer verpflichtend. Das Modell könnte jährlich zwischen 50.000 und 76.000 ETH einbringen — umgerechnet 87 bis 131 Millionen Dollar. Kritiker warnen vor Kartellbildung und höheren Governance-Risiken.

Technische Schlagzeilen lieferte zudem ein spektakulärer Angriff. Zwischen dem 20. und 22. Juni verlor der bekannte MEV-Bot „JaredFromSubway.eth“ rund 7,5 Millionen Dollar. Ein Angreifer legte 66 gefälschte Token-Kontrakte und Liquiditätspools aus, um den Bot in eine Falle zu locken. Der Bot genehmigte unbemerkt Transaktionen, über die der Angreifer 1.474 WETH, 2,9 Millionen USDC und 2 Millionen USDT abzog.

ETH notiert aktuell bei rund 1.728 Dollar — seit Jahresbeginn ein Minus von mehr als 42 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von knapp 4.946 Dollar liegt damit in weiter Ferne. Ob die Gründung von Ethlabs und neue Finanzierungsmodelle das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen, hängt auch davon ab, wie schnell die Foundation ihre internen Probleme löst.

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