EU-Ausschuss stimmt für Aufweichung des Verbrenner-Aus

Der Umweltausschuss befürwortet niedrigere Flottenziele; Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW legten nach dem Votum zu.

Die Kernpunkte:
  • Ausschuss stimmt für niedrigere Emissionsziele
  • Grüner Stahl ermöglicht zusätzliche CO₂-Gutschriften
  • VW-Aktie zeitweise 3,61 Prozent höher
  • Parlamentsvotum zur Neuregelung voraussichtlich im Dezember

Das strikte EU-Verbot für neue Benzin- und Dieselfahrzeuge ab 2035 gerät ins Wanken. Der Umweltausschuss des Europaparlaments hat für eine spürbare Lockerung der Vorgaben votiert. Sollte die Neuregelung Gesetz werden, dürfen Hersteller auch nach dem Stichtag Neuwagen mit Verbrennungsmotor und Hybridantriebe verkaufen, ohne Strafzahlungen befürchten zu müssen.

Die Erleichterung an den Finanzmärkten folgte prompt. Besonders die Papiere der deutschen Autobauer legten nach der Entscheidung zu. Die Vorzugsaktien von Volkswagen gewannen via XETRA zeitweise 3,61 Prozent auf 71,14 Euro.

Die Titel von Mercedes-Benz verteuerten sich um 3,83 Prozent auf 42,03 Euro. BMW verzeichnete ein Kursplus von 3,74 Prozent. Investoren honorieren die Aussicht auf geringeren Margendruck bei Verbrennern.

Ausnahmen über grünen Stahl

Bislang galt das Ziel, dass Neuwagen ab 2035 im Fahrbetrieb kein Kohlendioxid mehr ausstoßen dürfen. Der Ausschuss will diese Vorgabe nun abmildern. Für das Zieljahr 2035 peilen die Abgeordneten eine Minderung der Flottenemissionen um 87,5 Prozent gegenüber dem Niveau von 2021 an.

Als Basiswert sollen die Emissionen regulär um 95 Prozent sinken. Setzen Autobauer bei der Produktion jedoch klimafreundlich gefertigten Stahl ein, erhalten sie einen Nachlass von 7,5 Prozentpunkten. Bei der Abstimmung votierten 48 Abgeordnete für den Kompromiss, 30 stimmten dagegen und zwei enthielten sich.

Kleine, in der Europäischen Union gefertigte Elektrofahrzeuge sollen künftig bei der Flottenberechnung zudem ein höheres Gewicht erhalten. Das verschafft den Herstellern zusätzlichen rechnerischen Spielraum bei ihren Verbrennermodellen.

Industrie drängt auf Klarheit bei Hybriden

Der Verband der Automobilindustrie fordert weitere Erleichterungen, insbesondere für Plug-in-Hybride. Im Raum steht die Befürchtung, dass eine Verschärfung des sogenannten Utility Factors in Deutschland rund 50.000 Arbeitsplätze gefährden könnte. Diese Kennziffer bemisst, wie stark Hybridmodelle bei den CO2-Flottenzielen angerechnet werden.

Die Ausschüsse für Verkehr, Umwelt und Industrie sprachen sich dafür aus, die Berechnungsmethode für in Europa gebaute Plug-in-Hybride bis Ende 2029 unverändert zu lassen. Das Plenum des Europaparlaments wird voraussichtlich im Dezember über die gesamte Neuregelung abstimmen. Anschließend müssen sich die Abgeordneten noch mit den 27 EU-Staaten auf eine gemeinsame Linie verständigen.

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