Europas Ende der Naivität – und wohin das Golf-Kapital wirklich fließt

Die Blockade der Straße von Hormus treibt die europäischen Gaspreise in die Höhe und belastet die Wirtschaft. Gleichzeitig fließt Kapital aus dem Golfraum in sichere Schweizer Anlagen.

Die Kernpunkte:
  • Gaspreise könnten auf bis zu 160 Euro steigen
  • Inflation in der Eurozone auf 2,7 Prozent revidiert
  • Kapital aus den Emiraten flieht in die Schweiz
  • DAX zeigt trotz Krise kurzfristige Erholung

32 Tage Krieg, und die Straße von Hormus bleibt dicht. Was als militärische Eskalation begann, hat sich längst in die Kapillaren der globalen Wirtschaft gefressen – in Gasspeicher, Inflationsdaten, Bündnisstrukturen. An diesem letzten Abend des ersten Quartals 2026 lohnt es, die Puzzleteile zusammenzulegen. Sie ergeben ein Bild, das unbequemer ist, als es die heutige grüne Farbe im DAX vermuten lässt.

Der 160-Euro-Albtraum

Beginnen wir dort, wo es wehtut. Die europäischen Gasspeicher sind zum Ende der Heizperiode auf kritische 28,4 Prozent gefallen. In Deutschland stehen nur noch 22,3 Prozent auf der Uhr. Am niederländischen TTF-Hub schossen die Preise im März um 70 Prozent auf 54 Euro pro Megawattstunde – und das könnte erst der Anfang sein.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Nvidia?

Goldman Sachs hat am Dienstag seine Szenarien aktualisiert. Sie lesen sich wie ein Stresstest, den niemand bestehen will: Bleibt die Meerenge für sechs Monate blockiert, rechnen die Analysten mit Gaspreisen von bis zu 160 Euro pro Megawattstunde. Kurzfristige Spitzen von 240 Euro schließen sie nicht aus. Die Folgen sind bereits in den Daten angekommen. Die Inflation in der Eurozone wurde für den März auf 2,7 Prozent nach oben revidiert. Die EZB, die gerade erst vorsichtig Richtung Lockerung schielte, steht wieder unter Zugzwang. Goldmans Empfehlung an Investoren: raus aus zyklischen Werten, rein in Telekommunikation und Basiskonsumgüter. Die Flucht in die Langeweile, über die ich gestern schrieb, bekommt ein neues Kapitel.

Für die deutsche Wirtschaft kommt dieser externe Schock zur Unzeit. Sinkende internationale Nachfrage, steigende Energiewendekosten, und nun ein Ölpreis von 116 Dollar je Fass Brent. Das Exportmodell, das dieses Land einst zum Weltmeister machte, steht unter maximalem Druck.

Verbündete, die sich nicht mehr verstehen

Als wäre der energiepolitische Schraubstock nicht eng genug, reißt der Konflikt tiefe Risse ins westliche Bündnis. In Paris, Rom und Madrid wächst der Widerstand gegen die amerikanisch-israelischen Militäroperationen im Iran. Trumps Antwort: Er nannte die europäischen NATO-Alliierten in den vergangenen Tagen schlicht „Feiglinge“.

Europa scheint den Affront nicht mehr schlucken zu wollen. Interims-Kanzler Olaf Scholz wählte am Dienstag bemerkenswert scharfe Worte: Europa sei „nicht naiv und schwach“. Die EU bereite eine geschlossene Antwort auf Trumps 25-Prozent-Zölle auf Stahl und Aluminium vor. Was sich hier abzeichnet, ist historisch: Europa wird gleichzeitig von seinem wichtigsten Sicherheitsgaranten handelspolitisch attackiert und von den globalen Energiemärkten in die Zange genommen. Gestern schrieb ich von der „transatlantischen Eiszeit“ als abstraktem Risiko. Sie materialisiert sich jetzt in konkreter Wirtschaftspolitik.

Zürich als Tresor der Welt

Wo tektonische Platten brechen, verschieben sich Kapitalströme. Eine der stillsten und folgenreichsten Bewegungen spielt sich gerade zwischen dem Persischen Golf und der Schweiz ab. Vermögende Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten schichten ihre Portfolios in sichere Jurisdiktionen um – und die Schweiz erweist sich als ultimativer Anker.

Die Zahlen sind beeindruckend: Private Cash-Positionen aus den Emiraten in der Schweiz sind in den letzten drei Jahren um rund 40 Prozent gestiegen. Analysten rechnen nun mit raschen Neuzuflüssen von bis zu 10 Milliarden Dollar. Der Schweizer Franken legte am Dienstag entsprechend um 0,38 Prozent zu. In einer Welt, in der selbst der Dollar zunehmend als geopolitische Waffe wahrgenommen wird – Stichwort Petroyuan –, kauft sich das globale Kapital in der Eidgenossenschaft vor allem eines: Berechenbarkeit. Politische Neutralität, intakte Rechtsstaatlichkeit, robuste Bankeninfrastruktur. Drei Eigenschaften, die anderswo gerade Mangelware sind.

Anzeige

Während Kapital in sichere Häfen flieht, suchen andere Anleger in diesem geopolitisch aufgeladenen Umfeld aktiv nach Wachstumschancen – und dabei rückt ein Sektor ins Zentrum, der vom aktuellen Konflikt zwischen den Großmächten unmittelbar profitiert: der Halbleitermarkt. Börsenexperte Bernd Wünsche analysiert in seiner aktuellen Sondersendung, wie der Chip-Krieg zwischen den USA und China einen Megatrend für 2026 auslöst und welche weitgehend unbekannte Halbleiter-Aktie seiner Einschätzung nach als Hauptprofiteur dieser Entwicklung hervorgehen könnte. Wünsche, der seit über 25 Jahren als Investor und Trader aktiv ist, stellt dabei konkret Namen und WKN der von ihm identifizierten Aktie vor und erklärt, warum staatliche Investitionsprogramme in Höhe von mehreren hundert Milliarden Dollar den Sektor strukturell verändern. Wer sich für die Analyse interessiert, kann Wünsches Tech-Aktien-Masterclass vier Wochen lang für 99 Cent testen und erhält den zugehörigen Spezialreport als Bonus. Zur Analyse: Die neue Nvidia-Aktie und der Chip-Krieg 2026

Das Paradoxon zum Quartalsschluss

Und dann lieferten die Aktienmärkte zum Quartalsende ein Bild, das auf den ersten Blick nicht zusammenpasst. Der DAX hat seit Kriegsbeginn Ende Februar mehr als zehn Prozent eingebüßt. Am Dienstag schloss er trotzdem mit einem Plus von 0,52 Prozent bei 22.680 Punkten. Der Fear & Greed Index verharrt bei 13 Punkten – tief im Bereich extremer Angst.

Der Grund für das zaghafte Aufatmen ist pure Pragmatik. An der Wall Street und in Frankfurt kursieren Berichte, wonach Trumps Berater zu der Erkenntnis gelangt sind, dass eine gewaltsame Räumung der Straße von Hormus den Krieg unkalkulierbar verlängern würde. Der Markt preist also – paradoxerweise gerade wegen der verheerenden wirtschaftlichen Kosten der Blockade – eine baldige Deeskalation ein. Ob diese Wette aufgeht, steht auf einem anderen Blatt.

Was jetzt zählt

Wir gehen in ein zweites Quartal, das Volatilität nicht nur verspricht, sondern zur Grundkonstante erklärt. Achten Sie in den kommenden Tagen weniger auf diplomatische Noten als auf zwei handfeste Indikatoren: die physischen Bewegungen der Öltanker im Persischen Golf – und die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Gestern schrieb ich, dass diese Zahlen der ultimative Härtetest für Powells verbale Beruhigung werden. Das gilt nach dem heutigen Inflationsdruck umso mehr. Sie werden uns verraten, ob die Erholung zum Quartalsschluss der Beginn einer Trendwende war – oder nur das kurze Luftholen vor dem nächsten Sturm.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 31. März liefert die Antwort:

Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 31. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...