European Lithium Aktie: 24-Millionen-Lücke bis Übernahme-Abschluss
European Lithium muss im Juni Liquiditätslücke schließen, Tanbreez-Genehmigung sichern und ASX-Untersuchung abwarten. Die Aktie notiert unter dem Jahreshoch.

- Liquiditätslücke von 24 Millionen Dollar
- Tanbreez-Probe im Juni geplant
- ASX prüft Meldepflichtverletzungen
- Aktionärsabstimmung im dritten Quartal
Drei parallele Fristen, ein schwebender Behördenstreit und eine Liquiditätslücke — European Lithium steuert auf den wohl entscheidenden Monat seit Ankündigung der geplanten Übernahme durch Critical Metals Corp. zu. Die Aktie schloss zuletzt bei 0,23 Euro und liegt damit rund 25 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 0,31 Euro, das erst am 2. Juni markiert wurde.
Liquiditätslücke unter Druck
Für den Abschluss der Transaktion muss European Lithium mindestens 330 Millionen australische Dollar an Nettoliquidität nachweisen. Ende März standen 306 Millionen Dollar in den Büchern — ein Fehlbetrag von rund 24 Millionen Dollar. Das Management reagiert mit vorgezogenen Optionsausübungen: Rund 6,67 Millionen neue ASX-Aktien entstehen durch die frühzeitige Wandlung von Instrumenten, die ursprünglich erst 2026 oder 2027 fällig geworden wären. Die Ausübungspreise lagen zwischen 0,08 und 0,12 australischen Dollar.
Das Übernahmeverhältnis bleibt unverändert: 0,035 Critical-Metals-Aktien je European-Lithium-Anteil. Allerdings entfällt seit dem 3. Juni die Option, stattdessen ASX-gehandelte CHESS Depositary Interests zu erhalten. Aktionäre bekommen nun direkt Nasdaq-gelistete Papiere — was für Privatanleger ohne US-Depotstruktur praktische Hürden aufwirft.
Tanbreez und Wolfsberg: Offene Baustellen
In Grönland wartet das Tanbreez-Projekt auf eine Betriebsgenehmigung für eine 150-Tonnen-Probe. Die Entnahme ist für Juni geplant und gilt als technische Schlüsselvalidierung. Ohne die Probe bleibt das Vorkommen — reich an den Seltenen Erden Terbium und Dysprosium — ein Versprechen auf dem Papier. Chinas Exportbeschränkungen für diese Materialien sind nur bis November 2026 ausgesetzt. Der Zeitdruck ist real.
In Österreich bleibt das Wolfsberg-Lithiumprojekt im Genehmigungsschwebezustand. Ein Bundesverwaltungsgericht kippte im November 2025 eine zentrale Bergbaugenehmigung, weil die Ausnahme für Projekte unter zehn Hektar von einer vollständigen Umweltprüfung nicht mit EU-Recht vereinbar sei. Kärnten muss nun jeden Fall einzeln prüfen. Die Bundesbehörden verlängerten die Bergbaulizenz im Februar 2026 immerhin um zwei Jahre. Der Offtake-Vertrag mit BMW bleibt bestehen.
Governance-Fragen belasten das Bild
Die australische Börsenaufsicht ASX untersucht, ob European Lithium seine Meldepflichten verletzt hat. Medienberichte sollen einer offiziellen Ankündigung zuvorgekommen sein. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.
Hinzu kommt eine strukturelle Interessenkollision: Tony Sage ist gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender von European Lithium und CEO von Critical Metals Corp. Ein unabhängiges Komitee hat die Transaktion als fair eingestuft und zur Annahme empfohlen. Ob das bei der Aktionärsabstimmung ausreicht, ist offen — das Arrangement dürfte kritische Fragen provozieren.
Zeitplan bis zur Abstimmung
Als Scheme of Arrangement braucht die Übernahme eine doppelte Mehrheit: Kopfmehrheit der abstimmenden Aktionäre und mindestens 75 Prozent des Stimmwertes. Der Entwurf des Scheme Booklets muss zunächst bei der australischen Wertpapieraufsicht ASIC eingereicht werden. Eine erste Gerichtsanhörung folgt im Juli. Aktionäre sollen das Dokument anschließend erhalten, die Abstimmung ist für das dritte Quartal geplant.
Bis dahin muss European Lithium die Liquiditätslücke schließen, die Tanbreez-Genehmigung sichern und den ASX-Untersuchungsprozess abschließen — alles gleichzeitig, alles im Juni.
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