European Lithium Aktie: 40 Prozent Abschlag zur Übernahme

Trotz Baufortschritten bei der Pilotanlage in Grönland fehlt die Betriebsgenehmigung. Die geplante Übernahme von European Lithium durch Critical Metals ist noch nicht abgeschlossen.

Die Kernpunkte:
  • Pilotanlage in Qaqortoq fast fertig
  • Betriebsgenehmigung noch nicht erteilt
  • Übernahme-Deal hängt an mehreren Bedingungen
  • ASX ermittelt wegen möglicher Publizitätspflichtverletzung

Critical Metals Corp. gibt Vollgas auf Grönland – und trotzdem bleibt European Lithium im Keller. Die Aktie des australischen Unternehmens notiert rund 40 Prozent unter dem Wert, den die geplante Übernahme durch Critical Metals eigentlich verspricht.

Der Grund: Die Übernahme ist noch nicht durch. Und es gibt gleich mehrere Stolpersteine.

Pilotanlage wächst – Genehmigung fehlt

Am 2. Juni legte Critical Metals ein umfassendes Update zum Tanbreez-Projekt vor. Die Bauten für die Pilotanlage samt Hauptquartier schreiten voran. Das Fundament ist gegossen, der Innenausbau läuft. Fertigstellungstermin für das Head Office und das Lagerhaus der Phase 1: August 2026.

Parallel rollt die Bohrsaison an. Weitere Bohranlagen sollen in den kommenden Wochen zum Einsatz kommen. Ziel sind detailliertere Ressourcenmodelle, die für die finale Minenplanung nötig sind.

Doch es gibt einen Haken. Die Pilotanlage im grönländischen Qaqortoq ist zwar baulich fertig, aber die lokalen Behörden haben noch keine Betriebsgenehmigung erteilt. Ohne diese darf Critical Metals die geplante 150-Tonnen-Probe nicht fördern. Die enthält Terbium und Dysprosium – zwei Schwererde-Metalle, die für Elektromotoren und Verteidigungssysteme unverzichtbar sind. China hat deren Export bereits beschränkt, die Ausnahmeregelung läuft im November 2026 aus.

Ein enger Zeitplan für eine Alternative zu China.

Der Deal, der nicht aufgeht

Die Übernahme läuft über ein Scheme-of-Arrangement nach australischem Recht. European-Lithium-Aktionäre erhalten 0,035 Critical-Metals-Aktien für jede ihrer Aktien. Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden.

Die Bedingungen sind happig. European Lithium muss nach Abschluss mindestens 330 Millionen australische Dollar Netto-Cash vorweisen. Zudem braucht es die Zustimmung der Aktionäre, der Gerichte und diverser Aufsichtsbehörden.

Das Informationsdokument für die Aktionäre soll im Juli oder August verschickt werden, die Hauptversammlung ist für August oder September geplant.

Ein Governance-Problem kommt hinzu. Tony Sage sitzt in Personalunion als Executive Chairman bei European Lithium und als CEO bei Critical Metals. Dieser Interessenskonflikt zwang das Unternehmen, ein unabhängiges Komitee einzusetzen, das die Minderheitsaktionäre schützen soll.

ASX-Ermittlungen laufen

Bleibt die offene Untersuchung der australischen Börsenaufsicht ASX. Sie prüft, ob European Lithium vor Bekanntgabe des Deals seine Ad-hoc-Publizitätspflichten verletzt hat. Das Unternehmen bestreitet das. Aus Sicht des Managements wurde die Transaktion erst Ende April mit der Unterzeichnung eines nicht-bindenden Letters-of-Intent material. Frühere Offenlegung sei nicht nötig gewesen.

Wolfsberg: Baugenehmigung gekippt

Ein weiteres Problem zeichnet sich in Österreich ab. Das Bundesverwaltungsgericht hat eine zentrale Umweltgenehmigung für das Wolfsberg-Lithiumprojekt in Kärnten aufgehoben. Die Folge: Die finale Investitionsentscheidung verschiebt sich auf mindestens Ende 2026.

Die Abbaulizenz läuft bis Anfang 2028, der Liefervertrag mit BMW besteht weiter. Aber der Zeitplan wird eng.

Ausblick

In den kommenden Monaten entscheidet sich, ob die Übernahme über die Ziellinie kommt. Entscheidend sind die Betriebsgenehmigung in Grönland, die Aktionärszustimmung und das Ergebnis der ASX-Ermittlungen. Das Tanbreez-Projekt macht operativ Fortschritte, aber der rechtliche und regulatorische Rahmen hinkt hinterher.

Für Anleger heißt das: Solange die Baustellen nicht geschlossen sind, bleibt das Risiko im Kurs eingepreist.

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