European Lithium Aktie: Tanbreez-Permit entscheidet im Juni

European Lithium steht vor kritischen Fristen für die Fusion mit Critical Metals und die Betriebsgenehmigung in Grönland.

Die Kernpunkte:
  • Grönland-Permit für Tanbreez-Projekt ausstehend
  • ASIC-Frist für Fusionsdokumente im Juni
  • Liquiditätslücke von rund 24 Millionen Dollar
  • Aktie verliert nach starkem Jahreslauf

Drei Fristen, ein offenes Permit, eine Liquiditätslücke — European Lithium startet in eine der entscheidendsten Wochen seit Monaten. Ob der Zusammenschluss mit Critical Metals Corp. planmäßig vorankommt, hängt an Entwicklungen, die sich innerhalb weniger Tage entscheiden könnten.

Greenland-Permit als unmittelbarer Taktgeber

Das Herzstück der Woche ist das Tanbreez-Projekt in Grönland. European Lithium wartet noch immer auf eine Betriebsgenehmigung der grönländischen Behörden — ohne sie lässt sich die geplante 150-Tonnen-Bulk-Probe nicht entnehmen. Diese Probe soll noch im Juni an potenzielle Käufer in der EU, den USA und Saudi-Arabien verschifft werden und ist für die technische Validierung des Projekts unerlässlich.

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Das Timing ist brisant. Tanbreez beherbergt Terbium und Dysprosium — Seltene Erden, die für Elektromotoren und Verteidigungssysteme unverzichtbar sind. China hat Exportbeschränkungen für diese Materialien nur bis November 2026 ausgesetzt. Die grönländischen Regulatoren haben diese geopolitische Dringlichkeit bislang nicht in ihrer Genehmigungsgeschwindigkeit gespiegelt.

Parallel dazu schreitet der Bau am Pilotprojekt voran. Fundamente für das Hauptgebäude werden gelegt, das Camp nahe dem Flughafen Qaqortoq wächst, zusätzliche Bohrgeräte stehen bereit. Critical Metals erwartet den Abschluss der ersten Bauphase bis August 2026.

ASIC-Frist und Fusionsfahrplan

Noch im Juni muss ein Entwurf des Scheme Booklets bei der australischen Wertpapieraufsicht ASIC eingereicht werden. Im Juli folgt eine erste Gerichtsanhörung, danach erhalten Aktionäre die Unterlagen zur Abstimmung. Das Votum selbst ist für das dritte Quartal angesetzt, der Abschluss des Deals für die zweite Jahreshälfte 2026.

Als Scheme of Arrangement verlangt die Transaktion eine Kopfmehrheit der abstimmenden Aktionäre sowie mindestens 75 Prozent des Abstimmungswertes — eine doppelte Hürde, die breite Zustimmung voraussetzt.

Eine strukturelle Änderung vom 3. Juni dürfte dabei für Gesprächsstoff sorgen: European Lithium hat die Option gestrichen, wonach Aktionäre ASX-gehandelte CHESS Depositary Interests (CDIs) hätten wählen können. Stattdessen erhalten alle Aktionäre direkt Nasdaq-gelistete Aktien von Critical Metals. Das Umtauschverhältnis von 0,035 Critical-Metals-Aktien je European-Lithium-Aktie bleibt unverändert — die Änderung betrifft ausschließlich die Abwicklungsform.

Liquiditätslücke und Governance-Risiken

Auf der Bilanzseite klafft noch eine Lücke. Ende März lagen die liquiden Mittel bei rund 306 Millionen australischen Dollar, die Abschlussbedingung des Deals erfordert jedoch 330 Millionen. Um die Differenz zu verkleinern, hat European Lithium rund 6,67 Millionen neue ASX-Aktien durch vorzeitige Ausübung von Optionen und Wandlungsrechten ausgegeben — ursprünglich erst Ende 2026 oder 2027 fällig, mit Ausübungspreisen zwischen 0,08 und 0,12 australischen Dollar. Der Mittelzufluss beläuft sich auf einige wenige Millionen australische Dollar und schließt die Lücke damit nicht vollständig.

Hinzu kommen zwei Governance-Themen. Die ASX untersucht, ob European Lithium Offenlegungspflichten verletzt hat, nachdem Medienberichte einer offiziellen Ankündigung vorausgegangen waren. Das Unternehmen weist den Vorwurf zurück. Außerdem sitzt Tony Sage als Executive Chairman von European Lithium und gleichzeitig als CEO von Critical Metals Corp. auf beiden Seiten des Verhandlungstisches — ein Interessenkonflikt, den ein unabhängiges Komitee zwar für unbedenklich erklärt hat, der bei der Aktionärsabstimmung aber kaum unkommentiert bleiben wird.

Wolfsberg wartet, Kurs gibt nach

Das österreichische Lithiumprojekt Wolfsberg steckt weiterhin im Genehmigungsstau. Eine zentrale Bewilligung wurde im November 2025 aufgehoben, die Bergbaulizenz im Februar um zwei Jahre verlängert. Der Offtake-Vertrag mit BMW besteht fort. Eine finale Investitionsentscheidung peilt das Unternehmen bis Ende 2026 an — abhängig von Marktbedingungen, Projektfinanzierung und dem Tempo der Behörden.

An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 0,25 Euro, ein Tagesverlust von 8,70 Prozent und ein Wochenminus von knapp 15 Prozent. Vom Jahreshoch bei 0,31 Euro, erst am 2. Juni markiert, trennen den Kurs rund 19 Prozent. Der Jahresgewinn von über 164 Prozent zeigt jedoch, wie weit die Aktie in kurzer Zeit gelaufen ist.

Mit der ASIC-Einreichungsfrist im Juni und dem Greenland-Permit weiterhin offen verdichten sich die Weichenstellungen für den Fusionsfahrplan auf wenige Wochen.

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