Eutelsat Aktie: 69,5-Prozent-Sprung im LEO-Geschäft

Eutelsat verzeichnet 69,5 Prozent mehr LEO-Umsatz, sichert sich Milliardenaufträge und stabilisiert die Bilanz. Der Aktienkurs bleibt trotzdem schwach.

Die Kernpunkte:
  • LEO-Erlöse steigen um 69,5 Prozent
  • Nettoverlust deutlich auf 457 Millionen reduziert
  • Refinanzierung über 5 Milliarden Euro abgeschlossen
  • Backlog von 3,4 Milliarden Euro gesichert

Drei Wochen nach der Bilanzvorlage zum Geschäftsjahr 2025-26 ist die Eutelsat-Aktie weiter unter Druck geraten – seit den Zahlen vom 7. August steht ein Minus von 9,3 Prozent auf 30-Tage-Basis. Für mich ist das ein Missverhältnis zwischen dem, was das Unternehmen operativ vorgelegt hat, und dem, wie der Markt darauf reagiert.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache als der Kurs

Der Konzernumsatz lag im Geschäftsjahr bei 1.235,9 Millionen Euro, auf berichteter Basis 0,6 Prozent niedriger, like-for-like aber um 3,0 Prozent im Plus. Entscheidend ist der Blick auf das LEO-Geschäft: Die Erlöse aus dem Niedrigorbit-Segment sprangen um 69,5 Prozent auf 297 Millionen Euro und machen inzwischen ein Viertel des Konzernumsatzes aus.

Der Nettoverlust hat sich von 1,1 Milliarden Euro im Vorjahr auf 457 Millionen Euro spürbar verringert. Wer nur auf die Kursentwicklung schaut, würde das kaum vermuten.

Natürlich gibt es Kehrseiten. Die bereinigte EBITDA-Marge sank von 54,4 auf 51,2 Prozent, weil der Umbau in Richtung LEO Kapital bindet und die Kostenstruktur belastet. Genau das dürfte der eigentliche Auslöser für die Verkaufswelle nach der Präsentation gewesen sein – ein Kurssturz von über 8 Prozent an jenem Tag.

Für mich überwiegt aber die strategische Logik: Ein Unternehmen, das seine Zukunftsplattform mit fast 70 Prozent Wachstum hochfährt, muss zwangsläufig kurzfristig Margendruck in Kauf nehmen.

Rückenwind aus Politik und Militär

Was den Ausblick für mich besonders interessant macht, sind die strukturellen Ankerpunkte jenseits der reinen Umsatzentwicklung. Eutelsat hat unter dem französischen Verteidigungsprogramm NEXUS einen möglichen CENTAURE-Abruf von bis zu 350 Millionen Euro gesichert, davon 138 Millionen Euro fest über die ersten vier Jahre.

Zudem wurde der „First Rendez-Vous“-Meilenstein für IRIS² unterzeichnet, und Eutelsat ist als LEO-Lead im SpaceRISE-Konsortium bestätigt – eine zentrale Position im europäischen Programm für souveräne Multi-Orbit-Kommunikation bis 2040. Dazu kommen erwartete Anreizzahlungen von 504 Millionen US-Dollar für die C-Band-Räumung in den USA.

Wer an europäische Raumfahrtsouveränität als Investmentthema glaubt, findet hier einen der wenigen Titel, die bereits vertraglich in staatlichen und supranationalen Programmen verankert sind. Das ist kein Versprechen, sondern eine gebuchte Position im Auftragsbestand, der bei 3,4 Milliarden Euro liegt – umgerechnet rund das 2,7-Fache des Jahresumsatzes.

Konnektivität macht inzwischen 61 Prozent dieses Backlogs aus, ein Beleg dafür, dass sich der Umbau des Geschäftsmodells in den Auftragsbüchern längst niederschlägt.

Bilanz stabilisiert, Investitionen ziehen an

Auch auf der Finanzierungsseite hat sich das Bild verbessert. Eutelsat hat ein Refinanzierungspaket über 5 Milliarden Euro abgeschlossen, darunter eine Anleihe über 1,5 Milliarden Euro.

Zum 30. Juni lag die Nettoverschuldung bei 1,46 Milliarden Euro, das Verhältnis zum EBITDA bei 2,32. Die Liquidität von rund 2,3 Milliarden Euro plus knapp 690 Millionen Euro ungenutzter Exportkreditlinien wirkt komfortabel für ein Unternehmen, das seine Investitionen im laufenden Geschäftsjahr auf etwa 1,2 Milliarden Euro hochfährt – nach rund 594 Millionen Euro im abgelaufenen Jahr.

Das Management stellt für das laufende Jahr ein LEO-Wachstum von über 30 Prozent in Aussicht, während die bereinigte EBITDA-Marge auf Konzernebene voraussichtlich stagniert. Mittelfristig, bis zum Geschäftsjahr 2028-29, steht ein Umsatzziel von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro sowie eine Margenmarke von über 60 Prozent im Raum.

Mein Fazit

Der Kursrückgang der vergangenen Wochen spiegelt Ungeduld mit der Margenentwicklung, nicht aber die zugrunde liegende Substanz der Wachstumsstory. Mit gesicherten Militär- und Souveränitätsprogrammen, einem wachsenden Backlog und einer sanierten Bilanz hat Eutelsat aus meiner Sicht mehr strategische Substanz aufgebaut, als der Aktienkurs derzeit einpreist.

Die entscheidende Frage für die kommenden Quartale wird sein, ob sich das angekündigte LEO-Wachstum tatsächlich in eine Stabilisierung der Marge übersetzt – gelingt das, dürfte die aktuelle Bewertung im Rückblick als überzogen negativ erscheinen.

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