Eutelsat Aktie: Indien-Genehmigung für OneWeb verzögert sich
Eutelsat steigert den LEO-Umsatz, verbucht jedoch hohe Verluste. Analysten sehen Risiken durch Indien-Verzögerungen und teure Großprojekte.

- Eutelsat-Aktie fällt auf 1,70 Euro
- Berenberg startet Beobachtung mit Hold
- Indische Sicherheitsfreigabe weiterhin ausstehend
- LEO-Erlöse steigen um 69,5 Prozent
Die Aktie des Satellitenbetreibers Eutelsat gerät zur Mitte der Woche spürbar in die Defensive. Belastet von einer zurückhaltenden Analysteneinschätzung und regulatorischen Verzögerungen im wichtigen Wachstumsmarkt Indien notiert der Wert aktuell bei 1,70 €, was einem Rückgang von 3,0 % entspricht.
Marktteilnehmer reagieren damit auf die Kombination aus hohen Investitionsrisiken und einer stagnierenden Genehmigungslage für die kommerzielle Satellitennutzung in Südasien.
Analysten mahnen zur Vorsicht trotz Expansionskurs
Die Privatbank Berenberg hat die Beobachtung von Eutelsat heute mit einer „Hold“-Empfehlung und einem Kursziel von 2 Euro aufgenommen. Die Experten gestehen dem Unternehmen zwar prinzipielles Potenzial durch die Fusion mit OneWeb und die Beteiligung am europäischen IRIS²-Programm zu, weisen jedoch darauf hin, dass die Risiken derzeit überwiegen. Insbesondere die Konkurrenz durch SpaceX und dessen Starlink-System in Europa setze den Satellitenbetreiber unter Druck.
Laut Berenberg führen die notwendigen zusätzlichen Investitionen dazu, dass die Vorteile aus steuerlichen Anreizen für das C-Band-Spektrum in Höhe von 504 Millionen US-Dollar nahezu neutralisiert werden.
Zudem haben die gestiegenen Ausführungsrisiken bei den Großprojekten OneWeb und IRIS² dazu geführt, dass die Rentabilitätsprognosen für das mittelfristige Geschäft mit geostationären Satelliten (GEO) nach unten korrigiert wurden. Das Papier bewegt sich derzeit deutlich unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 2,14 €, was den anhaltenden Abwärtstrend unterstreicht.
Behördliche Blockade im Zukunftsmarkt Indien
Zusätzliche Unsicherheit resultiert aus der Lage in Indien, wo Eutelsat OneWeb dringend auf eine Sicherheitsfreigabe für den kommerziellen Betrieb wartet. Obwohl technische Compliance-Tests bereits seit Januar 2025 abgeschlossen sind, steht die endgültige Genehmigung durch die indischen Behörden weiterhin aus. Dies führt dazu, dass bereits errichtete Bodenstationen in Mehsana und Thoothukudi derzeit ungenutzt bleiben.
Medienberichten zufolge erschweren neue Sicherheitsrichtlinien aus dem laufenden Jahr das Verfahren, da diese eine zusätzliche sekundäre Freigabe erfordern. Eutelsat steht in Indien in direktem Wettbewerb mit Anbietern wie Starlink und Reliance Jio. Die Verzögerungen wiegen schwer, da der indische Markt als zentraler Baustein für die globale Reichweite der LEO-Konstellation (Low Earth Orbit) gilt.
Hohe Verluste überschatten Wachstum im LEO-Segment
Die finanziellen Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2025-26 verdeutlichen die Transformationsphase, in der sich das Unternehmen befindet. Zwar konnte Eutelsat den Umsatz im Bereich der LEO-Dienste um 69,5 % auf 297 Millionen Euro steigern, doch der Gesamtumsatz von 1,236 Milliarden Euro wurde von einem massiven Nettoverlust in Höhe von 458,9 Millionen Euro überschattet.
Nachdem das Papier gestern noch bei 1,75 € aus dem Handel ging, spiegelt der heutige Kursrückgang die Skepsis der Anleger hinsichtlich der Profitabilitätsschwelle wider.
Parallel dazu treibt die Europäische Union das Projekt IRIS² voran, an dem Eutelsat über das SpaceRISE-Konsortium beteiligt ist. Ziel ist eine souveräne europäische Kommunikationsinfrastruktur, die bis 2029 mit insgesamt 348 Satelliten voll einsatzfähig sein soll.
Während die Kosten für dieses Programm zuletzt auf 15,6 Milliarden Euro nach oben korrigiert wurden, unterzeichnete das Projekt am heutigen Mittwoch einen ersten Großauftrag über eine Milliarde Euro zum Bau von 18 Satelliten. Dennoch bleiben die langfristigen finanziellen Belastungen für die Konsortialpartner ein zentraler Diskussionspunkt am Markt.
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