Evonik Aktie: 100 Millionen für Tippecanoe Labs

Evonik modernisiert seinen US-Standort Lafayette für 100 Mio. USD, während in Deutschland Stellenstreichungen anstehen.

Die Kernpunkte:
  • 100 Mio. USD für US-Standort
  • Modernisierung der Wirkstoffproduktion
  • Stellenabbau in Deutschland geplant
  • Aktie legt um 3,3% zu

Wie aus Unternehmenskreisen und Berichten von Pharma Excipients hervorgeht, investiert der Konzern über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 100 Millionen US-Dollar in die Modernisierung seines Standorts Tippecanoe Labs in Lafayette, Indiana. Die Maßnahme zielt darauf ab, die steigende Nachfrage im Bereich der Auftragsentwicklung und -herstellung (CDMO) zu bedienen und moderne Technologien für pharmazeutische Wirkstoffe zu etablieren.

Modernisierung der Wirkstoffproduktion in Indiana

Im Zentrum der Investition steht die Aufrüstung von Reaktoren mit einem Volumen von 100 Kubikmetern sowie die Modernisierung kritischer Infrastruktursysteme. Der Standort in Lafayette, den Evonik im Jahr 2010 von Eli Lilly übernahm, gilt als der weltweit größte Standort für hochwirksame pharmazeutische Wirkstoffe (HPAPI) mit einer Kapazität von 170 Kubikmetern. Insgesamt verfügt das Werk über eine Reaktorkapazität von 860 Kubikmetern für allgemeine Wirkstoffe sowie 2.500 Kubikmeter Fermentationskapazität.

Guido Skudlarek, Head of Health Care bei Evonik, und Daniel Fricker, Head of Drug Substance, betonen die strategische Bedeutung der Investition für die nächste Generation von Produktionstechnologien. Mit mehr als 650 Mitarbeitern ist Tippecanoe Labs der zweitgrößte US-Standort des Konzerns. Die Modernisierung wird zudem von der lokalen Regierung und der Town of Shadeland unterstützt. Laut Site Manager Todd Wetli sichert die Investition langfristig die Arbeitsplätze in der Region.

Kursentwicklung und Marktdaten

An der Börse wird die Entwicklung des Spezialchemie-Konzerns positiv aufgenommen. Die Evonik-Aktie notiert aktuell bei 17,07 € und verzeichnet damit ein Plus von 3,33 % gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn konnte das Papier bereits um 28,15 % zulegen. Mit dem aktuellen Kurs notiert der Titel 14,09 % über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 14,96 € und liegt rund 3,39 % über dem 50-Tage-Durchschnitt.

Vom 52-Wochen-Hoch, das am 6. Mai 2026 bei 18,23 € markiert wurde, trennt die Aktie derzeit ein Abstand von 6,36 %. Das 52-Wochen-Tief bei 12,50 € aus dem Januar liegt hingegen deutlich unter dem aktuellen Niveau. Die Marktkapitalisierung von Evonik beläuft sich derzeit auf 7,61 Milliarden €.

Standortdebatte und Sparmaßnahmen in Deutschland

Während Evonik in den USA expandiert, steht das Geschäft in Deutschland unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, sieht sich der Konzern aufgrund des schwachen Wirtschaftswachstums und hoher Energiekosten zu Einschnitten gezwungen. In Europa hat die Branche mit einem Energiekostennachteil von 50 bis 70 % gegenüber den USA zu kämpfen; im Vergleich zu China liegt dieser Nachteil bei 20 bis 40 %.

Infolgedessen plant Evonik bis zum Jahr 2029 einen Stellenabbau an deutschen Standorten: In Witten sollen 266 Stellen wegfallen, im Werk Marl sind 45 Stellen betroffen. Diese Entwicklung spiegelt eine breitere Branchenkrise wider. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) warnt bereits vor einer fortschreitenden Deindustrialisierung, da rund 10 % der europäischen Chemiekapazitäten stillgelegt wurden, wobei ein Viertel dieser Stilllegungen Deutschland betrifft. Die Investitionen in den USA, die auch durch Zollregelungen wie die Section 232 begünstigt werden, unterstreichen die Verschiebung der Produktionsschwerpunkte innerhalb der Branche.

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