Evonik Aktie: Ashland-Alleingang?
Deutsche Bank Research stuft BASF herab; Evoniks mögliche Ashland-Pläne und fehlende Einigung halten den Verkaufsausgang offen.

- Deutsche Bank senkt BASF-Kursziel auf 53 Euro
- mwb Research bestätigt BASF-Empfehlung Halten
- Evonik prüft laut Handelsblatt Ashland-Kauf
- BASF-Angebot von rund 24 Euro unbestätigt
Die mögliche Übernahme durch BASF bleibt für Evonik mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Das unterstreicht heute eine skeptischere Einschätzung von Deutsche Bank Research zum potenziellen Käufer. Für Evonik-Anleger zählt damit nicht allein der diskutierte Angebotspreis: Ungeklärte Umsetzungsfragen und die eigene Übernahmestrategie des Unternehmens stehen einem bestätigten Abschluss gegenüber.
Analysten betonen die Ausführungsrisiken
Deutsche Bank Research hat BASF heute von Kaufen auf Halten abgestuft und das Kursziel von 60 auf 53 Euro gesenkt. Analystin Virginie Boucher-Ferte begründet den Schritt mit Unsicherheit und Ausführungsrisiken der beabsichtigten Evonik-Übernahme. Langfristig könne der Kauf allerdings strategisch und finanziell sinnvoll sein.
Die Einschätzung betrifft ausdrücklich BASF. Für Evonik-Aktionäre ist sie dennoch relevant: Sie verdeutlicht den Unterschied zwischen industrieller Logik und einer tatsächlich umsetzbaren Transaktion. Ein strategisch plausibler Zusammenschluss ist noch kein gesicherter Verkaufserlös.
Auch mwb research verweist heute auf Risiken. Das Analysehaus bestätigt für BASF die Empfehlung Halten mit einem Kursziel von 55 Euro. Vorteile bei Rohstoffen, Einkauf und Infrastruktur könnten einer stärkeren Abhängigkeit von kostenintensiven europäischen Standorten gegenüberstehen.
Zudem seien die Synergien nicht quantifiziert. Eine umfangreiche, barfinanzierte Übernahme könnte laut den Analysten die Bilanzstärkung und künftige Ausschüttungen von BASF belasten. Damit bleibt offen, wie attraktiv die Transaktion für den Käufer nach sämtlichen Kosten wäre.
Evoniks eigene Pläne erschweren die Abwägung
Parallel zur möglichen Übernahme verfolgt Evonik offenbar eine eigene strategische Option. Laut Handelsblatt prüft das Unternehmen einen Kauf von Ashland. Reuters zufolge hält BASF diesen Schritt für zu riskant. Eine bestätigte Vereinbarung über einen Ashland-Kauf liegt nicht vor.
Damit stehen unterschiedliche Vorstellungen über Evoniks weitere Entwicklung im Raum. Der mögliche Käufer wirbt für die Integration in sein Verbundsystem. Evoniks berichtete Überlegungen zielen dagegen auf einen eigenen Zukauf. Diese strategische Frage lässt sich nicht allein über einen höheren Preis beantworten.
Bloomberg und dpa-AFX berichteten am Freitag unter Berufung auf Insider über ein erhöhtes BASF-Angebot von rund 24 Euro je Evonik-Aktie. Das erste unverbindliche Angebot von 22,15 Euro hatte Evonik als zu niedrig zurückgewiesen. Die berichtete Erhöhung wurde von beiden Unternehmen nicht bestätigt.
BASF-Chef Markus Kamieth stellte am Donnerstag die Übernahme bestehender Standortvereinbarungen und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2032 in Aussicht. Solche Zusagen sollen Akzeptanz schaffen. Entscheidend gilt dabei die Zustimmung der RAG-Stiftung als größtem Evonik-Aktionär; eine bestätigte Einigung gibt es nicht.
Quartalszahlen liefern den nächsten Prüfstein
Evoniks eigene Geschäftsentwicklung bleibt neben den Übernahmeplänen wichtig. Für den 3. November werden Quartalszahlen erwartet.
Diese Erwartungen sind noch keine gemeldeten Ergebnisse. Die Zahlen können jedoch einen weiteren Anhaltspunkt für die Bewertung von Evonik liefern. Bis zu einer bestätigten Transaktion stehen für Anleger zwei Fragen nebeneinander: Was ist Evonik eigenständig wert, und zu welchen Bedingungen wäre ein Verkauf tatsächlich durchsetzbar?
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