Evonik Aktie: BASF müsste für Gespräche nachlegen

Evonik dürfte das BASF-Gebot über rund 11 Milliarden Euro zurückweisen; Preis und strategischer Nutzen könnten weitere Gespräche ermöglichen.

Die Kernpunkte:
  • BASF bietet laut Bericht 24 Euro je Aktie
  • Evonik wies bereits 22,15 Euro zurück
  • RAG-Stiftung hält rund 43,8 Prozent
  • Eigenständige Pläne umfassen mögliche Übernahmen

Die erwartete Absage lässt Verhandlungsspielraum

Bei Evonik müssen Anleger zwischen der Aussicht auf ein nochmals höheres BASF-Gebot und einer Fortsetzung der eigenständigen Strategie abwägen. Laut Financial Times dürfte Evonik das verbesserte Übernahmeangebot über rund 11 Milliarden Euro wegen Unterbewertung ablehnen.

Eine solche Absage wäre allerdings nicht zwingend das Ende der Übernahmepläne: Bei einem höheren Preis und einer überzeugenderen strategischen Begründung könnte Evonik gesprächsbereit bleiben.

Die heute berichtete Entwicklung verschiebt damit den Schwerpunkt. Nicht allein das Interesse von BASF zählt, sondern die Frage, unter welchen Bedingungen Evonik überhaupt verhandeln würde. Eine mögliche Stellungnahme in den kommenden Tagen könnte diese Bedingungen klarer machen. Eine endgültige Ablehnung oder eine verbindliche Zusage zu Gesprächen ist damit noch nicht verbunden.

Für Anleger entsteht daraus eine asymmetrische Entscheidungslage: Wer auf eine Übernahme setzt, braucht weitere Zugeständnisse des Bieters. Wer Evonik unabhängig davon beurteilt, muss die eigenständigen Pläne stärker gewichten.

Entscheidend ist ein verhandlungsfähiger Angebotspreis

Der zentrale Maßstab ist zunächst der Preis. Das verbesserte Angebot liegt laut Financial Times bei 24 Euro je Aktie. Der gestrige Schlusskurs von 21,04 € liegt darunter und macht sichtbar, dass Börsenkurs und gebotener Preis nicht gleichzusetzen sind. Der Abstand allein belegt jedoch weder eine bevorstehende Einigung noch eine bestimmte Abschlusswahrscheinlichkeit.

Evonik hatte dem Bericht zufolge bereits ein erstes Angebot von 22,15 Euro je Aktie zurückgewiesen. Die erneute Erhöhung wäre somit noch kein Beweis dafür, dass BASF die Preisvorstellungen der Gegenseite erreicht hat. Für eine Annäherung müsste ein weiterer Schritt offenbar auch inhaltlich überzeugen: Evonik erwartet eine klarere Erklärung des strategischen Nutzens einer Fusion.

Hinzu kommt die Großaktionärin. Die RAG-Stiftung hält rund 43,8 Prozent an Evonik; ihre Unterstützung wäre für die Transaktion erforderlich. Damit reicht eine Verständigung zwischen den Unternehmensführungen allein nicht aus. Die Position der Stiftung gehört zu den entscheidenden Größen für jeden möglichen Verhandlungsfortschritt.

Ein verbessertes Gesamtpaket könnte Türen öffnen

Das positive Szenario wäre kein bloßes Wiederholen des bestehenden Angebots. BASF müsste den Preis weiter anheben und zugleich nachvollziehbar erläutern, welchen zusätzlichen Wert ein Zusammenschluss schaffen soll. Falls Evonik diese Kombination als ausreichend betrachtet, könnte aus der erwarteten Zurückweisung ein Ausgangspunkt für neue Gespräche werden.

Dabei ist zwischen früheren Kontakten und laufenden Verhandlungen zu unterscheiden. Chemical Processing berichtet, BASF habe zuvor Sondierungsgespräche mit Evonik und der RAG-Stiftung bestätigt. Evonik erklärte dagegen, derzeit fänden keine Gespräche statt. Für Anleger wäre daher eine ausdrücklich bestätigte Wiederaufnahme der Verhandlungen ein substanzielleres Signal als eine weitere allgemeine Interessenbekundung.

Auch die Stiftung könnte Bewegung ermöglichen. Laut WAZ soll ihr Kuratorium bald erneut tagen. Daraus lässt sich noch keine Zustimmung ableiten. Würde sich dort aber Unterstützung für Gespräche abzeichnen, könnte dies die Voraussetzungen für eine Annäherung verbessern. Ein höherer Preis wäre dann nicht mehr nur eine Forderung, sondern Teil eines tatsächlich verhandelbaren Pakets.

Eigenständige Pläne können die Übernahme verhindern

Das ernsthafte Gegenbild ist eine dauerhaft unüberbrückbare Bewertungslücke. BASF könnte auf eine weitere Erhöhung verzichten; Evonik könnte am Urteil festhalten, das Angebot werde dem Unternehmen nicht gerecht. Dann wäre das bestehende Gebot für Anleger kein verlässlicher künftiger Auszahlungsbetrag.

Evonik verfolgt laut Financial Times zugleich eine eigenständige Strategie. Dazu gehören mögliche Übernahmen sowie Stellenabbau und Werksschließungen. Das Unternehmen soll außerdem zu den Interessenten für Ashland zählen. Diese Vorhaben bieten eine Alternative zur Fusion, sind aber nicht mit bereits realisierten Ergebnissen gleichzusetzen.

Für die Bewertung bedeutet das einen möglichen Perspektivwechsel. Rückt die Übernahme in den Hintergrund, müssten Anleger stärker beurteilen, ob Evonik seine eigenen Pläne überzeugend umsetzen kann. Ein möglicher Ashland-Zukauf wäre dabei eine zusätzliche strategische Entscheidung und kein Beleg dafür, dass die eigenständige Entwicklung automatisch den höheren Wert schafft.

Die nächste Stellungnahme muss Bedingungen klären

Solange Evonik eine spätere Gesprächsbereitschaft offenhält und BASF zu weiteren Zugeständnissen bereit wäre, bleibt ein verbessertes Angebot ein plausibles Szenario. Entfällt diese Bereitschaft auf einer Seite, dürfte die eigenständige Strategie für die Anlageentscheidung wichtiger werden. Maßgeblich wäre dann nicht mehr der gewünschte Übernahmepreis, sondern die Überzeugungskraft der eigenen Vorhaben.

Der nächste mögliche Katalysator ist eine öffentliche Stellungnahme Evoniks, die laut Financial Times in den kommenden Tagen folgen könnte. Anleger sollten dabei vor allem auf konkrete Bedingungen für Gespräche achten. Eine Absage mit klar benannten Voraussetzungen wäre anders einzuordnen als eine grundsätzliche Zurückweisung des Zusammenschlusses.

Auch die angekündigte erneute Befassung des Stiftungskuratoriums verdient Aufmerksamkeit. Entscheidend ist, ob daraus eine belastbare Position zur Transaktion hervorgeht. Erst solche Aussagen könnten zeigen, ob die erwartete Ablehnung den Weg zu Verhandlungen öffnet oder die Übernahmepläne weiter zurückdrängt.

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