Evonik Aktie: BASF-Offerte über 10,3 Milliarden abgelehnt
Parmantier & Cie. bewertet Evonik mit Halten; Berenberg hob sein Votum an. BASF-Gespräche und Stellenabbau prägen den Ausblick.

- Parmantier setzt Kursziel auf 20,50 Euro
- Berenberg hebt Einstufung auf Hold
- BASF-Offerte über 10,3 Milliarden Euro zurückgewiesen
- Evonik plant Abbau von 3.200 Stellen
Die jüngste Kursrally bei Evonik stößt bei Analysten zunehmend auf ein verändertes Chance-Risiko-Profil. Am heutigen Dienstag hat das Analysehaus Parmantier & Cie. eine Neueinschätzung für das Spezialchemieunternehmen vorgelegt.
Anlass für die Einstufung auf „Halten“ mit einem Kursziel von 20,50 Euro ist die Vorstellung des Branchenberichts „European Chemicals: The 2027 Cycle“. Die Experten sehen den Titel damit nach den deutlichen Zugewinnen der vergangenen Monate weitgehend fair bewertet.
Mit dieser vorsichtigen Haltung steht Parmantier & Cie. nicht allein da. Bereits gestern passte die Privatbank Berenberg ihr Votum an. Analyst Sebastian Bray stufte das Papier von „Sell“ auf „Hold“ hoch und hob das Kursziel deutlich von 15,50 Euro auf 20 Euro an. Bray begründete den Schritt maßgeblich mit den Übernahmebestrebungen rund um den Essener Konzern, die den Bewertungsmaßstab am Markt verschoben haben.
Übernahmeavancen von BASF als Kurstreiber
Hintergrund der Neubewertungen ist das Interesse aus Ludwigshafen. Vor gut einer Woche war bekannt geworden, dass BASF unverbindlich wegen eines Übernahmeangebots vorgefühlt hatte. Nach Reuters-Berichten wies Evonik eine Offerte über 10,3 Milliarden Euro beziehungsweise rund 22,15 Euro je Aktie als zu niedrig zurück.
Beide Chemiekonzerne hatten zuvor entsprechende Sondierungsgespräche bestätigt, bei denen auch die RAG-Stiftung eingebunden war. Seit den ersten Signalen verharrt die Aktie auf erhöhtem Niveau.
Der Markt hat den Aufschlag durch die Spekulationen rasch eingepreist. An der Börse notiert der Chemiekonzern bei 20,76 Euro, womit sich die Marktkapitalisierung auf 9,58 Milliarden Euro beläuft. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein deutliches Plus von 55 Prozent. Die aktuellen Kursziele der Analysten signalisieren nun, dass das Aufwärtspotenzial ohne ein nachgebessertes oder verbindliches Kaufangebot vorerst begrenzt sein könnte.
Strategischer Umbau vor den Quartalszahlen
Abseits der Übernahmespekulationen treibt das Management die eigene Neuausrichtung voran. Am 22. September stellte Evonik eine geschärfte Wachstumsstrategie vor, bei der das Portfolio und die großen deutschen Standorte klarer profiliert werden sollen. Kern des Programms „Evonik Tailor Made“ ist ein weltweiter Abbau von 3.200 Arbeitsplätzen, wovon rund 2.150 Stellen auf Deutschland entfallen.
Klarheit über die fundamentale Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr erwarten die Anleger am 3. November. An diesem Termin wird Evonik die Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlichen. Bis dahin dürften vor allem Neuigkeiten zu den Verhandlungen mit BASF den Takt an der Börse bestimmen.
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