Evonik Aktie: Berenberg dreht Daumen nach unten

Berenberg stuft Evonik mit einem Kursziel von 11,60 Euro auf 'Sell' herab. Die Analysten sehen strukturelle Probleme, vor allem im Methionin-Geschäft, und fordern radikalere Restrukturierungsmaßnahmen.

Die Kernpunkte:
  • Kursziel um 20 Prozent auf 11,60 Euro gesenkt
  • KI-Tool zeigt sieben von zehn Indikatoren negativ
  • Methionin-Segment droht struktureller Margenverfall
  • Radikale Schritte wie Aufspaltung gefordert

Berenberg schockt Evonik-Aktionäre mit einer drastischen Herabstufung auf “Sell” und einem um 20 Prozent gesenkten Kursziel von nur noch 11,60 Euro. Die Analysten sehen den Spezialchemie-Konzern in einer strukturellen Krise – während das Management zeitgleich die größte Restrukturierung der Firmengeschichte vorantreibt.

KI-Tool zeigt sieben von zehn Indikatoren im Minus

Die Privatbank stützt ihre pessimistische Einschätzung auf das hauseigene KI-gestützte Nowcasting-Tool “ChemCast”. Das Ergebnis ist ernüchternd: Sieben der zehn wichtigsten Preisindikatoren für Evonik sind negativ. Die daraus abgeleiteten Prognosen liegen deutlich unter den Markterwartungen:

  • EBITDA 2026: 1,79 Milliarden Euro (5 Prozent unter Konsens)
  • EBITDA 2027: 1,77 Milliarden Euro (10 Prozent unter Konsens)
  • Gewinn je Aktie 2026: 1,07 Euro (minus 5,2 Prozent)
  • Gewinn je Aktie 2027: 1,04 Euro (minus 19,7 Prozent)

Besonders der Einbruch der EPS-Prognose für 2027 um fast 20 Prozent dürfte Anleger alarmieren.

Methionin-Geschäft verliert an Wert

Ein Kernproblem sehen die Analysten im Methionin-Segment. Die Aminosäure für die Tierernährung generierte 2024 schätzungsweise 300 Millionen Euro EBITDA bei einem Umsatz von etwa 1,5 Milliarden Euro. Berenberg erwartet jedoch, dass dieses Geschäft bis 2030 in eine “strukturell margenschwache Kategorie” abrutscht – ein herber Rückschlag für einen wichtigen Ergebnisbringer.

Die Preissetzungsmacht erodiert dabei auf breiter Front. Nach Preisanstiegen von 10 Prozent (2021) und 18 Prozent (2022) folgten Rückgänge von jeweils 2 Prozent in 2023 und 2024. Berenberg prognostiziert weitere Preissenkungen im niedrigen einstelligen Bereich für die kommenden Jahre. Der Konzern könnte damit erst am Anfang stehen, die Preissteigerungen der frühen 2020er-Jahre wieder abzugeben.

Analysten fordern radikale Schritte

Inkrementelle Maßnahmen wie moderate Dividendenkürzungen und kleinere Assetverkäufe greifen aus Sicht von Berenberg zu kurz. Die Analysten fordern einen “radikaleren Ansatz” – inklusive deutlicher Kürzungen der Ausschüttung und möglicherweise einer Aufspaltung des Konzerns. Die hohe Dividendenrendite von 8,6 Prozent spiegelt bereits die Marktzweifel an der Nachhaltigkeit der aktuellen Ausschüttung wider.

SYNEQT-Ausgliederung als Hoffnungsschimmer

Anfang Januar startete die neue Tochtergesellschaft SYNEQT mit rund 3.500 Mitarbeitern. Die Einheit übernimmt die Chemieparks in Marl und Wesseling, während sich Evonik künftig auf das Kerngeschäft Spezialchemie konzentriert. Die Standorte sollen zu klimaneutralen Industrie-Ökosystemen transformiert werden – eine langfristige Wette auf Effizienzgewinne und neue Geschäftsmodelle.

Die Aktie notiert bei 13 Euro bereits unter dem alten Berenberg-Kursziel und nähert sich wieder dem im November 2025 erreichten Rekordtief von 13,55 Euro. Das neue Kursziel von 11,60 Euro impliziert weiteres Abwärtspotenzial von rund 10 Prozent. Mit einem trailing KGV von über 60 und einer Marktkapitalisierung von 6,2 Milliarden Euro zeigt die Bewertung die tiefe Verunsicherung der Investoren. Die Restrukturierung ist angelaufen – ob sie ausreicht, um die strukturellen Probleme zu lösen, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.

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