Evonik Aktie: Das BASF-Angebot wackelt?

BASF soll 24 Euro je Evonik-Aktie bieten; ein formelles Übernahmeangebot ist bislang nicht bestätigt.

Die Kernpunkte:
  • Aktie legte nach Offertenbericht 3,4 Prozent zu
  • Berichteter BASF-Preis: 24 Euro je Aktie
  • Evonik prüft laut Reuters die Offerte
  • Quartalsmitteilung für 3. November angekündigt

Der Kursanstieg nimmt eine Entscheidung vorweg

Für Evonik-Anleger wird entscheidend, ob aus der berichteten BASF-Offerte ein bestätigtes öffentliches Übernahmeangebot wird. Gestern gewann die Aktie nach Berichten über eine höhere Offerte 3,4%. Laut Reuters und Handelsblatt soll BASF 24 Euro je Aktie bieten. Die Kursreaktion zeigt, welche Bedeutung Anleger dieser Aussicht beimessen. Eine vollzogene Übernahme oder ein bestätigtes formelles Angebot steht dahinter aber nicht.

Damit richtet sich der Blick nach vorn: Anleger müssen zwischen einer möglichen Übernahme und der eigenständigen Entwicklung Evoniks abwägen. Die berichtete Offerte liefert einen konkreten Bewertungsanker. Ob dieser tatsächlich erreichbar wird, hängt jedoch von Entscheidungen ab, die nicht durch den Kursanstieg ersetzt werden.

Das Handelsblatt bezifferte das berichtete Gesamtangebot gestern auf 11,2 Milliarden Euro. Die vorherige Offerte habe bei 22,15 Euro je Aktie gelegen. Sprecher beider Unternehmen kommentierten die Berichte nicht. Für eine Anlageentscheidung zählt deshalb weniger die bereits gemeldete Erhöhung als die Frage, welchen verbindlichen Status das Vorhaben als Nächstes erreicht.

Ein formelles Angebot wäre der zentrale Schritt

Der wichtigste Faktor ist die Verbindlichkeit der Übernahmepläne. Reuters berichtete gestern, Evonik prüfe die Offerte. Zugleich war ein formelles öffentliches Übernahmeangebot nicht bestätigt. Prüfung, öffentliche Angebotsabgabe und erfolgreicher Abschluss sind unterschiedliche Schritte. Anleger sollten sie auch bei einer positiven Kursreaktion getrennt bewerten.

Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 21,40 € und damit unter dem berichteten Angebotspreis. Diese Differenz ist keine gesicherte Rendite. Sie würde erst dann zu einer realisierbaren Übernahmechance, wenn ein entsprechendes Angebot tatsächlich vorliegt und dessen Voraussetzungen erfüllt werden.

Eine Bestätigung könnte die Bewertungsgrundlage verändern: Statt einer berichteten Preisvorstellung ließen sich konkrete Bedingungen prüfen. Bis dahin bleibt die entscheidende Unsicherheit, ob BASF den beschriebenen Vorstoß in dieser Form weiterverfolgt. Ein höherer genannter Preis allein beantwortet diese Frage nicht.

Verbindlichkeit könnte die positive Lesart stärken

Im günstigen Szenario würde BASF die berichtete Offerte bestätigen und den Weg zu einem formellen Angebot konkretisieren. Für Evonik-Aktionäre wäre das ein substanzieller Fortschritt gegenüber dem gegenwärtigen Berichtsstand. Die Aussicht auf eine Transaktion ließe sich dann belastbarer beurteilen, ohne damit bereits einen erfolgreichen Abschluss zu unterstellen.

BASF hat sich bereits öffentlich zu einer möglichen Übernahme geäußert. Am Donnerstag sagte das Unternehmen in einer Videobotschaft zu, bestehende Standortvereinbarungen zu übernehmen. Betriebsbedingte Kündigungen sollten bis 2032 ausgeschlossen bleiben; Tarifverträge und Sozialpartnerschaft sollten unangetastet bleiben. Diese Zusagen könnten im positiven Szenario helfen, Unterstützung für das Vorhaben zu gewinnen.

Für Anleger wäre dabei die Verbindung aus Preis und Akzeptanz entscheidend. Die Garantien ersetzen kein formelles Angebot. Sie adressieren jedoch Fragen, die über den Kaufpreis hinausgehen. Würden verbindliche Angebotsbedingungen und tragfähige Unterstützung zusammenkommen, erhielte die Übernahmethese eine festere Grundlage.

Politischer Widerstand bleibt ein ernstes Risiko

Die skeptische Lesart beginnt nicht erst bei einem möglichen Rückzug von BASF. Bereits eine ausbleibende Konkretisierung könnte die Erwartungen belasten. Wer die Aktie vor allem wegen der Übernahmechance hält, müsste dann stärker auf Evoniks eigenständige Geschäftsentwicklung schauen. Der berichtete Preis wäre in diesem Fall kein verlässlicher Maßstab für einen erzielbaren Verkaufserlös.

Hinzu kommt ausdrücklich formulierter politischer Widerstand. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur sprach sich laut Handelsblatt am 14. Oktober im Landtag gegen eine Übernahme Evoniks durch BASF aus. Diese Position ist kein Beleg für ein rechtliches Scheitern. Sie zeigt aber, dass ein höherer Preis die Auseinandersetzung um das Vorhaben nicht allein entscheiden dürfte.

Auch die Haltung der RAG-Stiftung verdient Aufmerksamkeit. Nach einem Handelsblatt-Bericht vom 9. Oktober hielt sie 44 Prozent der Evonik-Anteile. Ihr Kuratorium legte sich damals nicht zur BASF-Offerte fest und verwies auf die Vorstände beider Unternehmen. Aus dieser Zurückhaltung lässt sich weder Zustimmung noch Ablehnung ableiten.

Der Quartalsbericht ergänzt die Übernahmefrage

Solange die berichtete Offerte Gegenstand einer Prüfung bleibt, sollten Anleger zwischen möglichem Übernahmewert und eigenständiger Bewertung unterscheiden. Würde ein formelles Angebot bestätigt, rückten dessen Bedingungen in den Mittelpunkt. Sollte sich die Übernahmeerwartung dagegen abschwächen, gewännen operative Ergebnisse für die Bewertung wieder stärkeres Gewicht.

Der nächste angekündigte Unternehmenstermin ist der 3. November 2026. Evonik will dann die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026 veröffentlichen. Dieser Bericht könnte die Grundlage liefern, um die eigenständige Entwicklung neben der Übernahmeperspektive einzuordnen. Die zentrale Anlegerfrage bleibt deshalb zweigeteilt: Wird die berichtete Offerte verbindlich – und wie überzeugend steht Evonik unabhängig davon da?

Anzeige

Stand heute, 24. Oktober: Evonik – Kaufen, halten oder verkaufen?

Wer in Evonik investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 24. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

Evonik: Gratis-Analyse (PDF) öffnen …

Diskussion zu Evonik