Evonik Aktie: Die Preiskeule entscheidet!

Ein höheres BASF-Gebot könnte neue Gespräche ermöglichen; zugleich erschweren politische Pläne und der Verhandlungsstopp eine Übernahme.

Die Kernpunkte:
  • Erstes Gebot über 22,15 Euro abgelehnt
  • RAG-Stiftung erwägt Verkauf ihres Evonik-Anteils
  • Berenberg hebt Evonik auf „Hold“
  • SPD-Fraktion beantragt Prüfung einer Landesbeteiligung

Die Eigentümerstruktur rückt in den Mittelpunkt

Die Machtverhältnisse rund um Evonik geraten in Bewegung. Vor gut einer Woche bestätigte BASF Sondierungsgespräche über eine Evonik-Übernahme, seither legte das Papier um 2,9 Prozent zu.

Medienberichten zufolge lehnte Evonik kurz darauf eine erste Offerte über rund 22,15 Euro je Aktie ab, die das Unternehmen mit etwa 10,3 Milliarden Euro bewertet hätte. Gestern ging der Titel bei 20,86 Euro aus dem Handel und notierte damit in Schlagdistanz zum 52-Wochen-Hoch von 21,04 Euro.

Dass die RAG-Stiftung am 30. September erklärte, sie könne ihren gesamten Anteil an Evonik verkaufen, verleiht der Gemengelage zusätzliche Dynamik. Gleichzeitig finden derzeit keine Gespräche zwischen beiden Chemiekonzernen statt.

Parallel dazu formiert sich auf politischer Ebene Widerstand gegen einen Verkauf. Marktteilnehmer stehen vor der Frage, wie lange das aktuelle Kursniveau ohne ein formelles Nachbessern aus Ludwigshafen Bestand haben kann.

Der Preisaufschlag entscheidet über neue Gespräche

Der entscheidende Faktor für die weitere Entwicklung ist die finanzielle Differenz zwischen den Vorstellungen beider Seiten. Evonik wies den kolportierten Betrag von 22,15 Euro je Aktie laut Reuters als zu niedrig zurück. Beide Konzerne lehnten eine Stellungnahme zu dieser Summe ab.

Damit die Gremien von Evonik und die RAG-Stiftung an den Verhandlungstisch zurückkehren, müsste BASF die Offerte erkennbar anheben. Ohne ein aufgestocktes Angebot fehlt dem Management in Essen die Grundlage für eine Neubewertung der Situation. Der Markt blickt daher auf den Preisabstand: Reicht der Ludwigshafener Konzern ein verbessertes Papier ein, oder bleibt es bei dem Stillstand der Gespräche?

Ein nachgebessertes Gebot eröffnet weiteres Kurspotenzial

Im optimistischen Fall nutzt BASF die Verkaufsbereitschaft der RAG-Stiftung für einen zweiten, höher dotierten Vorstoß. Eine Aufstockung des Kaufangebots könnte den Widerstand der Essener Konzernführung aufweichen und eine Übernahme wahrscheinlicher machen.

Rückendeckung erhält diese Perspektive von Analystenseite. Sebastian Bray vom Bankhaus Berenberg stufte Evonik am Montag von „Sell“ auf „Hold“ hoch und setzte das Kursziel auf 20 Euro. Er verwies darauf, dass das Übernahmeinteresse von BASF der Aktie selbst bei sinkenden Methioninpreisen einen Boden geben könne.

Flankierend setzt das Unternehmen auf interne Effizienzsteigerungen. Vor gut einer Woche schärfte Evonik die Wachstumsstrategie nach, seither stieg der Kurs um 5,0 Prozent. Das Konzept sieht vor, weltweit 3.200 Arbeitsplätze abzubauen, darunter rund 2.150 Stellen in Deutschland, und die Investitionen in Asien und Amerika auszubauen.

Am Montag vermeldete der Spezialchemiekonzern zudem die Entwicklung einer biologisch abbaubaren Polymerplattform für pharmazeutische Hilfsstoffe. Gelingt eine Einigung zwischen BASF und den Großaktionären, könnte eine Fusionsprämie dem Papier weiteren Auftrieb verleihen.

Politischer Widerstand und Verhandlungsstopp bergen Abwärtsrisiken

Das Risiko einer Kurskorrektur ist greifbar, sollte BASF die Verhandlungen endgültig fallen lassen. Ohne die Übernahmefantasie fiele die Prämie weg, die den Kurs stützt. Parmantier & Cie. bewertete den Titel am Dienstag im Rahmen einer Branchenstudie mit „Halten“ und einem Kursziel von 20,50 Euro auf Sicht von sechs Monaten.

Zusätzliche Hürden entstehen durch die Landespolitik. Die SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen schlug gestern vor, dass die Landesregierung eine Beteiligung an Evonik prüft. Ziel sei es, gemeinsam mit der RAG-Stiftung über 50 Prozent plus X der Anteile abzusichern.

Der Landtag soll den Antrag laut dpa in der kommenden Woche behandeln. Solche politischen Weichenstellungen könnten BASF signalisieren, dass eine Übernahme auf langwierigen Widerstand trifft, was die Wahrscheinlichkeit eines Rückzugs erhöht.

Fundamentale Zahlen rücken als nächster Gradmesser heran

Solange der Markt die Möglichkeit einer überarbeiteten Offerte einpreist, dürften Kursrücksetzer moderat bleiben. Kippt diese Erwartung durch eine endgültige Absage aus Ludwigshafen oder durch politische Blockaden, droht eine Rückkehr zur Bewertung auf rein operativer Basis.

Für Klarheit über die fundamentale Verfassung sorgt der nächste feste Termin im Finanzkalender: Am 3. November 2026 legt Evonik die Geschäftsergebnisse für das dritte Quartal 2026 vor. Dieser Zwischenbericht wird verdeutlichen, ob die Ertragskraft der Spezialchemie ausreicht, um das aktuelle Bewertungsniveau auch ohne externe Kaufangebote zu rechtfertigen.

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