Evonik Aktie: Eigenständigkeit statt BASF
Im dritten Quartal wuchsen Umsatz und bereinigtes EBITDA; Evonik hält zugleich die obere Hälfte seiner Jahreszielspanne für wahrscheinlich.

- Bereinigtes EBITDA steigt um 40 Prozent
- Umsatz legt um 13 Prozent zu
- Evonik lehnt BASF-Offerte über 24 Euro ab
- Käufer für Oxeno soll noch benannt werden
Evonik legt starke Quartalszahlen vor und nutzt den Termin für eine klare Botschaft an den Übernahmeinteressenten BASF: Der Essener Konzern will allein weitermachen. Finanzchef Michael Rauch stellte das in einem Mitarbeitervideo heraus. Die Aktie gab im frühen Handel dennoch leicht nach.
Quartal im Rahmen der Erwartungen
Im dritten Quartal stieg das bereinigte EBITDA um 40 Prozent auf 629 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt mit 633 Millionen Euro gerechnet, der Wert lag also minimal darunter. Der Umsatz wuchs um 13 Prozent auf knapp 3,83 Milliarden Euro und übertraf die Erwartungen leicht.
Höhere Preise und etwas größere Absatzmengen trugen dazu bei. Viele europäische Chemiefirmen profitieren derzeit davon, dass asiatische Konkurrenten stärker unter den Folgen des Iran-Kriegs leiden.
Den größten Beitrag lieferte die Sparte Advanced Technologies, deren operativer Gewinn um fast 90 Prozent auf 377 Millionen Euro sprang. Hochleistungskunststoffe liefen besser aus, zudem stützte das Tierfuttereiweiß Methionin. Custom Solutions legte um 7 Prozent auf 231 Millionen Euro zu.
Unter dem Strich bleibt ein Nettoverlust von 53 Millionen Euro, nur noch halb so hoch wie vor einem Jahr. Grund ist eine Rückstellung von 313 Millionen Euro für das erweiterte Sparprogramm, vor allem für Abfindungen. Im Juni hatte Evonik den Abbau weiterer 3.200 Stellen bis Ende 2029 angekündigt.
Für das Gesamtjahr hält das Unternehmen die obere Hälfte der Zielspanne von 2,0 bis 2,2 Milliarden Euro beim bereinigten EBITDA nun für wahrscheinlich. Analysten erwarten im Schnitt bereits das obere Ende.
Absage an BASF, Verkäufe im Gange
BASF hatte eine Offerte von 24 Euro je Evonik-Aktie in Aussicht gestellt. Evonik lehnte ab, ließ die Tür für Gespräche aber offen. Rauch nannte das Interesse nachvollziehbar, das Timing allerdings „wirklich merkwürdig“: Die Offerte kam, kurz nachdem Evonik den krankheitsbedingten Ausfall von Vorstandschef Christian Kullmann gemeldet hatte. Vertreten wird er derzeit von Claus Rettig.
Parallel treibt Evonik den Umbau voran. Beim geplanten Verkauf des Basischemiegeschäfts Oxeno soll in den kommenden Monaten ein Käufer bekannt gegeben werden. Für den Verkauf der Chemieparkbetreiberin Syneqt laufen die Vorbereitungen. Nach Medienberichten soll Evonik zudem Interesse am US-Wettbewerber Ashland haben.
Die Aktie notierte im Xetra-Handel zeitweise 0,77 Prozent im Minus bei 20,58 Euro. Damit liegt sie weiter klar unter dem BASF-Angebotspreis von 24 Euro. Der Markt preist also offenbar keine schnelle Einigung ein.
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