Evonik Aktie: Eigenständigkeit statt Übernahme
Interimschef Claus Rettig hält die Konzernplanung für wertvoller als BASFs Offerte; Evonik verfolgt eine eigenständige Weiterentwicklung.

- BASF bot 24 Euro je Evonik-Aktie
- Rettig sieht Planung über dem Angebot
- Evonik verhandelt nicht über eine Übernahme
- Aktie stieg zeitweise um rund 0,6 Prozent
Evonik sagt Nein zu BASF, und der Interimschef legt nach. Claus Rettig stellt klar: Das Angebot der Ludwigshafener überzeugt ihn nicht. Er verweist auf einen Branchentrend, der eher zur Fokussierung als zur Größe führe.
Rettig: „Das liefern wir selbst“
BASF hatte zuletzt 24 Euro je Evonik-Aktie geboten. Das bewertet den Spezialchemiekonzern mit mehr als elf Milliarden Euro. Rettig hält dagegen: Die Planung liege über dem Gebot, man komme „sicher drüber“. Ein Gegenangebot gibt es nach seinen Worten nicht.
Der 66-Jährige leitet das Asiengeschäft und führt den Konzern seit Anfang September zusätzlich kommissarisch, weil CEO Christian Kullmann erkrankt ist. Eine Einordnung: Ein Interimschef, der ein Angebot so deutlich zurückweist, setzt ein klares Signal an Aktionäre und Bieter.
Eigene Zukäufe schließt Rettig nicht aus. An der Konsolidierung der Branche wolle Evonik aktiv teilnehmen, sofern sie Wert schaffe und Wachstum bringe. Die „finanzielle Feuerkraft“ sei vorhanden, proaktiv verfolge man Übernahmen bisher aber nicht. Chancen sieht er in Deutschland, Europa und den USA.
Sorgen, bei einem Rückzug von BASF zum Ziel anderer Interessenten zu werden, hat er nicht. Gerüchte über Käufer aus der arabischen Welt nannte er „totalen Blödsinn“.
Finanzchef stärkt den Kurs
Finanzvorstand Michael Rauch hatte am Dienstag zu den Quartalszahlen eine ähnliche Linie gezogen. Dass Evonik als weltweit führender Spezialchemieanbieter für andere interessant sei, sei nachvollziehbar. Zugleich betonte er: „Evonik ist groß genug.“ Das Portfolio werde nach den laufenden Maßnahmen noch attraktiver.
Bereits vergangene Woche hatte das Unternehmen mitgeteilt, auf Basis der vorliegenden Informationen nicht mit BASF über eine Übernahme zu verhandeln. Der Vorstand wolle Evonik als eigenständiges Unternehmen weiterentwickeln. Offen zeigte er sich nur für einen rein informativen, vertraulichen Austausch über die Positionen beider Konzerne.
Markt reagiert moderat
An der Börse hielt sich die Reaktion in Grenzen. Die Evonik-Aktie legte im Xetra-Handel zeitweise um rund 0,6 Prozent auf 21,48 Euro zu. Sie notiert damit weiter unter dem BASF-Gebot von 24 Euro. Der Markt preist offenbar eine gewisse Wahrscheinlichkeit ein, dass es bei der Offerte nicht bleibt, rechnet aber nicht fest mit einem Deal.
Die BASF-Aktie zog parallel um gut vier Prozent auf etwa 56,50 Euro an. Eine Verhandlungsrunde gibt es bislang nicht, nur das Angebot eines vertraulichen Gesprächs.
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