Evonik Aktie: Gewerkschaft mahnt zur Vorsicht
Die Gewerkschaft verlangt Klarheit zu BASFs Übernahmeinteresse, Evoniks Zukunftsstrategie und der Verantwortung der RAG-Stiftung.

- IGBCE äußert Zweifel an BASF-Plänen
- Gewerkschaft verlangt Zukunftskonzepte beider Konzerne
- RAG-Stiftung hält 43 Prozent an Evonik
- Evonik veröffentlicht Quartalsbericht am 3. November
Die Übernahmeavancen der BASF stoßen bei der IGBCE auf Skepsis. In einem dreiseitigen Brief an die Betriebsräte beider Konzerne fordert die Gewerkschaft Antworten vom Management und warnt vor Schnellschüssen. Der Brief richtet sich auch an die RAG-Stiftung, die mit 43 Prozent größte Evonik-Anteilseignerin.
Gewerkschaft: „Größer ist nicht automatisch besser“
Die Initiative komme in einer sensiblen Zeit, schreiben IGBCE-Chef Michael Vassiliadis und Hauptvorstandsmitglied Alexander Bercht. Der Druck auf Standorte und Arbeitsplätze sei seit Jahren hoch. „Größer ist nicht automatisch besser, und ein bloßes Weiter-so auch nicht“, heißt es. Man wolle das Für und Wider sorgfältig bewerten.
An die BASF geht die Frage, welches Zukunftsangebot sie den Beschäftigten und Standorten beider Unternehmen mache. Evonik muss sich fragen lassen, wie eine Zukunft aus eigener Kraft verbindlich aussieht. Die Gewerkschaft will zudem wissen, wann die strategischen Initiativen kommen, für die der harte Personalabbau die Grundlage schaffen sollte.
Die Rolle der RAG-Stiftung
Besonders deutlich wird der Brief bei der Stiftung. Ohne die Evonik-Dividende müsste sie ihr übriges Vermögen künftig deutlich erfolgreicher anlegen als bisher. Wie das gelingen soll, sei bislang nicht dargelegt.
Die Gewerkschafter fragen, ob jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt sei, sich mit einem möglichen Gesamtverkauf von der Verantwortung für dieses Erbe zu lösen. Ebenso wollen sie wissen, welche Mitverantwortung die Stiftung für die verschiedenen Wege übernehmen will, die Evonik gehen könnte.
Die Absender sitzen selbst in den Gremien der Beteiligten. Vassiliadis gehört dem BASF-Aufsichtsrat und dem Stiftungskuratorium an, Bercht ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Evonik. Ihr Wort hat also Gewicht.
Was bisher bekannt ist
Vor knapp zwei Wochen machten die Unternehmen und die Stiftung die Offerte öffentlich. Evonik sprach von einer unverbindlichen Ansprache der BASF, gerichtet auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien. Gespräche fänden derzeit nicht statt. BASF erklärte, Fortgang und Ausgang der Sondierungen seien offen.
Marktberichten zufolge soll das Angebot bei rund 10,3 Milliarden Euro gelegen haben und als zu niedrig zurückgewiesen worden sein. Auch die nordrhein-westfälische Politik mischt sich inzwischen ein. Für Aktionäre ergibt sich eine ungewöhnliche Lage: Übernahmefantasie trifft auf einen laufenden Konzernumbau.
Der nächste feste Termin steht bereits fest: Evonik legt am 3. November den Quartalsbericht vor. Dann könnte das Management auch zu den Fragen der Gewerkschaft Stellung beziehen.
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