Evonik Aktie: Membran für grünen Wasserstoff

Evonik beginnt mit der Fertigung einer neuen Membran für die Wasserstoffelektrolyse und erschließt sich damit einen vielversprechenden Zukunftsmarkt.

Die Kernpunkte:
  • Kommerzielle Produktion in Marl gestartet
  • Edelmetallfreie AEM-Elektrolyse als Kern
  • Technikzentrum in Shanghai eröffnet
  • RAG-Stiftung plant Anteilsreduzierung

Evonik hat in Marl mit der kommerziellen Produktion einer Spezialmembran für die Wasserstoffelektrolyse begonnen — und positioniert sich damit in einem Markt, der nach eigener Einschätzung in den kommenden Jahrzehnten stark wachsen wird. Die Aktie reagierte auf die Meldung dennoch mit leichten Abgaben.

Was die Membran kann

Im Kern geht es um die sogenannte AEM-Elektrolyse, ein Verfahren zur Gewinnung von grünem Wasserstoff aus Wasser. Der Clou: Edelmetalle werden dabei nicht benötigt, und der Wasserstoff lässt sich direkt unter Druck erzeugen — zusätzliche Kompressionsschritte entfallen. Fachstudien sehen ein Einsparpotenzial bei den Investitionskosten von mindestens 25 Prozent gegenüber herkömmlichen Verfahren.

Das ist relevant, weil grüner Wasserstoff je nach Region noch doppelt bis viermal so teuer ist wie grauer Wasserstoff aus Erdgas. Technologien, die diese Lücke schließen, haben also echtes wirtschaftliches Potenzial — sofern der Markt mitzieht.

China als Schlüsselmarkt

Parallel zur Fertigung in Deutschland hat Evonik ein Technikzentrum in Shanghai aufgebaut. Dort werden die in Marl produzierten Membranen unter industriellen Bedingungen getestet — in Kooperation mit lokalen Partnern und Kunden. Die Begründung ist pragmatisch: Die AEM-Technologie findet in großem Maßstab vor allem in China Resonanz.

Das Technikzentrum richtet sich zwar an globale Abnehmer, ist aber bewusst nah am chinesischen Markt angesiedelt. Für Evonik, das sich in einer umfangreichen Portfoliotransformation befindet, könnte das Wasserstoffgeschäft mittelfristig ein Wachstumsbaustein werden — vorausgesetzt, die Nachfrage entwickelt sich wie erwartet.

Hauptaktionär mit eigenen Plänen

Unabhängig von der Produktneuigkeit gibt es Bewegung auf der Eigentümerseite. Die RAG-Stiftung, mit rund 44 Prozent derzeit größter Einzelaktionär, hat erneut bekräftigt, ihren Anteil auf 25,1 Prozent absenken zu wollen. Die Stiftung erzielte 2025 einen Überschuss von knapp 420 Millionen Euro und baute ihre Rückstellungen auf 9,87 Milliarden Euro aus. Stiftungschef Bernd Tönjes verwies dabei ausdrücklich auf den Abbau von Konzentrationsrisiken — der Evonik-Anteil ist dabei die größte Einzelposition im Portfolio.

Ein weiterer Abbau dieser Beteiligung dürfte den Kurs belasten, solange die Stiftung als möglicher Verkäufer im Markt präsent bleibt. Wann genau weitere Pakete platziert werden, ließ die Stiftung offen.

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