Evonik Aktie: RAG-Stiftung hält die Zügel?
Investoren und Analysten halten 22,15 Euro für unzureichend; Zustimmung der RAG-Stiftung zu einem höheren Preis bleibt offen.

- Erstes Angebot über 22,15 Euro abgelehnt
- RAG-Stiftung hält rund 43 Prozent
- Neuer Annäherungsversuch in Wochen erwartet
- Verkauf von Oxeno und Syneqt geplant
Rund 25 Euro je Anteilsschein müssen Marktbeobachter zufolge auf den Tisch, damit eine Übernahme des Spezialchemiekonzerns Evonik gelingen kann. Nach dem Ende September abgelehnten ersten Vorstoß aus Ludwigshafen richten sich die Blicke an den Finanzmärkten nun auf die finanzielle Schmerzgrenze beider Seiten.
Eine Umfrage des Handelsblatts unter Investoren und Analysten zeichnet ein klares Bild: Der ursprüngliche Betrag von 22,15 Euro je Aktie reicht für eine Einigung nicht aus.
An der Börse wird das Tauziehen aufmerksam verfolgt. Die Evonik-Aktie legte heute um 2,0 Prozent auf 21,38 Euro zu und nähert sich damit wieder dem bisherigen Erstangebot an.
RAG-Stiftung im Zentrum der Spekulationen
Das bisherige Angebot bewertete Evonik mit einem Eigenkapitalwert von rund 10,3 Milliarden Euro beziehungsweise einem Gesamtwert von 14 Milliarden Euro inklusive der Schulden. Ulrich Hocker, Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), bezifferte das erste Gebot auf das Sechs- bis Siebenfache des für 2027 erwarteten operativen Gewinns. Er rechnet in den kommenden Wochen mit einem neuen Annäherungsversuch.
Eine Schlüsselrolle im Übernahmepoker kommt der RAG-Stiftung zu. Sie hält rund 43 Prozent der Anteile an Evonik. Die Stiftung zeigt sich grundsätzlich offen für einen Verkauf, um langfristige Verpflichtungen aus dem Steinkohlebergbau abzusichern. Ob sie einem nachgebesserten Preis zustimmen würde, bleibt jedoch offen.
Offizielle Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen finden derzeit nicht statt. Evonik hatte den ersten Entwurf einer freiwilligen öffentlichen Übernahmeofferte als unzureichend zurückgewiesen.
Strategischer Umbau läuft parallel weiter
Während am Markt über ein höheres Angebot spekuliert wird, treibt Evonik eigene strategische Weichenstellungen voran. Geplant ist unter anderem die Veräußerung der Aktivitäten rund um Oxeno sowie der Einheit Syneqt, von der rund 3.500 Beschäftigte betroffen sind.
Eine mögliche Transaktion mit Ludwigshafen könnte auch diesen Prozess beeinflussen. Beide Konzerne erwirtschaften jeweils zwischen 40 und 50 Prozent ihrer Erlöse auf dem europäischen Markt.
Aufseiten des Interessenten stehen zudem Zusagen für bestehende Vereinbarungen sowie der Erhalt des Investment-Grade-Ratings im Raum. Evonik selbst hatte betriebsbedingte Kündigungen im Inland bis zum Jahr 2032 ausgeschlossen und einen geplanten Personalabbau auf freiwillige Vereinbarungen mit Abfindungen begrenzt.
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