Evonik Aktie: RAG-Stiftung hält Hebel in BASF-Poker

Evonik wies BASFs Erstangebot zurück; eine mögliche Transaktion hängt auch von der Haltung der RAG-Stiftung ab.

Die Kernpunkte:
  • Erstes BASF-Gebot nicht angenommen
  • RAG-Stiftung hält rund 44 Prozent
  • IG BCE fordert Standortzusagen
  • Evonik plant 3.200 Stellenstreichungen

Nach dem ersten Abtasten im Übernahmepoker zwischen Ludwigshafen und Essen richtet sich der Blick des Marktes auf die Eigentümerstruktur. Die RAG-Stiftung hält rund 44 Prozent an Evonik und sitzt bei jeder weiteren Weichenstellung am Hebel. Während das Management des Essener Konzerns die erste Offerte von BASF über 22,15 Euro je Aktie als unzureichend für formelle Verhandlungen zurückwies, prüfen die Beteiligten nun ihre Optionen.

Evonik lässt sich nach Berichten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von Perella Weinberg und J.P. Morgan beraten. Auf der Gegenseite stehen BASF die Deutsche Bank, Barclays und die Kanzlei Linklaters zur Seite.

Evonik-Interimschef Claus Rettig betonte, der Konzern sei am Kapitalmarkt unterbewertet. Das erste Gebot bezifferte das Eigenkapital mit rund 10,3 Milliarden Euro und den Gesamtwert inklusive Schulden auf etwa 14,2 Milliarden Euro. Für formelle Gespräche oder eine Due-Diligence-Prüfung reichte dies den Essenern nicht aus.

Stiftung und Gewerkschaft stellen Bedingungen

Die Haltung der RAG-Stiftung gilt als ausschlaggebend für das Zustandekommen einer Transaktion. Die Stiftung plante ohnehin, ihren Anteil an Evonik perspektivisch auf gut 25 Prozent zu reduzieren. Ob dieser Rückzug über einen Zusammenschluss mit BASF forciert wird, ist offen.

Analyst Peter Spengler von der DZ Bank sieht in einer Übernahme zwar strategisches Potenzial zur Stärkung der BASF-Spezialchemie, verweist jedoch zugleich auf die ungeklärte Finanzierung und die offene Haltung der Stiftung.

Parallel formiert sich Widerstand der Arbeitnehmerseite. IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis äußerte Bedenken hinsichtlich der Standorte und forderte verlässliche Zukunftsperspektiven sowie Investitionszusagen.

Die Belegschaft befindet sich ohnehin im Umbruch: Bis Ende 2029 will Evonik 3.200 Stellen streichen, davon rund 2.150 in Deutschland. Zudem ist geplant, bis Ende 2029 die Werke in Rheinfelden und Düren aufzugeben und die Fertigung gefällter Kieselsäure am Standort Marl zu bündeln.

Bewertungslücke im europäischen Branchenumfeld

An der Börse notierte das Papier am Dienstag bei 19,87 Euro, was einem Kursplus von 49 Prozent seit Jahresanfang entspricht. Damit bewegt sich der Kurs nahe an seinem 52-Wochen-Hoch von 20,36 Euro.

Die Debatte um einen angemessenen Preis wird auch durch die jüngsten Geschäftszahlen geprägt. Für das Jahr 2025 wies Evonik einen Umsatz von 14,1 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes EBITDA von 1,87 Milliarden Euro aus.

Ob BASF nachbessert oder der Prozess ohne Verhandlungen ruht, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die RAG-Stiftung in den kommenden Wochen positioniert.

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