Evonik Aktie: Schweigt die Stiftung weiter?
Die Stiftung hat sich zur BASF-Offerte nicht positioniert; Evoniks Q3-Mitteilung erscheint am 3. November 2026.

- RAG-Stiftung hält 44 Prozent
- Kuratorium vertagte seine Position zur Offerte
- BASF spricht nach Bucheinsicht über höheres Gebot
- Evoniks Q3-Mitteilung folgt am 3. November
Die RAG-Stiftung wird zum Schlüsselfaktor
Für Evonik-Anleger hängt die Übernahmeperspektive wesentlich davon ab, wie sich die RAG-Stiftung positioniert. Laut Handelsblatt hält sie 44 Prozent der Anteile.
Ihr Kuratorium legte sich nach seiner Beratung am 9. Oktober nicht zur BASF-Offerte fest und verwies auf bilaterale Gespräche zwischen den Unternehmen. Vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen stehen Anleger deshalb vor einer Abwägung: Wie viel Gewicht verdient die Übernahmechance gegenüber der eigenständigen Geschäftsentwicklung?
Die Zurückhaltung der Stiftung ist weder eine Zustimmung noch eine Absage. Genau diese Unterscheidung zählt für die weitere Bewertung. Wer auf eine Übernahme setzt, setzt damit auch auf Entscheidungen eines bedeutenden Anteilseigners, der sich bislang nicht festgelegt hat. Die operative Entwicklung bleibt daneben ein eigenständiger Prüfstein.
Entscheidend ist die Haltung zum Beteiligungspaket
Der zentrale Faktor ist die Bereitschaft der Stiftung, einen Verkauf ihres Evonik-Pakets zu unterstützen. Ihre Beteiligung verleiht dieser Frage besonderes Gewicht. Eine positive Positionierung könnte die Perspektive einer Verständigung stärken; eine ablehnende Haltung würde die Erwartungen an einen Verkauf belasten. Beides ist ein Szenario, kein bereits gefasster Beschluss.
Dass ein vollständiger Verkauf umstritten ist, zeigt die gewerkschaftliche Position. Laut Handelsblatt stellten IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis und Alexander Bercht einen solchen Schritt in einem Schreiben an Betriebsräte von BASF und Evonik infrage. Sie warnten am 9. Oktober vor Schnellschüssen. Damit betrifft die Debatte nicht allein den Preis, sondern auch die Frage, ob und in welcher Form das Beteiligungspaket überhaupt verkauft werden sollte.
Für Anleger folgt daraus eine klare Trennung: Eine attraktivere Offerte wäre ein wirtschaftlicher Anreiz. Sie wäre aber noch kein Beleg dafür, dass die maßgeblichen Beteiligten einen Verkauf unterstützen.
Eine Verständigung könnte die Bewertung stützen
Im günstigen Szenario nähern sich BASF und Evonik an, während die RAG-Stiftung einen möglichen Verkauf unterstützt. Den finanziellen Ansatzpunkt liefert die berichtete Bereitschaft von BASF, nach Einsicht in die Bücher über ein höheres Angebot zu sprechen. Laut dpa-AFX-Kreisen hatte Evonik die erste Offerte von 22,15 Euro je Aktie als zu niedrig abgelehnt.
Für eine positive Neubewertung wäre damit mehr nötig als die bloße Wiederholung des Übernahmeinteresses. Fortschritte bei den Gesprächen und eine konstruktive Positionierung der Stiftung könnten aus der Möglichkeit eines höheren Gebots eine belastbarere Perspektive machen. Eine Nachbesserung ist dadurch nicht zugesichert.
Auch die Beschäftigungsfrage könnte in einem Verständigungsszenario an Schärfe verlieren. Laut dpa-AFX-Kreisen würde BASF bestehende Beschäftigungs- und Standortvereinbarungen bei einer Übernahme vollumfänglich einhalten. Solche Zusagen könnten Einwände adressieren. Sie ersetzen jedoch weder die Zustimmung der Beteiligten noch eine Einigung über den Preis.
Politischer Widerstand bleibt ein ernstes Risiko
Das Gegenbild ist eine Übernahmedebatte, die trotz finanzieller Anreize nicht zu einer Verständigung führt. Die politischen Vorbehalte sind ausdrücklich formuliert: Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur sprach sich laut Handelsblatt am 14. Oktober im Landtag gegen eine Übernahme Evoniks durch BASF aus.
Zugleich lehnte der Landtag einen SPD-Antrag zu stärkerem staatlichem Eingreifen ab. Aus der politischen Ablehnung lässt sich deshalb weder ein bestätigter Einstieg des Landes noch ein bereits feststehendes Scheitern der Transaktion ableiten. Für Anleger erhöht sie aber die Zahl der Interessen, die neben dem Angebotspreis zu berücksichtigen sind.
Ein weiteres Risiko liegt darin, die Bereitschaft zu Gesprächen über ein höheres Gebot bereits als dessen Ankündigung zu behandeln. Die berichtete Offenheit von BASF ist an die Einsicht in Evoniks Bücher geknüpft. Würden Gespräche nicht vorankommen oder würde sich die Stiftung gegen einen Verkauf stellen, verlöre das Übernahmeszenario an Tragfähigkeit. Dann müsste die eigenständige Geschäftsentwicklung stärker für die Bewertung einstehen.
Die Quartalszahlen liefern den nächsten Prüfstein
Solange die Stiftung ihre Entscheidung offenhält und eine Verständigung möglich bleibt, lässt sich die Übernahmechance als Szenario berücksichtigen. Konkretisiert sich dagegen der Widerstand gegen einen Verkauf, müsste dieses Szenario vorsichtiger gewichtet werden. Ausschlaggebend wären erkennbare Entscheidungen und Verhandlungsschritte, nicht allein die Aussicht auf einen höheren Preis.
Der nächste konkrete Termin ist die Veröffentlichung der Quartalsmitteilung für Q3 2026 am 03.11.2026. Sie bietet den nächsten Anlass, Evoniks eigenständige Geschäftsentwicklung zu beurteilen. Die eingeführten Dentalwerkstoffe und die Markteinführung von Lypron gehören zum operativen Hintergrund; einen bestimmten Ergebnisbeitrag belegen die Produktmeldungen nicht.
Für Anleger laufen damit zwei Prüfungen parallel: Verbessert sich die Aussicht auf eine tragfähige Übernahmevereinbarung, und wie stellt sich Evonik unabhängig davon wirtschaftlich dar? Die Haltung der RAG-Stiftung bleibt für die erste Frage zentral. Für die zweite liefern die angekündigten Quartalszahlen den nächsten konkreten Anhaltspunkt.
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